Der Flugzeugbau profitiert von steigenden Passagierzahlen

Die Airlines benötigen aufgrund steigender Passagierzahlen ständig neue Flugzeuge. Boeing und Airbus teilen den Markt weitgehend unter sich auf. (Foto: EQRoy)

Fliegen ist so beliebt wie nie zuvor. Im Jahr 2016 wurde die Rekordzahl von 3,7 Mrd. Passagieren befördert. 2017 werden es noch mehr sein. Bis 2035 soll sich das Passagieraufkommen sogar verdoppeln.

Vor allem in Asien wird starkes Wachstum prognostiziert. Die Airlines benötigen deshalb ständig neue Flugzeuge. Boeing und Airbus teilen den Markt weitgehend unter sich auf, sind jedoch auf Jahre hinaus ausgelastet. Dadurch entsteht Raum für neue Konkurrenz, zum Beispiel aus China.

Neue Konkurrenz bei Frachtflugzeugen

Neben der Personenbeförderung wird auch das Frachtaufkommen immer größer. Lockheed Martin hat sich eigentlich vor allem auf den militärischen Flugzeugbau spezialisiert. Auf Grundlage eines der erfolgreichsten Militärtransporter der Unternehmensgeschichte wurde jetzt aber ein neuer Typ für den zivilen Einsatz entwickelt. Die wegen der großen Traglast und Flexibilität als „Super Herkules“ bezeichnete LM-100J stellt einen echten Konkurrenten zu den Angeboten von Boeing und Airbus dar.

Trend zu effizienteren Modellen

Die Fluglinien achten auf den Einsatz effizienter Maschinen und legen deshalb besonderen Wert auf große Modelle, die gleichzeitig wenig Sprit verbrauchen. Hier sind die Flugzeugbauer auf Triebwerksspezialisten wie MTU angewiesen. Gemeinsam werden die Antriebe optimiert.

Weil die Zeitpläne für Neuentwicklungen immer kürzer werden, treten jedoch auch immer mehr technische Probleme auf. So haben Abstimmungsprobleme sowohl bei der A320neo-Familie von Airbus als auch bei der CSeries von Bombardier zu erheblichen Verzögerungen bei der Auslieferung neuer Flugzeuge geführt.

Militärflugzeuge zwischen Terrorangst und Sparmaßnahmen

Der wirtschaftliche Erfolg des militärischen Flugzeugbaus ist eng mit der Finanzkraft und dem Rüstungsetat der Nationalstaaten verbunden. Trotz leerer Staatskassen in vielen Industrieländern wird an der Rüstung nicht gespart. Angesichts zahlreicher Krisen in der ganzen Welt steigt die Nachfrage nach modernem Kriegsgerät.

Aktienrückkäufe fressen das Eigenkapital auf

Ein gefährlicher Trend hat fast alle Unternehmen der Branche erfasst. Es werden in großem Stil Aktienrückkäufe durchgeführt und Dividenden erhöht. Das Eigenkapital geht dramatisch zurück. Airbus, Boeing und Lockheed Martin operieren mit einstelligen Eigenkapitalquoten. Bei Bombardier ist das Eigenkapital sogar negativ. Lediglich MTU ist im Vergleich zu anderen Industrieunternehmen solide finanziert.

Die Konzerne können diese Kapitalausstattung nur deshalb durchhalten, weil die Auftragsbücher auf Jahre hinaus gefüllt sind. Zudem sind Heimatstaaten substantiell beteiligt, oder die Produkte sind im nationalen Interesse. Im Zweifelsfalle würden die Staaten die Unternehmen nicht Pleite gehen lassen, sondern retten. Das wird gerade am Beispiel von Bombardier deutlich. Ohne die Unterstützung der kanadischen Regierung hätte das Unternehmen längst Insolvenz anmelden müssen.

Für Anleger hat die niedrige Eigenkapitalausstattung jedoch auch positive Auswirkungen. Bei erfolgreichen Unternehmen sind die Renditen höher, weil der Hebel durch einen hohen Fremdkapitaleinsatz größer ist. Das gilt vor allem in Zeiten niedriger Zinsen. Zudem steht viel Kapital für Dividenden zur Verfügung.

 

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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.