Der Geschäftsbericht und die beiden Seiten einer Bilanz

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Schlussgong-Bilanz-Serie Teil 2: Erfahren Sie, was ein Geschäftsbericht beinhaltet und was es mit den beiden Seiten einer Bilanz auf sich hat. (Foto: Rawpixel.com / Shutterstock.com)

Heute, im zweiten Teil meiner neuen Bilanzserie hier im Schlussgong, möchte ich Ihnen alles Wissenswerte zum Geschäftsbericht näherbringen und Ihnen in Grundzügen die beiden Seiten einer Unternehmensbilanz vorstellen. Das ist quasi Ihr Analyse-Training für die nächsten Geschäftsberichte.

Im dritten und letzten Teil werde ich dann etwas detaillierter auf die beiden Seiten einer Bilanz (Aktiv- und Passivseite) eingehen.

Der Geschäftsbericht eines Unternehmens

Der Geschäftsbericht enthält einen Lagebericht, in dem der Vorstand die Aktionäre über die Entwicklung des Unternehmens unterrichtet. Der Lagebericht bezieht sich auf den Zeitraum seit dem Bilanzstichtag (also zu dem Stichtag, zu dem die Bilanz aufgestellt wurde).

Er soll aber vor allem auch die absehbare Entwicklung im weiteren Verlauf des laufenden Geschäftsjahres darstellen. Der Geschäftsbericht muss von einem Wirtschaftsprüfer durch dessen Unterschrift testiert werden.

Erinnern Sie sich in diesem Zusammenhang an meine Schlussgong-Berichte über Staramba; bei Staramba haben die Wirtschaftsprüfer ein Testat verweigert, was bei börsennotierten deutschen Unternehmen sehr selten vorkommt und daher stets als Alarmzeichen interpretiert werden sollte.

Der Wirtschaftsprüfer muss zunächst prüfen, ob der Geschäftsbericht den gesetzlichen Anforderungen entspricht und ordnungsgemäß erstellt wurde. Sofern dies der Fall ist, erhält das Unternehmen die notwendige Unterschrift des Wirtschaftsprüfers.

Achtung: Wenn Sie erfahren, dass es Probleme bei der Abschlussprüfung gab oder noch immer gibt, ist das ein wichtiges Alarmsignal! Aber selbst ein positives Testat ist keine „Erfolgs-Garantie“.

Sie dürfen zum Beispiel keinesfalls erwarten, dass der Bestätigungsvermerk des Wirtschaftsprüfers Aufschluss darüber gibt, ob eine seitens des Unternehmens getätigte Investition für dieses vorteilhaft ist oder nicht. Der Wirtschaftsprüfer bestätigt lediglich, dass die Buchführung des Unternehmens ordnungsgemäß ist.

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Der Geschäftsbericht enthält neben den eben genannten Pflichtinformationen im Regelfall weitere, nach Ansicht des Vorstands für die Leser interessante, Angaben, wie zum Beispiel Informationen über die Geschäftszweige, in denen das Unternehmen tätig ist und auch über die Aktie und gegebenenfalls über die Aktionärsstruktur.

Abgerundet wird der Geschäftsbericht durch mehrjährige Übersichten und Informationen über den Beteiligungsbesitz der Aktiengesellschaft. Da ein Geschäftsbericht öffentlich zugänglich ist und somit auch von Konkurrenten gelesen wird, dürfen Sie darin jedoch keine vertraulichen Informationen erwarten.

Der Vorstand, als derjenige, der für den Geschäftsbericht verantwortlich ist, wird die Entwicklung des Unternehmens aus seiner Sicht schildern. Dies sollten Sie bei der Lektüre stets berücksichtigen und daher auch versuchen, „zwischen den Zeilen“ zu lesen, denn dort werden Sie noch am ehesten versteckte negative Hinweise finden.

Die beiden Seiten einer Bilanz

Eine Bilanz ist eine auf einen Stichtag bezogene Gegenüberstellung. Auf der einen Seite dieser Gegenüberstellung werden die Vermögensgegenstände aufgeführt (Aktivseite) und auf der anderen Seite (Passivseite) wird die Herkunft der Mittel aufgeschlüsselt, mit denen die Vermögensgegenstände auf der Aktivseite erworben worden sind.

Per Definition müssen beide Seiten einer Bilanz stets gleich groß sein, denn jeder Vermögensgegenstand auf der Aktivseite muss durch Eigen- oder Fremdkapital auf der Passivseite finanziert sein. Mit gleich groß ist übrigens die Bilanzsumme gemeint. Wenn auf der Aktivseite unter dem Strich ein Betrag von 1 Mio. Euro steht, so muss auch auf der Passivseite unter dem Strich ein Betrag in gleicher Höhe stehen.

Da sich auch die Bilanzpositionen Kasse und Bank auf der Aktivseite der Bilanz befinden, bleibt die Bilanz auch dann im Gleichgewicht, wenn etwa mehr Finanzmittel aufgenommen als unmittelbar für Investitionen benötigt werden.

Denn: Wenn das Eigenkapital oder das Fremdkapital zunimmt und dieses Geld nicht unmittelbar investiert wird, so landet es zunächst in der Kasse (dort befinden sich Barmittel) oder wird unter der Bilanzposition Bank verbucht (dort wird Bankguthaben angezeigt).


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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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