Der Goldpreis oder stille Wasser sind tief

Das größere Gewinnpotenzial bieten Ihnen nicht die gerade „modernen“ Märkte, sondern die, über die keiner spricht. (Foto: Billion Photos / Shutterstock.com)

Haben Sie sich einmal überlegt, worüber Marktkommentatoren eigentlich weit überwiegend berichten?

Richtig: Über Ereignisse, welche die Finanzmärkte bewegen. Und natürlich über Märkte (Indizes, Aktien, Währungen etc.) die sich im Kurs kräftig verändern – zum Positiven wie zum Negativen.

Doch was bedeutet das für Sie als Investor? Nun: Sie werden durch Marktkommentare möglicherweise dazu animiert, auf Züge aufzuspringen, die bereits in voller Fahrt sind.

Doch wäre es für Sie nicht viel sinnvoller, über Märkte zu erfahren, die DEMNÄCHST in Bewegung kommen könnten? Klar, wäre das für Sie profitabler. Allerdings:

Damit lassen sich keine Marktkommentare „bewerben“: Damit Sie zum Lesen dieser Marktkommentare animiert werden, müssen dort Themen angesprochen werden, die gerade „en vogue“, also von hohem allgemeinen Interesse sind.

Ich möchte daher heute einmal den umgekehrten Weg beschreiten und über einen Markt sprechen, der derzeit „total langweilig“ ist. Aber gerade in dieser Langweiligkeit steckt häufig ein immenses Gewinnpotenzial. Warum ist das so?

Langweiligkeit ist meist der Beginn von etwas „Großem“

Wenn Märkte den Investoren „langweilig“ erscheinen, dann liegt das darin begründet, dass sich im Kurs herzlich wenig tut. Und das wiederum bedeutet: In diesem Markt können Investoren gerade nichts verdienen und daher meiden sie ihn.

Tatsächlich jedoch zeigt Ihnen die daraus in einem Chart resultierende Seitwärts-Bewegung ein weitgehendes Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage: Weder die Bullen, noch die Bären können sich nachhaltig in diesem Markt durchsetzen.

Die Konsequenz daraus ist wiederum: Sobald es in einem solch ausgeglichenen Markt zu einer Verschiebung dieser Relation zugunsten des Angebots oder der Nachfrage kommt, sind die damit verbundenen Kursveränderungen in aller Regel hoch profitabel.

Still ruht der Goldpreis

Und genau ein solches Gleichgewicht sehen wir derzeit beim Goldpreis: Der pendelt nämlich seit Beginn dieses Jahres in einer ungewöhnlich engen Handelsspanne von gerade einmal 47 USD (1.308 USD / 1.355 USD je Feinunze).

Wenn Sie das unter dem Aspekt meines oben hergeleiteten Ansatzes betrachten, klingt das für sich schon einmal interessant. Mit der Einordnung der vergangenen 3 ½ Monate in einen langfristigen Kontext wird daraus eine höchst spannende Investment-Story:

Goldpreis: Rückfall oder Phönix aus der Asche?

Hier steht der Goldpreis im Jahr 2030Die Experten der Weltbank haben eine langfristige Prognose für den Goldpreis veröffentlicht. Dabei erwarten sie einen klaren Rückgang. › mehr lesen

Wie Sie im Chart unschwer nachvollziehen können, hat der Goldpreis im September 2011 den höchsten Kurs seiner Geschichte markiert. Soll heißen: Seit nunmehr 6 ½ Jahren befindet sich der Goldpreis im Abwärtstrend.

Und wie Sie ebenfalls erkennen, bewegt sich der Preis für das gelbe Metall seit Jahresbeginn entlang dieser seit 2011 bestehenden Abwärtstrendlinie.

Und plötzlich macht das Ganze einen Sinn, nicht wahr?

Was den Goldpreis bewegt

Der Goldpreis wird vor allem durch 2 Dinge nach oben bewegt: Durch die Geldentwertung, also die Inflation und / oder durch Krisen. 2 Beispiele:

Als die US-Inflationsrate von -2,1% im Juli 2009 auf +3,9% im September 2011 (klingelt das was?) kletterte, hievte das den Goldpreis von 937,70 USD je Feinunze auf das Allzeithoch von 1.895 USD.

Als im März 2011, ausgelöst durch einen gigantischen Tsunami, im Kernkraftwerk in Fukushima eine Nuklearkatastrophe ausbrach, startete der Goldpreis in seine finale Euphoriewelle:

Die Goldhausse begann im April 2001 bei 256 USD. Von März bis September 2011 legte das gelbe Metall dann noch einmal von 1.411 USD auf das Rekordhoch von 1.895 USD (+34%) zu.

Hier kamen mithin Inflation UND Krise zum Tragen.

Fazit

Die Inflation haben die Notenbanken derzeit scheinbar „im Griff“, wenngleich sie in den USA immerhin schon von -0,2% im April 2015 auf zuletzt +2,4% gestiegen ist. Und eine Krise findet sich derzeit auch (noch) nicht. Oder vielleicht bald im Nahen Osten?

Wie auch immer: Meine Empfehlung an Sie lautet, behalten Sie den Goldpreis und das, was ihn bewegt im Auge.

Wichtig: Investieren sollten Sie indes ERST dann, wenn klar wird, für welche Richtung sich der Goldpreis, sprich: die Marktteilnehmer, entscheiden.

Denn: Es ist ja nicht nur ein Bruch des Abwärtstrends denkbar, sondern eben auch ein weiterer Verbleib des Goldpreises in eben dieser langfristigen Abwärtsbewegung!


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.