Der große Dell-Trick: Enthaltungen als schweigende Zustimmung

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Der Übernahme-Kampf bei Dell ist hoch spannend. (Foto: Tero Vesalainen / shutterstock.com)

Eigentlich hätte ich Ihnen schon heute vor einer Woche das Ergebnis des Übernahme-Kampfes um den Computer-Konzern Dell liefern können. Doch die Abstimmung wurde wie vom Übernahme-Sensor erwartet verschoben.

Neuer Termin war der gestrige Mittwoch, doch auch diese Versammlung wurde vertagt. Michael Dell, Firmengründer des Milliarden-Konzerns und der verbündete Finanzinvestor  Silver Lake hatten die Übernahme-Offerte aufgestockt.

Der Verwaltungsrat hat daraufhin die Abstimmung auf Anfang August verschoben, damit die Unterlagen in Ruhe gesichtet werden können.

2 Optionen liegen auf dem Tisch

Es wird noch ein wenig dauern, bis über die Zukunft des drittgrößten Computer-Herstellers entschieden wird. 2 Vorschläge stehen zur Debatte. Zum einen wollen Michael Dell und Finanzinvestor Silver Lake Dell von der Börse nehmen.

Dafür bieten sie den Investoren 13,75 US-$ je Aktie. Nach dem Börsenrückzug soll Dell dann in Ruhe saniert werden.

Zum anderen ist da der Vorschlag des Übernahme-Investors Carl Icahn. Der will Dell an der Börse lassen und lockt die Aktionäre mit Sonderzahlungen.

Das Angebot ist laut Icahn deutlich wertvoller, doch gilt das nur für den Fall, dass Dell dann auch wieder zurück in die Erfolgsspur findet.

Angesichts eines schrumpfenden Kerngeschäfts ist das kein Selbstläufer. Viele Analysten sind überzeugt, dass es deutlich schwieriger für Dell wird, wenn das Listing bleibt.

Kleine Aufstockung – große Wirkung

Die jetzige Angebots-Aufstockung beträgt zwar nur 0,7%, hat aber aufgrund der Größe des Konzerns erhebliche Auswirkungen. 150 Mio. US-$ zusätzlich sind die Bieter bereit zu zahlen.

Damit kommen sie ein Stück weit der Forderung vieler Investoren entgegen, die 14 US-$ je Aktie als angemessen erachten.

Die knappe Angebotsaufstockung zeigt, dass das Dell-Lager und das Icahn-Lager ungefähr gleich auf sind. Ein Ausgang der Abstimmung ist offen, doch Dells Chancen haben sich dadurch leicht verbessert.

Die beiden Groß-Aktionäre BlackRock und Vanguard haben das Lager gewechselt und sind jetzt für den Börsenrückzug.

Das Problem mit den Nicht-Wählern

Auch wenn Dell jetzt einige Prozentpunkte für sich gewinnen konnte, bleibt die Abstimmung wacklig. Grund dafür ist, dass schätzungsweise 27% der Dell-Aktionäre der Abstimmung fern bleiben werden.

Das hängt damit zusammen, dass einige Investoren, wie etwa Staatsfonds, sich enthalten möchten oder die Investoren im Ausland sind. Ein weiteres Problem ist, dass die Aktionäre stimmberechtigt sind, die per 03.Juni investiert waren.

Doch einige davon werden die Aktie in der Zwischenzeit verkauft haben – und haben dementsprechend kein Interesse mehr am Ausgang der Wahl.

Verschwindet Dell ohne Mehrheit von der Börse?

Um der Chance auf einen Börsenrückzug nachzuhelfen und die 27% nicht direkt gegen sich zu haben, bedient sich Dell eines Tricks.

Das neue Übernahme-Angebot sieht nämlich vor, dass die Offerte schon dann erfolgreich ist, wenn die Mehrheit der abgegebenen Stimmen für den Börsenrückzug votiert. Normalerweise bedarf es eine Mehrheitszustimmung.

Dell bräuchte von den freien Aktionären 42,5% (sein 15% Anteil ist nicht stimmberechtigt).

Dies bedeutet nach alter Regelung: Wer nicht zur Abstimmung geht, dessen Stimme ist automatisch eine „Nein“-Stimme. Jetzt bedeutet das unter Umständen: Obwohl die Mehrheit nicht den Deal unterstützt, verschwindet Dell von der Börse.

Regeländerung? – Icahn reagiert mit Spott

Wenig verwunderlich dauerte es nicht lange, bis sich Carl Icahn zur aufgestockten Offerte meldete. Die Forderung nach einer Regeländerung in letzter Sekunde sei lächerlich.

In einer offenen Twitter-Meldung reimte der Übernahme-Aktivist in etwa: Alles wäre gut, wenn bei Dell nicht Michael Dell und das Management wären.

Icahn erwartet, dass das Dell-Management dem Vorschlag nachkommen könnte und wirft dem Führungs-Gremium auch direkt Befangenheit vor.

Michael Dell indes ist (zumindest äußerlich) gelassener. Das Angebot sei final, die Entscheidung liege jetzt beim Dell-Verwaltungsrat. Egal wie die Entscheidung ausfällt, er respektiere sie.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.