Der Kampf um Europas Energie-Märkte tobt bereits

Die Gas-Pipeline Nordstream II, die Europa mit russischem Gas versorgt, ist ein Dorn im Auge der Amerikaner. Wir verraten Ihnen, weshalb: (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Sie wissen: Die kürzlich im US-Senat beschlossenen neuen Sanktionen gegen Russland, die noch das Repräsentantenhaus passieren und von US-Präsident Donald Trump unterzeichnet werden muss, schlagen hohe internationale Wellen.

Denn letztlich geht es dabei um einen verdeckten Kampf um die europäische Energieversorgung – und um Milliarden-Profite.

Kampf um Europas Energie-Märkte

So drohten die Amerikaner hinsichtlich der neuen Sanktionen auch mit völkerrechtswidrigen extraterritorialen Sanktionen gegen europäische Firmen, die sich am Ausbau der europäischen Energieversorgung beteiligen.

Tatsächlich geht es bei den neuen US-Russland-Sanktionen um den Verkauf amerikanischen Flüssiggases und die Verdrängung russischer Erdgaslieferung vom europäischen Markt, und um nichts anderes.

Das jedoch wiederum würde europäische Arbeitsplätze in der Erdgas- und Erdöl-Industrie gefährden, amerikanische sichern und Milliarden-Gewinne bedeuten.

Amerikaner wollen keine europäische Energieversorgung durch die Russen

Ein weiterer Dorn im Auge der Amerikaner: die privat finanzierte kommerzielle Gas-Pipeline Nordstream II.

Sie wird – weitgehend parallel zur bereits bestehenden Nordstream Pipeline – russisches Erdgas durch die Ostsee u. a. nach Deutschland transportieren und die EU mit Erdgas versorgen.

So soll sie die Versorgungs-Sicherheit zu erhöhen, denn es gibt einen hohen Import-Bedarf der EU für Energie.

Nordstream II soll die sinkende einheimische Produktion in Nord-Westeuropa ausgleichen, die Versorgung Süd- und Zentraleuropas ergänzen und den Bau neuer Verbindungen nach Osteuropa fördern.

Damit würden und werden die Europäer also mit russischen Erdgas-Reserven versorgt – da schäumen die Amis…

Gabriel und Kern wehren sich gegen den US-Energie-Krieg

Und die Europäer?

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel und der österreichische Bundeskanzler Christian Kern sind durchaus bewusst, dass die neuen US-Sanktionen gerade jene europäischen Firmen unter Druck setzen könnten, die am Bau von Nordstream II beteiligt sind.

Das wären u. a. BASF und OMV. Deshalb wehrten sich Gabriel und Kern in einer schriftlichen Erklärung:

„Unternehmen in Deutschland, Österreich und anderen europäischen Staaten auf dem US-Markt mit Bestrafungen zu drohen, wenn sie sich an Erdgas-Projekten wie Nordstream II mit Russland beteiligen oder sie finanzieren, bringt eine völlig neue und sehr negative Qualität in die europäisch-amerikanischen Beziehungen.“

Deutschland hat sich in der Energieversorgung selbst ausgespielt

Gabriel weiß natürlich auch, dass gerade Deutschland ein Problem bei der Energieversorgung hat.

Denn durch den politisch gewollten Ausstieg aus der Kohle und der Kernenergie wird das Land noch abhängiger von Energie-Importen – und damit anfällig gegen Interventionen dagegen.

Das Märchen vom Ausgleich durch Erneuerbaren Energien, um den hiesigen Industrie-Standort zu betreiben, glaubt heutzutage kaum mehr ein Experte.

Merkel regiert am Problem vorbei

Umso erstaunlicher ist es da, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel noch kein Sterbenswörtchen gegen die neuen US-Russland-Sanktionen verlauten ließ.

Denn dies passt nicht in ihre politische Agenda, auch wenn sie damit die eigene Energieversorgung gefährdet.

Merkel erklärte lediglich, dass Nordstream II ein wirtschaftliches und kein politisches Projekt sei.

„Na bravo für so viel Weitsicht!“, kann man da nur sagen…

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Guido Grandt. Zusätzlich erhalten Sie kostenlose E-Mail Updates zu den profitabelsten Börsengeschäften.

Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die deutsche Wirtschaft AG
Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt