Der norwegische Staatsfonds wird immer grüner

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RWE und Uniper verlieren einen ihrer wichtigsten Einzelaktionäre. Nicht nur der norwegische Staatsfonds wird immer grüner. (Foto: Tobias Steinert / shutterstock.com)

Kennen Sie die Webseite nbim.no? Wer sie in den Browser eingibt, bekam am gestrigen Sonntag, als ich diesen Beitrag für Sie formulierte, folgende Zahl zu lesen: 9.143.436.654.411 NOK, also rund 9,1 Billionen Norwegischer Kronen – umgerechnet etwa 930 Milliarden Euro. Diesen Betrag hat der Betreiber dieser Website, die Norges Bank, in derzeit 9.158 Unternehmen investiert.

Keine fossilen Brennstoffe mehr

Denn die Norges Bank ist, anders als der Name vermuten ließe, kein herkömmliches Kreditinstitut, sondern der norwegische Pensionsfonds, der größte Staatsfonds der Welt. Er verwaltet die Erdöl- und Erdgaseinnahmen des Landes mit dem Ziel, den Wohlstand für künftige Generationen zu sichern. Überwiegend erwirbt der “Staten pensjonsfond Utland”, also der staatliche Pensionsfonds Ausland, wie er offiziell genannt wird, große Aktienpakete führender börsennotierter Unternehmen.

Einige von ihnen, namentlich die Beteiligungen an allen Unternehmen, die sich ausschließlich mit Exploration und Produktion von Öl, Gas und Kohle befassen, sollen nun jedoch in großem Stil abgestoßen werden. Dies hat am vergangenen Freitag die Regierung in Oslo entschieden. Eine Entscheidung, die auf den ersten Blick nicht einer gewissen Ironie entbehrt, denn im Fonds hat Norwegen primär seine Einnahmen aus dem Verkauf fossiler Energieträger geparkt.

Abhängigkeiten verringern

Offiziell stützt die norwegische Regierung ihre Entscheidung allerdings nicht auf klima-, sondern auf finanzpolitische Argumente: Schließlich sei Norwegen mit den Einnahmen aus der Öl- und Gasproduktion einerseits und den Beteiligungen an Öl-Unternehmen andererseits zu stark von diesem Sektor abhängig.

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Inoffiziell sieht sich die Regierung aber auch gezwungen, auf die wachsende Kritik an der norwegischen Ölpolitik zu reagieren. Denn nach einer aktuellen Umfrage ist mehr als ein Drittel der Norweger dagegen, dass das Land weitere Öl- und Gasvorkommen erschließt. Daher wird sich der Öl-Fonds zum einen von jenen Explorationsgesellschaften trennen, die im Bereich der „speziell klimaschädlichen Ölproduktion“ aus Schieferöl und Teersand aktiv seien.

RWE und Uniper betroffen

Zum anderen wird der Öl-Fonds Aktien von Unternehmen verkaufen, die ihr Geld mit Kohle verdienen. Als Kriterium für einen Ausstieg wurde ein Ausstoß von 20 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr oder die Erzeugung von 10 Gigawatt Strom aus der Verbrennung von Kohle genannt. Damit sind unmittelbar auch zwei deutsche Kohleverstromer betroffen: Der Energieversorger RWE, mit Abstand größter Kohlendioxid-Emittent in der EU, an dem der Öl-Fonds als viertgrößter Einzelaktionär noch 3,1% der Aktien hält, sowie die E.ON-Abspaltung Uniper.

Wenn einmal die Geschichte der Klimawende an den Kapitalmärkten geschrieben werden wird, dann wird der norwegische Pensionsfonds eine sehr prominente Rolle einnehmen. Doch ist er längst nicht mehr allein. Auch die großen Versicherer Allianz und Axa und mehr als 100 weitere, globale Finanzinstitutionen haben sich mittlerweile dem Desinvestment umweltbelastender Unternehmen auf Öl- und Kohlebasis verschrieben. Nein, die Luft für derartige Geschäftsmodelle ist durch die Entscheidung aus Norwegen wieder etwas dünner geworden.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.