Der oberste Banker hat Sie belogen

Über Lügner und Betrüger schreibt unser Börsenexperte Rainer Heißmann. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Wenn ein Gegenüber Sie belügt und das später zugibt, mag ihn das (ein Stück weit) ehren.

Aber: Würden Sie der Person bei Finanzgeschäften vertrauen?

Ich gehe davon aus, dass Sie mit einem entschiedenen „Nein!“ antworten und mit „so einem“ keine Geschäfte tätigen würden.

Seitenhieb (, den ich mir nicht verkneifen kann):

“So einer”, mögen Sie denken, “eignet sich nur noch für die Durchführung der Wahl des ADAC für die Auszeichnung mit Gelber Engel oder die Prüfung der Abgaswerte bei VW.”

Weg mit dem Orakel, hin zum Klartext

Etwas kompliziert bis hier? – So ist das, wenn Handlungen per Lügen als Wahrheiten verkauft werden sollen.

Etwas kompliziert? – Nicht in meinem Börsenkommentar! Das habe ich mir auf die Fahnen geschrieben.

Also der Reihe nach und nicht orakelhaft:

Der oberste Banker hat Sie belogen

Ich sehe den Chef oder die Chefin der US-Notenbank Fed als obersten Banker an. Jedes Wort des Fed-Chefs wird auf die Goldwaage gelegt und bewegt weltweit die Märkte.

Das geht bis dahin, dass Crashs ausgelöst bzw. verhindert werden können. Umso wichtiger ist es, dass die Welt ihm oder ihr vertraut.

Ben Bernanke, der ehemalige Chef der Fed, hat in seinen Memoiren zugegeben, dass er die Welt in der wohl dramatischsten Lage der Finanzmärkte der letzten vielen Jahre belogen hat.

Er gab zu, dass der Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008 anders abgelaufen ist, als er es Ihnen erzählt hat.

Die Lüge: Bernanke hat Ihnen erzählt, man habe die US-Investmentbank Lehman Brothers in die Insolvenz gehen lassen, um ein Exempel zu statuieren.

Er wollte seinerzeit nicht sagen, dass selbst die Fed keine Chance gehabt hatte, Lehman Brothers oder andere Banken zu retten.

Die Wahrheit: Bernanke hatte rechtlich gar keine Möglichkeit, Lehman Brothers finanziell zu helfen. Ob er wollte oder nicht, war nicht die Frage. Die Rechtslage war so, dass die Fed die US-Investmentbank Lehman Brothers finanziell nicht stützen konnte.

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Heute: Bernanke stellt infrage, ob die Lüge richtig gewesen ist. Er hat seinerzeit wohl geglaubt, er selber könne die Wahrheit vertragen, Sie und ich aber nicht. Er wollte damit Schaden vom Finanzmarkt abwenden.

Anmerkung: Die Rechtlage wurde nach 2008 geändert; Heute dürfte die Fed eingreifen, wenn sie denn wollte.

Die Moral von der Geschicht: Glaube einem Banker nicht!

Ich frage: Sind Sie so unmündig, dass Sie die Wahrheit nicht vertragen können? Und was wäre, wenn die Lüge heftigere Folgen hätte als die Wahrheit?

Dürfen ein paar Leute Vorgänge bewerten, nach Gutdünken entscheiden und dazu auch Lügen in die Welt setzen, wenn davon wichtige Teile des Weltgeschehens betroffen sind?

Wer sagt denn (außer Bernanke), dass seine Lüge seinerzeit Schaden abgewendet hat? Kann es nicht sein, dass die Anleger viel mündiger sind und es den Crash des Jahres 2008 in dem Maße, wie er war, nicht gegeben hätte?

Vielleicht hat die Lüge ja auch alles schlimmer gemacht…

Wichtiger noch: Bernanke hat Ihr Vertrauen missbraucht. Denn seit allen Zeiten gilt: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn der dann die Wahrheit spricht!“

An dieser Stelle will ich gerne eine Lanze brechen, und zwar für die Mitarbeiter in der Bank „vor Ort“, die Ihnen freundlich und aufmerksam helfen. Die wurden und werden ja auch belogen.

Aber wenn sich schon der oberste Banker das Recht herausnimmt, Sie zu belügen, weil er glaubt, er (der Banker) könne die Wahrheit vertragen, Sie (das Volk) aber nicht, was ist dann mit den vielen Vorständen anderer Banken?

Ist es da ein Wunder, dass es wegen Lug und Betrug ständig zu milliardenschweren Strafzahlungen seitens der Banken kommt?

Börsengeschäfte ohne Bankprodukte

Eingangs habe ich gefragt: Wenn Sie jemand belügt, würden Sie der Person bei Finanzgeschäften vertrauen?

Wenn aber schon der oberste Chef der Branche zugibt, Sie belogen zu haben, bleibt nur eines:

Meiden Sie die Branche so weit wie möglich! Meiden Sie deren Finanzprodukte, wie z. B.: Optionsscheine, Zertifikate, CFDs, binäre Optionen, K. O.-Scheine usw.!

Handeln Sie stattdessen das Original: Die manipulationsgeschützten, bankenunabhängigen Optionen an Terminbörsen!


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Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen und Chefredakteur vom "Optionen-Profi". Außerdem ist er Autor des Buchs "Reich mit Optionen". Seine größte Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie auch dem Nicht-Fachmann verständlich und nachvollziehbar werden.