Der Ölpreis nach der OPEC-Entscheidung

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Die OPEC hat sich entschieden – wie erwartet. Der Ölpreis reagierte indes nicht, wie man hätte annehmen können. (Foto: Christopher Halloran / shutterstock.com)

Nun wissen wir also beim Ölpreis endlich, woran wir sind – oder?

Die OPEC (Vereinigung Erdöl exportierender Länder) hatte ja ihr für den 22. Juni 2019 geplantes Treffen wegen des G20-Gipfels am vergangenen Wochenende auf Anfang dieser Woche vertagt. Ich berichtete hier in Chartanalyse-Trends darüber vor 15 Tagen.

Es war ein bedeutsames Treffen, erweitert um 10 Erdöl exportierende Staaten, die nicht dem OPEC-Kartell angehören. Und es ging um nichts Geringeres, als eine Entscheidung darüber, ob die im Dezember 2018 beschlossene und Ende Juni ausgelaufene Ölförderdrosselung verlängert werden soll.

Wir diskutieren heute die Entscheidung und die unmittelbare Reaktion des Ölpreises darauf. Und selbstverständlich schauen wir auf den Chart, ob wir daraus neue Erkenntnisse für die weitere Entwicklung ziehen können.

OPEC-Entscheidung wie erwartet

Die erweiterte OPEC-Runde traf die Entscheidung, die eigentlich zu erwarten war: Die Drosselung der Erdölförderung wird noch einmal verlängert. Und das sogar – anders als im Dezember 2018 – diesmal sogar für weitere 9 Monate.

Warum Sie das erwarten konnten? Ganz einfach: Der Ölpreis war im 4. Jahresviertel 2018 dramatisch eingebrochen: Satte -42,5% hatte das schwarze Gold innerhalb von nur 12 Wochen an Wert verloren. Das kann man auch als Crash bezeichnen.

Mit der Drosselung der Förderkapazitäten um rund 1,2 Mio. Barrel (= Fass = 159 Liter) pro Monat ab Januar dieses Jahres wurde das Angebot künstlich verknappt. Und Sie wissen ja: Sinkt das Angebot bei gleichbleibender Nachfrage, dann klettert der Preis.

Und genau so funktionierte das dann auch ab Weihnachten 2018: Der Preis für die Sorte Brent Crude Oil verbesserte sich bis Ende April mal eben um +51,4%.

Seither jedoch ging es mit dem Ölpreis wieder in den Keller: Um -27% bis zum 5. Juni 2019. Also war die Erwartung klar und die Entwicklung logisch:

Verlängerung der Erdölförder-Drosselung = Angebotsverknappung = Preissteigerung = Alles wird wieder gut. Denkste!

Wenn Börse logisch wäre, wäre es ja einfach!

Die Börse handelt nun mal nicht so, wie wir uns das ausdenken.

Schauen wir dazu einmal gemeinsam auf den folgenden Chart:

Ölpreis: Die Börsenlogik hat ihre eigenen Gesetze

Warum hat es diesmal nicht hingehauen mit einer positiven Ölpreis-Reaktion auf die OPEC-Entscheidung? Der Chart liefert Ihnen Aufschluss:

Wie Sie sehen, ist der Ölpreis nach Bekanntgabe der Termin-Verschiebung für das erweiterte OPEC-Treffen um +7,3% nach oben geschossen. Das heißt: Zum Zeitpunkt des Treffens war die erwartete Entscheidung über die Drosselung schon eingepreist.

Und nun haben die Trader, getreu dem Motto „Sell on good news“ („Verkaufe bei guten Nachrichten“, ihre Gewinne gleich wieder vom Tisch genommen.

Haben Sie das Momentum gesehen?

Wie kann es nun also weitergehen? Wird sich die verlängerte Angebotsverknappung letztlich doch im Preis durchsetzen? Ganz ehrlich? Ich habe da so meine Zweifel, wenn ich auf den Chart schaue.

Das 50-Tage-Momentum hat nämlich auf den gestrigen Preisrutsch beim Brent Crude Oil mit einem tieferen Tief (gegenüber Anfang Juni) reagiert. Der Ölpreis selbst ist jedoch noch knapp -5% von seinem Junitief entfernt.

Mit dem neuen Tief im Schwung-Indikator wurde zudem der beschleunigte Abwärtstrend (gestrichelte rote Linie) bestätigt. Und nicht zu übersehen: Es wird nun verstärkt negative Dynamik aufgebaut, da sich das Momentum weiter von der Nulllinie Richtung Süden entfernt.

Fazit

In meiner Analyse vom 19. Juni 2019 hatte ich die Möglichkeit eines vorhergehenden, nochmaligen Preisrutsches auf 55 USD je Barrel eingeräumt. Allerdings hatte ich auch gewarnt:

„Auf einen nochmaligen Rücksetzer bis 55,00 USD je Barrel zu setzen, wäre mir deutlich zu spekulativ und das Gewinnpotenzial zudem zu gering.

Die sinnvollere Variante dürfte für Sie sein, die weitere Entwicklung bis zur OPEC-Entscheidung in 12 Tagen abzuwarten, um darauf dann entsprechend zu reagieren:

Eine Verlängerung der Produktions-Drosselung sollte dem Ölpreis nämlich erneut zu einer Rallye verhelfen. Ansonsten droht ein weiterer Kursverfall.“

Dieses Beispiel zeigt Ihnen sehr schön: Sie MÜSSEN NICHT immer gleich handeln! Nicht selten ist es sinnvoller, einfach mal eine Entwicklung abzuwarten und erst dann zu investieren, wenn die Wahrscheinlichkeit für ein gewinnbringendes Investment zu Ihren Gunsten steht.

Beim Ölpreis sind die Dinge in den letzten 2 Wochen anders gelaufen, als Sie es hätten erwarten können. Und nun schaut es – trotz einer für den Ölpreis eigentlich positiven Entscheidung – schlecht für ihn aus.

Das zumindest zeigt Ihnen die aktuelle Charttechnik.

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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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