Der Onlinehandel in der Modebranche boomt

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Während der stationären Modehandel weiterhin schweren Zeiten entgegensieht, boomt der Onlinehandel in der Modebranche. (Foto: Casimiro PT / shutterstock.com)

Während der stationäre Modehandel im dritten Jahr in Folge Umsatzeinbußen meldet, wächst der Onlinehandel weiter.

Diese Umsätze entfallen jedoch nicht auf die etablierten Modehändler, sondern werden von neuen Spielern der Branche erwirtschaftet. Der Online-Händler Amazon verdient nicht nur am Handel, sondern unterhält in den USA bereits eigene Modekollektionen. Dieses Geschäftsmodell wird international ausgerollt.

Inditex meistert die Veränderungen der Branche nicht nur, die Spanier gestalten sie aktiv mit. Der Konzern verbindet den Onlinehandel mit dem klassischen Ladengeschäft und ist damit erfolgreich. Modernste Technologien kommen an verschiedenen Fronten zum Einsatz: Sowohl bei der Vorhersage des Kundenverhaltens als auch beim hybriden Einkaufserlebnis aus stationärem Laden und Online-Erfahrung.

Rückgang im stationären Modehandel in Deutschland

2018 war ein konjunkturell gutes Jahr. Dies wirkt sich auch auf den deutschen Einzelhandel aus. Während die meisten Branchen Wachstum verzeichnen konnten, schrumpfte der Einzelhandelsumsatz mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren 2018 um 2,6%. Viele Unternehmen suchen den Schuldigen für diesen Rückgang im Wetter.

Kalte Winter und heiße Sommer halten die Kunden aus den Läden fern. Die plötzlichen Wetterumschwünge zwingen die Geschäfte dazu ihre Kollektionen mit großen Rabatten abzuverkaufen und Übergangskollektionen sind weniger gefragt als früher. Der Rabattzwang geht auch an erfolgreichen Unternehmen nicht spurlos vorbei. Einigen Konzernen wie H&M gelingt es zwar die Umsätze weiter zu steigern, die Gewinne sinken aber weiter.

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Verändertes Kundenverhalten als Herausforderung

Inditex reagiert damit auf die veränderten Ansprüche der Kunden, mit denen sich viele Konkurrenten überfordert fühlen. Einkaufen ist schneller geworden: Wenn ein Artikel in der gewünschten Farbe oder Größe nicht verfügbar ist, muss er innerhalb weniger Sekunden nach Hause bestellt werden können. Das Einkaufsverhalten der Kunden hat sich aber nicht nur durch die Vorzüge des E-Commerce verändert, der Stellenwert von Mode ist auch zurückgegangen.

Der Anteil am Gehalt, der für Mode ausgegeben wird, sinkt von Jahr zu Jahr. Während die breite Masse der Kunden nur noch rabattierte Ware oder beim Discounter kauft, entwickeln sich aber auch gegenteilige Trends: Das gesellschaftliche Interesse an ökologisch und sozial nachhaltig produzierten Artikeln steigt immer weiter an. Auf das neue Gütesiegel „Grüner Knopf“, welches diese Ansprüche repräsentiert, reagiert die Branche jedoch verhalten.

2019: Das Schicksalsjahr der Modebranche

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass viele Unternehmen eine tiefgreifende Strategieänderung brauchen. Während internationale Konzerne wie VFC zeigen, wie man mit Mode im 21. Jahrhundert Geld verdienen kann, reagiert die deutsche Industrie eher träge. Wohin dies führt, zeigt uns Gerry Weber. Der Konzern hat Ende Januar Insolvenz angemeldet.

Gerry Weber hat ein besonders schwaches Digitalgeschäft und kämpft seit Jahren um eine klare Positionierung seiner Marken. Das Geschäftsmodell ist mit den Kunden gealtert und nicht mehr zeitgemäß. Die Trägheit führte in die Insolvenz der Muttergesellschaft Gerry Weber International mit rund 580 Mitarbeitern. Dies sollte ein deutlicher Weckruf an die Branche sein.


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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.