Der Ronaldo-Effekt bei Juventus Turin

Renditemöglichkeiten mit Fußball-Clubs

Was sich bei der Aktie des italienischen Serienmeisters Juventus Turin nach der Verpflichtung von Cristiano Ronaldo getan hat (Foto: Smileus - Fotolia)

Als der Juventus Football Club, hierzulande besser bekannt als Juventus Turin, im vergangenen Jahr bekannt gab, den Ausnahmestürmer Cristiano Ronaldo dos Santos Aveiro für eine Gesamtablöse von 115,4 Millionen Euro zu verpflichten, hat der italienische Verein einen Coup gelandet, der sich langfristig auszahlen könnte. Sportlich scheint der Verein nach dem überraschenden Einzug in das Viertelfinale der Champions League bereits auf dem richtigen Weg zu sein – nicht zuletzt aufgrund der drei Tore, mit denen Ronaldo quasi im Alleingang den Achtelfinalgegner Atletico Madrid aus dem Wettbewerb katapultierte.

Finanzzahlen vor und nach Ronaldo

Auch finanziell könnte sich die Verpflichtung für die „Alte Dame“ auszahlen. Dies belegen die unlängst veröffentlichten Finanzzahlen. Noch im Geschäftsjahr 2017/18 wurden Umsätze von 504,7 Millionen Euro erwirtschaftet, 58,0 Millionen Euro oder 10,3% weniger als noch im Jahr zuvor. Der operative Verlust belief sich im Geschäftsjahr auf 1,4 Millionen Euro.

Das war vor der Verpflichtung Ronaldos. Seither sind nicht nur die Einnahmen aus dem Verkauf von Merchandisingartikeln spürbar angestiegen – hier kommt der Ronaldo-Transfer durch höhere Trikotverkäufe unmittelbar zur Geltung –, auch die übrigen Erlöskategorien, allen voran TV-Einnahmen und Erlöse aus Ticketverkäufen sowie Sponsoring, wiesen zum Halbjahr 2018/19 deutlich zweistellige Wachstumsraten auf. Unter dem Strich lagen die Erlöse im ersten Jahr der Verpflichtung des portugiesischen Superstars mit 330,2 Millionen Euro um 13,6% über ihren vergleichbaren Vorjahreswerten.

Hoch verschuldet

Das stärkste Wachstum zeigten allerdings, wenig verwunderlich, die immateriellen Vermögensgegenstände, unter denen auch die Spielerwerte aufgeführt werden. Sie beliefen sich zum Halbjahr auf 475,7 Millionen Euro, 43,8% höher als noch zum Ende des vorherigen Geschäftsjahres.

Was uns zur Finanzierung des exklusiven Spielerkaders führt. Denn auch die Gesamtverschuldung des Vereins hat sich nach der Verpflichtung von „CR7“ – die Abkürzung, die auch Nicht-Fachleuten bekannt sein dürfte, steht für die Initialen des portugiesischen Ausnahmespielers sowie für dessen Trikotnummer – deutlich erhöht: Allein die Zins tragenden Verbindlichkeiten lagen zum Halbjahr bei knapp 415 Millionen Euro; hinzu kommen Zahlungsverpflichtungen aus Spielertransfers in Höhe von 195 Millionen Euro, die in den kommenden beiden Jahren fällig werden.

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Die CR7-Anleihe

Für die bis vor kurzem keine ausreichende Finanzierung vorlag. Nun wurde eine Anleihe mit einer fünfjährigen Laufzeit und einem Emissionsvolumen von 175 Millionen Euro an der Dubliner Börse platziert. Die „CR7-Anleihe“ ist mit einem Festzins von 3,375% ausgestattet, deutlich weniger als die 4,875%ige Verzinsung der 300-Millionen-Euro-Bond, die Juve-Konkurrent Inter Mailand für seine 2017 platzierte Anleihe bezahlen muss.

Was allerdings seine Gründe hat: Denn hinter dem Verein mit dem Spitznamen Bianconeri („Die Schwarz-Weißen“) steht mit der Agnelli-Familie ein bonitätsstarker Ankeraktionär. Und zwar bereits seit 1923. Noch heute halten die Agnellis mit 63,8% die klare Mehrheit am Verein.

Aktie mittlerweile hoch bewertet

Nicht nur an den Anleihen, auch an den Aktien ging die Ronaldo-Verpflichtung nicht spurlos vorüber. In den vergangenen zwölf Monaten hat sich der Kurs der Aktie von Juventus F. C. auf 1,46 Euro mehr als verdoppelt. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens hat inzwischen die Marke von 1,5 Milliarden Euro erreicht. Damit wird Juve mehr als doppelt so hoch bewertet wie der zumindest finanziell ungleich solider aufgestellte BVB Borussia Dortmund.

Allerdings dürfte damit auch der Großteil der erwarteten Entwicklung im Aktienkurs eingepreist sein. Aktionäre sollten nicht vergessen, der die Kursentwicklung von Fußballaktien mehr vom Ausgang des letzten Spiels abhängt als von fundamentalanalytischen Daten. Und dieses lässt sich bekanntlich nicht prognostizieren, wie die überraschende Heimpleite gegen Bologna vom vergangenen Samstag gezeigt hat.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.