Der Streit um SKW spitzt sich zu

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„Ihr Geld ist weg“: Wie die Hauptversammlung von SKW Stahl-Metallurgie zu einer beispiellosen Schlammschlacht ausartete (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Richtig zur Sache ging es zuletzt auf der Hauptversammlung der krisengeschüttelten SKW Stahl-Metallurgie. Wo Aktionärstreffen häufig in eintöniger Harmonie ablaufen, kam es bei dem Stahlzulieferer zu einem heftigen Schlagabtausch.

Auf der einen Seite steht der Alleinvorstand des Unternehmens, Kay Michel, der 2014 in sein Amt berufen wurde. Sofort begann er damals durchzugreifen. Zunächst verklagte er seine Vorgängerin, Dr. Ines Kolmsee, und forderte Schadenersatz in Höhe von 55 Mio. Euro. Gleichzeitig betrieb er Tabula Rasa und schrieb 84 Mio. Euro ab, die zwei von Kolmsee betriebene und gescheiterte Produktionsstätten in Schweden und dem Königreich Bhutan verschlungen haben sollen. Danach jedoch hattet er nicht mehr viel auf der Habenseite vorzuweisen.

Wird SKW absichtlich schlecht gemacht?

Was nicht zuletzt an seinem Gegenspieler lag, dem Großaktionär Olaf Marx. Der promovierte Wirtschaftsingenieur aus München ist der Alptraum der SKW-Machthaber. Seiner Meinung nach haben sich Michel und der Aufsichtsrat gegen alle anderen Aktionäre verschworen, um SKW bzw. die gut laufenden Beteiligungen der insolventen Holding an den US-Hedgefonds Speyside Equity zu verkaufen.

Speyside Equity, die ihre Firma nach einer bekannten Whisky-Region benannt haben, bekäme nach seiner Auffassung eine Firma, die schlechter gemacht wird als sie ist. So seien die horrenden Verluste der Gesellschaft, die letztlich die Insolvenz des Stahlzulieferers hervorgerufen haben, unter anderem auf gigantische Rechts- und Beratungskosten von knapp 9 Mio. Euro, unnötige Strafzahlungen an die BaFin für die verspätete Abgabe des Halbjahresberichts 2016 oder auf Vorstandsgehälter zurückzuführen, die immer höher ausfielen, je schlechter die Geschäft liefen.

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Scharmützel ohne Gleichen

Unterstützt wurde die Strategie des Vorstands vom Aufsichtsrat, der dementsprechend ganz oben auf der „Abschussliste“ des Großaktionärs stand. So wurden die Aufsichtsratsmitglieder, darunter der ehemaligen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, mit überwältigender Mehrheit der anwesenden Stimmen abberufen. Die hatten ihre Abberufung wohl schon erwartet, waren sie zum Teil gar nicht zur Hauptversammlung erschienen.

Zuvor war auf der Hauptversammlung jedenfalls Tacheles geredet – oder vielmehr: geschrien – worden. Vorstand Michel warf dem Großaktionär Marx vor, eine Gruppe von Anteilseignern zu orchestrieren und alle Anwesenden „für dumm verkaufen zu wollen“. Er habe gar kein Sanierungskonzept, sondern „wolle sich hier nur profilieren“.

Worauf Marx mit dem Vorwurf konterte, Michel sei es seit 2016 nicht gelungen, eine langfristige Finanzierung auf die Beine zu stellen und wolle die wertvolle SKW für einen Spottpreis „an eine Heuschrecke verschleudern“. Die Schutzvereinigung für den Wertpapierbesitz wiederum griff Marx scharf an und warf ihm vor, nur „heiße Luft von sich zu geben“. An die Aktionäre gewandt meinte der Aktionärsvertreter wenig tröstlich: „Ihr Geld ist weg“.

Weitere Entwicklung völlig unklar

Gewonnen hat den Wirtschaftskrimi jedenfalls Olaf Marx, der auf der von ihm vor Gericht erstrittenen Hauptversammlung 29% des Grundkapitals vertrat. Bei einer Präsenz von rund 50% war die Abstimmung damit nur noch eine Formsache. Die ihn opponierenden Aufsichtsräte wurden abberufen, der Vorstand dürfte demnächst folgen. Ob das von Marx vorgelegte Sanierungskonzept Erfolg haben wird oder doch nur eine „gigantische Nebelkerze“ ist, wie es Noch-Vorstand Michel bezeichnete, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.