Der übelste Marktzustand für uns Investoren

Vorab ein Nachtrag zu meinem gestrigen Beitrag: Der heutige Handelstag zeigt einmal mehr, wie viel die Begründungen der Börsenmedien als Erklärungsversuch für Kursbewegungen taugen.

Gestern wurde der massive DAX-Rückgang vorwiegend mit dem Kurseinbruch in China begründet.

Heute verliert der Aktienmarkt in Shanghai mit -8,5% nur unwesentlich weniger als gestern – und der DAX 30 legt (zumindest am Vormittag) rund +4,0% zu.

Gleich werden Sie einen Chart sehen, der auf Sie vermutlich ungewöhnlich wirkt. Der Grund: Es handelt sich um den Bullish Percent Index (BPI) des Nasdaq 100.

Die Kursgrafik stammt nicht aus der klassischen, sondern aus der Point&Figure-Charttechnik; eine Analyse-Methode, die – zumindest in Deutschland – (leider!) zu Unrecht eine Art Schattendasein führt.

So lesen Sie einen Point&Figure-Chart

Tatsächlich zeigt der Point&Figure-Chart eigentlich den „puren“ Kursverlauf, da hier Kursveränderungen nur dann abgetragen werden, wenn die Oberseite eines Kästchens über- bzw. die Unterseite eines Kästchens unterschritten wird.

Aufwärtsbewegungen werden mit einem „X“, Abwärtsbewegungen mit einem „O“ in den Chart eingetragen.

Ein Wechsel zwischen X- und O-Säule entsteht erst dann, wenn sich der Kurs mindestens 3 Kästchen in die entgegengesetzte Richtung bewegt hat.

Ein Kaufsignal wird immer dann ausgebildet, wenn eine X-Säule die vorhergehende X-Säule überbietet. Bei einem Verkaufssignal geht es exakt anders herum.

Daraus ergibt sich als Konsequenz: In der Point&Figure-Charttechnik ist ein Markt zu jeder Zeit entweder in einem Kaufsignal oder in einem Verkaufssignal.

Das macht sich der BPI zunutze:

Die 4 Marktzustände des Bullish-Percent-Index

Der Bullish Percent Index setzt den Anteil der Aktien eines Index in einem Point&Figure-Kaufsignal ins Verhältnis zur Gesamtzahl der Index-Mitglieder.

Die so börsentäglich ermittelten Prozentzahlen werden dann in einem Point&Figure-Chart abgetragen.

Aus dem Verlauf dieses Charts lassen sich 4 unterschiedliche Marktzustände ableiten:

  • Bull Confirmed (bestätigter Bullenmarkt), wenn sich der BPI in einem Kaufsignal und einer X-Spalte befindet
  • Bull Correction (Bullenmarkt in Korrektur), wenn sich der BPI in einem Kaufsignal und einer O-Spalte befindet
  • Bear Confirmed (bestätigter Bärenmarkt), wenn sich der BPI in einem Verkaufssignal und einer O-Spalte befindet
  • Bear Correction (Bärenmarkt in Korrektur), wenn sich der BPI in einem Verkaufssignal und einer X-Spalte befindet

bullish percent index nasdaq 100-25-08-2015

Bullish-Percent-Index des Nasdaq 100: Bestätigter Bärenmarkt (Quelle: stockcharts.com)

Wie Sie am Status oben links ablesen können, befindet sich der Nasdaq 100 in dem für uns Investoren übelsten Marktzustand „bestätigter Bärenmarkt“.

Die O-Säule ganz rechts zeigt Ihnen, was zuletzt geschehen ist: Die schwarzen Os stellen den Verlauf der letzten Wochenhälfte dar, die roten stehen allein für die gestrige Entwicklung.

Das bedeutet:

Fazit

Stand gestern Abend befanden sich nur noch 15% der insgesamt 100 im Nasdaq 100 enthaltenen Aktien in einem Kaufsignal. Zu Monatsbeginn (die 8 in der letzten X-Spalte) lag dieser Wert noch bei 56%.

Um einen Status-Wechsel herbeizuführen, müsste die letzte X-Säule überboten werden. Der BPI muss also über 62% klettern.

Oder: Er bildet eine kleinere X-Spalte aus, die dann zu einem späteren Zeitpunkt übertroffen wird.

Der aktuelle Bullish-Percent-Index zeigt Ihnen, was die Großinvestoren derzeit so treiben: Seit Mitte vergangener Woche hat diese Anlegergruppe massiv Aktienpositionen abgestoßen.

Da diese Investoren-Spezies die Trends an den Aktienmärkten „macht“, ist die vom BPI aufgezeigte Entwicklung ernst zu nehmen.

Das gilt auch aus dem folgenden Grund: Im obigen Chart ist das nicht zu sehen, weil er nur bis ins Jahr 2011 zurückgeht. Tiefer als gestern notierte der BPI zuletzt in 2008, also dem Jahr nach Beginn der Finanzkrise.

Falls Sie sich über den grün markierten Bereich im Chart wundern: Dazu erzähle ich Ihnen im morgigen Beitrag etwas.

Anschließend stelle ich dann einen spannenden Zusammenhang zu einer Kursgrafik aus der klassischen Charttechnik her.

Lassen Sie sich überraschen!

25. August 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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