Der Untergang Roms – Italiens dramatischer Zerfall

Die Hütte brennt! Und das im sprichwörtlichen Sinne.

Seit die Briten mehrheitlich für den Brexit, den Austritt aus der EU gestimmt haben, ist in der Europäischen Union die Hölle los.

Wackelkandidat Italien

Die Gefahr lauert jedoch noch ganz woanders.

Weitgehend ausgeblendet vom Mainstream – und von den EU-Eliten am liebsten verschwiegen: Es geht um Italien.

Die Rezession hat das Land fest im Griff. Der Niedergang der Wirtschaft ist nicht gestoppt; ihre Produktivität verharrt auf niedrigem Niveau. Immer mehr Firmen sterben.

Und auch die Steuerlast für Auslandsinvestoren ist weiterhin viel zu hoch.

Der nicht thematisierte Verlierer der EU

Italien ist hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit Schlusslicht in Europa.

Selbst die Reform des schwerfälligen Staatsapparates samt Bürokratieabbau fruchtet nicht.

Und auch der digitale Rückstand ist längst nicht aufgeholt. So können etwa Datenautobahnen nicht ausgebaut werden, weil das Geld dazu fehlt.

Traurig aber wahr.

Italienische Großbanken vor dem Bankrott

Sie sehen: Italien steht mit dem Rücken zur Wand. Und zwar auch wegen seiner maroden Banken, die durch die Brexit-Entscheidung noch mehr in die Bredouille kommen.

So sind die italienischen Bankaktien dramatisch eingebrochen. Teilweise bis zu 20 Prozent.

Hinzu kommen unglaublich hohe faule Kredite, die in ihren Tresoren schlummern. Insgesamt lasten auf den inländischen Geldinstituten notleidende Kredite von rund 360 Milliarden Euro.

Der Brexit schwebt wie ein Damoklesschwert über Italien

Natürlich hat die Brexit-Entscheidung auch Auswirkungen auf andere Länder.

Finanzexperten schätzen, dass er weltweit bereits 2,5 Billionen Dollar an Aktienkapital verbrannt hat. Vor allem die Netto-Zahler in der EU sind davon betroffen.

Sie werden sich jetzt fragen, was der Begriff Nettozahler wirklich bedeutet. Wir erklären es Ihnen in kurzen Worten:

Wenn ein EU-Mitgliedstaat mehr Geld aus Brüssel bekommt, als es in die Gemeinschaftstöpfe einzahlt, ist es ein Nettoempfänger. Bezahlt es mehr ein und erhält weniger, ist es ein Nettozahler. Dazu gehört neben Italien auch Deutschland.

Fallen die Briten also aus – die ebenfalls Netto-Zahler sind – müssen beispielsweise die Deutschen und Italiener mehr in das gemeinsame Unions-Budget einbezahlen. Und das ist zumindest für die Italiener momentan kaum machbar.

Wirkungslose Hilfsmaßnahmen

Als Maßnahme zur Stabilisierung der italienischen Finanzbranche wurde ein Fonds installiert. Allerdings ist sein Umfang ein besserer Witz. Gerade mal 5 Milliarden Euro schlummern in ihm.

Damit ist er bei weitem zu klein, um die wackelnden Banken tatsächlich zu stützen. Deshalb muss anderes Kapital beschafft werden.

Und zwar das von den EU-Bürgern. Von Ihnen.

6. Juli 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.

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