Der VW-Skandal und die Suche nach Sicherheit

Der deutsche Leitindex DAX-30 befindet sich weiter auf Talfahrt. Ausgelöst durch das VW-Abgas-Desaster in den USA, notiert der Index rund sechs Prozent niedriger als noch vergangenen Donnerstag. (Foto: Cineberg / Shutterstock.com)

Der deutsche Leitindex DAX-30 befindet sich weiter auf Talfahrt. Ausgelöst durch das VW-Abgas-Desaster in den USA, notiert der Index rund sechs Prozent niedriger als noch vergangenen Donnerstag.

Mittlerweile steht der DAX-30 so tief wie seit Anfang Januar nicht mehr. Wie es weitergeht? Wichtig ist nun, dass Volkswagen so schnell wie möglich für höchste Transparenz sorgt und versucht, den riesigen Vertrauensverlust wieder zu beheben. Denn klar ist: der Imageschaden belastet immer mehr auch andere deutsche Unternehmen.

Wenig hilfreich ist dabei das häppchenweise Vorgehen von Volkswagen. Heute Mittag räumte das Unternehmen nach internen Prüfungen Unstimmigkeiten in den Messwerten bei weltweit rund elf Millionen Fahrzeugen ein. Es droht also politisches Ungemach noch in vielen weiteren Ländern.

Gewinnwarnung reißt auch andere Autotitel in die Tiefe

Entsprechend sprach VW heute eine Gewinnwarnung aus, die die VW-Aktie um über 20 Prozent weiter nach unten trieb. Schon gestern war die Vorzugsaktie um gut 19 Prozent eingebrochen.

Der Abgas-Skandal bei Volkswagen lässt aber zunehmend auch die Papiere der anderen großen Autobauer leiden. Daimler, BMW und Continental verloren in der Spitze über sechs Prozent an Wert.

Neben den seit vielen Monaten extrem schwachen Energiewerten entwickeln sich nun auch die Automobiltitel zu den Sorgenkindern des DAX-30. Die Aktien der Energiekonzerne RWE und Eon verloren jeweils über 3 Prozent – ein Ende der Talfahrt ist nicht in Sicht.

Sicherheit suchen

Angesichts dieser Situation suchen Anleger nun nach Aktien, die zusätzliche Sicherheit versprechen. Ein Beispiel ist der Aktienrückkauf: Unternehmen stärken den Kurs ihrer eigenen Aktie, indem sie ihre eigenen Wertpapiere vom Markt kaufen und vernichten. Da so die Gesamtzahl der Aktien sinkt, gewinnt jede Aktie automatisch an Wert.

Durch die geringere Aktienanzahl erhält jeder einzelne Aktionär einen größeren Anteil am Unternehmensgewinn – und auch von der Dividendensumme bekommt jeder einzelne Aktionär mehr.

Verringert ein Unternehmen beispielsweise seine Aktienzahl um 10 Prozent von 100 Mio. auf 90 Mio. Aktien, so steigt bei gleichbleibender Dividendensumme die Dividende je Aktie direkt um 12,5 Prozent! Schließlich sorgen auch diese spürbaren Vorteile für eine deutlich steigende Nachfrage. Am Ende klettert der Aktienkurs immer weiter nach oben.

Und tatsächlich steigen die Kurse der Aktienrückkäufer deutlich stärker als der Gesamtmarkt. So ist in den vergangenen drei Jahren der S&P 500 Buyback Index, der die 100 US-Unternehmen mit den größten Rückkauf-Programmen umfasst, deutlich besser gelaufen als der Vergleichsindex S&P 500 und das deutsche Börsenbarometer Dax.

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Philipp Ley
Von: Philipp Ley. Über den Autor

Philipp Ley ist ausgebildeter Wirtschaftsjournalist mit Stationen u. a. bei n-tv, Financial Times Deutschland, Rheinischen Post und der Aktien-Analyse. In den vergangenen zwölf Jahren hat er zudem als Kommunikations- und Investor-Relations-Berater zahlreiche Geschäftsberichte erstellt: für kleinere aufstrebende Unternehmen ebenso wie für Börsenschwergewichte.