Derivative Finanzinstrumente ohne Fehl und Tadel

Auf der Suche nach derivaten Finanzinstrumenten, die keine größeren Risiken mitbringen, trifft man auf Optionen. Rainer Heißmann erklärt. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Das Bundesministerium für Finanzen (BMF) soll derivative Finanzinstrumente prüfen und eventuell eine “moderat schärfere Regulierung” verabschieden. Das ist der aktuelle Vorschlag einer Expertengruppe, der diese Woche (Ende Juli 2009) an das BMF übergeben wurde.

Diese Expertengruppe, die Börsensachverständigenkommission (BSK), hat dazu derivative Finanzinstrumente auf den Prüfstand gestellt.

Definition: Derivative Finanzinstrumente

Das Yahoo Börsenlexikon erklärt derivative Finanzinstrumente so: “Derivative Finanzinstrumente sind hochliquide standardisierte Finanzinstrumente, deren Bewertung von der Preisentwicklung des zugrunde liegenden Finanztitels (Basiswert) abhängt. Wichtigste Beispiele sind Optionen und Futures. Derivative Finanzinstrumente werden außerbörslich oder an einer Terminbörse gehandelt.”

Optionen sind wichtigste Vertreter

Nach der eben zitierten Definition sind Optionen und Futures die wichtigsten Beispiele. Logisch, sage ich da, denn nur diese beiden derivativen Finanzinstrumente werden an den Terminbörsen gehandelt.

Alle anderen derivativen Finanzinstrumente kommen von Emittenten und werden nicht an Terminbörsen gehandelt. “Andere” derivative Finanzinstrumente sind zum Beispiel Optionsscheine, Zertifikate und CFDs.

Was macht die BSK?

Die Meldung lautete: “Die Expertengruppe (BSK) hat dem BMF neue Regeln für den Zertifikatemarkt vorgeschlagen.”

Und weiter: “Wenn es nach der BSK geht, sollen die Emittenten ihre Bonität ausweisen, Produktbezeichnungen und -informationen standardisieren und Vertriebsprovisionen offenlegen.”

Schau an, es geht gar nicht um derivative Finanzinstrumente im Allgemeinen. Es geht nichtmals um die wichtigste Gruppe derivativer Finanzinstrumente, den Optionen und Futures. Es geht um Zertifikate. Und dort sollen Regeln verschärft werden.

Umkehrschluss: Optionen sind ohne Fehl und Tadel

Wenn ich lese, was die BSK vorschlägt, verstehe ich, warum bei der wichtigsten Gruppe derivativer Finanzinstrumente keine Änderungen vorgeschlagen wurden. Denn Emittenten gibt es nicht.

Damit hat keine Option das Problem der Bonität eines Emittenten. Derivative Finanzinstrumente (hier Zertifikate) sollen standardisiert werden. Bei Optionen ist das “ein alter Hut” und eine Selbstverständlichkeit. Es gibt keine an Terminbörsen gehandelte Option ohne Standardausstattung. Das macht Optionen so einfach (zugegeben, nach einer kurzen Einarbeitung).

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Aber wichtiger noch, ich erlaube mir hier den Umkehrschluss: Die Experten sehen Optionen und Futures als einzige derivative Finanzinstrumente ohne Fehl und Tadel. (Das ist mein Umkehrschluss. Diese Aussage hat die BSK nicht getroffen.)

Derivative Finanzinstrumente: Was ergibt die Prüfung?

Werden alle anderen derivativen Finanzinstrumente so standardisiert wie das Vorbild Optionen? Ich habe meine Zweifel. Denn der sprichwörtliche Bock, der zum Gärtner gemacht wird, mischt sich schon ein.

Lars Brandau, der Geschäftsführer des Deutschen Derivate Verbands (DDV), sagte: “Wir begrüßen die Initiative, weil sie dazu beitragen kann, den deutschen Zertifikatemarkt weiterzuentwickeln.” Der DDV, so die eigene Aussage, ist die Branchenvertretung der 19 führenden Emittenten derivativer Finanzinstrumente in Deutschland.

Der DDV sagt auf seiner Internetseite: “Gemeinsam mit seinen Mitgliedern und Fördermitgliedern setzt er sich hier für Branchenstandards ein und macht mit dieser Selbstregulierung staatliche Regulierung überflüssig.”

Die BSK fordert, den Derivate-Kodex, eine Selbstverpflichtung der Emittenten, weiterzuentwickeln und den Handel am Sekundärmarkt transparenter zu gestalten.

Und der BSK gehören Vertreter dieser Institutionen an: Anlegerschutzverbände, Kreditinstitute z.B. Deutsche Bank), Versicherungen, Investmentgesellschaften, Börsen, Industrie, Deutschen Bundesbank, Wissenschaft und des Länder-Arbeitskreises Börsen.

Ich denke, die Frage: “Derivative Finanzinstrumente: Was ergibt die Prüfung?” Lässt sich mit “nicht viel” beantworten. Denn es bedarf schon einer filigranen Untersuchung, um zwischen der Forderung der BSK (in der die Deutsche Bank sitzt) und der Aussage des DDV (in der die Deutsche Bank sitzt) einen Unterschied zu finden.

Mein Fazit: Der DDV schreibt: “Als politischer Interessenverband ist der DDV auch in Brüssel aktiv.” Also Lobbyarbeit in Brüssel und garantiert auch in Berlin. Das Ergebnis der Prüfung derivativer Finanzinstrumente wird bei den Produkten der Emittenten zu keinen nennenswerten Änderungen führen. Die Anleger werden auch weiterhin die Qual der Wahl unter 379.373 derivativen Finanzinstrumenten haben. Oder eben, Sie wählen Optionen.

Zum guten Schluss: Für den DDV sind Optionen wohl keine Option. Ich freue mich aber, wenn die Option Optionen eine Option für Sie ist und Sie vielleicht beim Option Advisor oder Optionen-Profi mal reinschauen, um die Option Optionen (noch) besser kennen zu lernen.

Ich denke, nein, ich weiß, mit der Option Optionen treffen Sie eine hervorragende Wahl. Genug von Optionen, jetzt haben Sie die Option, diesen Artikel zu schließen und in ein schönes Wochenende zu gehen. Dass Sie diese Option nutzen und genießen, wünsche ich Ihnen von Herzen.


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Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen und Chefredakteur vom "Optionen-Profi". Außerdem ist er Autor des Buchs "Reich mit Optionen". Seine größte Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie auch dem Nicht-Fachmann verständlich und nachvollziehbar werden.