Dermapharm kauft Merck-Tochter Allergopharma

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Merck trennt sich von seiner Tochter Allergopharma. Käufer ist die Grünwalder Dermapharm, die bereits diverse Übernahmen getätigt hat. (Foto: canadastock / shutterstock.com)

Die Pharmabranche ist, was Übernahmen angeht, besonders aktiv. Hier werden nicht selten spektakuläre Geschäfte abgeschlossen, bei denen es oft um mehr als eine Milliarde Euro geht. Heute möchte ich Ihnen über einen rein deutsches Übernahmegeschäft berichten, bei dem die beteiligten Parteien aber ein Stillschweigen über den Kaufpreis vereinbart haben.

In der vergangenen Woche gab der in Darmstadt ansässige Pharmariese Merck KGaA bekannt, dass er sein Tochterunternehmen Allergopharma GmbH & Co. KG an die Dermapharm Holding SE verkauft hat. Ein entsprechender Kaufvertrag sei bereits unterzeichnet.

Merck setzt Unternehmensstrategie fort

Die Darmstädter setzten mit dem Verkauf von Allergopharma den angestrebten Wandel zu einem führenden Wissenschafts- und Technologieunternehmen fort. Merck will sich nach eigenen Aussagen auf die Entwicklung innovativer Medikamente für schwer behandelbare Krankheiten konzentrieren. Daher sei der Verkauf der eher im Massengeschäft tätigen Allergiepräparate-Tochter Allergopharma ein konsequenter Schritt in der Umsetzung der Unternehmensstrategie.

Dermapharm baut Produktportfolio aus

Das Geschäft von Dermapharm basiert maßgeblich auf Herstellung und Vertrieb von patentfreien Markenarzneimitteln. Da passt die Übernahme der auf Therapeutika zur Desensibilisierung bei Allergien – wie z.B. Heuschnupfen und Asthma – spezialisierte Allergopharma gut ins Konzept.

„Mit der Akquisition von Allergopharma erweitern wir unsere Kompetenz im Bereich der Dermatologie durch ein innovatives Produktportfolio zur spezifischen Immuntherapie bei Allergien. Allergopharma ist in unseren Kern- und Zukunftsmärkten aktiv und damit eine ideale Akquisition im Rahmen unserer Wachstumsstrategie.“, so Dr. Hans-Georg Feldmeier, Vorstandsvorsitzender der Dermapharm Holding SE.

Kursgewinne bei Dermapharm und Merck

Nach Bekanntgabe des Verkaufs von Allergopharma legten die Aktien der Dermapharm Holding SE am vergangenen Mittwoch um +5,8% zu und gingen mit einem Allzeitrekordwert von 42,19 Euro aus dem Handel. Die Aktie verlor in den letzten Tagen, bei allgemein rückläufiger Börsentendenz, wieder an Boden und wird aktuell bei 40,75 Euro gehandelt.

Auch der Kurs der Merck-Papiere zog am vergangenen Mittwoch an. Die Aktie gewann +1,7% und stand zum Börsenschluss bei 125,60 Euro. Aber auch der Merck-Kurs litt in den letzten Tagen unter der allgemein schlechten Entwicklung an den Börsen und notiert aktuell bei 120 Euro.

Die beteiligten Unternehmen im Kurzportrait

Die Merck KGaA ist ein traditionsreiches Familienunternehmen mit Hauptsitz in Darmstadt. Der Konzern bezeichnet sich selbst als Wissenschafts- und Technologieunternehmen und ist in den Sparten Pharma, Chemie und Live-Science aktiv. Die in 66 Ländern tätigen 56.000 Merck-Mitarbeiter erwirtschafteten in 2018 einen Umsatz von 14,83 Mrd. Euro.

Die Dermapharm Holding SE ist ein führender Hersteller von patentfreien Markenarzneimitteln für ausgewählte Märkte in Deutschland. Das 1991 gegründete Unternehmen hat seinen Sitz in Grünwald bei München. Produziert wird hauptsächlich in Brehna bei Leipzig. Dermapharm verfügt über mehr als 900 Arzneimittelzulassungen für rund 250 Wirkstoffe, die als Arzneimittel bzw. Nahrungsergänzungsmittel vertrieben werden.

Die gut 1.600 Mitarbeiter des Unternehmens erwirtschafteten im 2018 einen Umsatz von 572,4 Mio. Euro. Das Unternehmen verzeichnete in den letzten Jahren ein stetiges Wachstum, was auch auf eine konsequente Übernahmestrategie zurückzuführen ist. So hat Dermapharm in den letzten 10 Jahren bereits 14 Übernahmen, die meisten davon in Deutschland, getätigt.

Die Allergopharma GmbH & Co. KG mit Sitz in Reinbek bei Hamburg verfügt über 50 Jahre Erfahrung mit der Erforschung und Behandlung von Allergien. Die Produkte des Unternehmens sind in 18 Ländern erhältlich. Mit seinen über 500 Mitarbeitern erwirtschaftete Allergopharma in 2018 einen Umsatz von 88 Mio. Euro. Für 2020 wird ein Umsatz von 90 Mio. Euro erwartet.

Wie es weiter geht

Die Transaktion bedarf noch der Zustimmung der Aufsichtsbehörden sowie weiterer üblicher Vollzugsbedingungen. Merck und Dermapharm gehen davon aus, dass der Deal bis Mitte 2020 abgeschlossen werden kann.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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