Deutlich mehr Gewinnwarnungen als im Vorjahr

Mehr Unternehmen als in den Vorjahren haben im ersten Halbjahr ihre Umsatz- oder Gewinnprognose nach unten revidiert. (Foto: Pavel Ignatov / shutterstock.com)

Was haben Fresenius Medical Care, Conti, Daimler, die Deutsche Post und die Deutsche Bank gemeinsam? Alle genannten Unternehmen haben im ersten Halbjahr eine Gewinnwarnung ausgesprochen. Doch damit sind die genannten Großkonzerne nicht allein: In den ersten sechs Monaten des Jahres haben mehr deutsche Unternehmen eine Gewinnwarnung ausgesprochen als in den Jahren zuvor. Dies geht aus der neuesten Analyse der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (vormals Ernst & Young) hervor, die seit 2011 untersucht, wie viele der 307 Unternehmen aus dem Prime Standard eine Gewinn- oder Umsatzwarnung ausgesprochen haben.

Gewinnwarnungen auf Rekordniveau

Trotz der positiven Konjunkturentwicklung mussten nach Angaben von EY in den ersten sechs Monaten insgesamt 42 Unternehmen eine Ad-hoc-Mitteilung veröffentlichen, in der sie ihre Gewinn- oder Umsatzerwartung nach unten schraubten. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum waren es lediglich 29.

Im Durchschnitt mussten dabei die Vorstände ihre operativen Gewinnerwartungen um 39 % nach unten nehmen, was die Aktienkurse am Tag der Veröffentlichung um durchschnittlich 7 % nach unten drückte. Bemerkenswert dabei für alle Short-Trader unter Ihnen: Kurzfristig konnte sich kaum eine Aktie von der Gewinnwarnung erholen, im Gegenteil. Nach einer Woche lagen die Aktienkurse um im Schnitt um 9 % unter dem Niveau vor der Gewinnwarnung.

SDAX und DAX mit den meisten Korrekturen

Probleme haben dabei vor allem stark im internationalen Wettbewerb stehende und im Ausland engagierte Unternehmen. 37 % der Emittenten gaben konjunkturelle Gründe für ihre Gewinnwarnung an. 14 % der Unternehmen waren dagegen besonders von Sondereffekten und 12 % von unerwartet hohen Personal- bzw. Materialpreissteigerungen betroffen, die sie bislang nicht vollständig weitergeben bzw. kompensieren konnten.

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Nachdem sich die weltweite Konjunktur noch in der zweiten Jahreshälfte 2017 überraschend stark gezeigt hatte, weshalb viele Unternehmen ihre Prognosen nach oben anpassen konnten, schwingt nun das Pendel mit höherer Volatilität zurück. Nahezu jedes vierte Unternehmen im Prime Standard hat im ersten Halbjahr mindestens einmal die eigene Prognose kassiert. Die meisten Korrekturen gab es dabei im DAX: Hier haben zum Halbjahr insgesamt fünf Emittenten ihre Prognose nach unten revidiert.

Weniger positive Überraschungen

Während jedes achte Unternehmen im Prime Standard seinen Ausblick in Molltöne fasste, hat sich die Zahl der Emittenten, die das Übertreffen ihrer bisherigen Ansagen ankündigten, von 106 auf 42 mehr als halbiert. Besonders stabil zeigten sich dabei Softwareunternehmen: Neun der 36 börsennotierten Softwareunternehmen haben im ersten Halbjahr ihre Prognosen nach oben angepasst. Besonders hoch war der Anteil positiver Prognoseänderungen auch in den Bereichen Konsumgüter, Immobilen und Telekommunikation: Hier korrigierte immerhin jeweils mindestens jedes fünfte Unternehmen seine Gewinn- oder Umsatzprognose nach oben.

Besonders verwunderlich: Während die Kurse nach Gewinnwarnungen deutlich nachgaben, war eine vergleichbare Entwicklung der Aktienkurse im Zuge der Anhebung der Gewinnerwartungen nicht zu beobachten: Positive Korrekturen werden an der Börse derzeit kaum honoriert: Gerade einmal 2 % ging es mit den Kursen nach oben. Tiefstapeln lohnt sich für die Unternehmen also auch nicht. Wenn möglich also sollte ein Vorstand die weitere Entwicklung seines Unternehmens korrekt prognostizieren können.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.