Deutsche Aktien: Vorstände und Aufsichtsräte weiter auf der Käuferseite

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Während sich viele Anleger zuletzt von Aktien getrennt haben, stehen Vorstände und Aufsichtsräte weiterhin häufig auf der Käuferseite. (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

Zwar beendeten die deutschen Aktienindizes den gestrigen Handelstag mit deutlich grünen Vorzeichen. Das ändert aber nichts an der verheerenden Bilanz deutscher Aktien im Börsenmonat Oktober 2018.

Es war einer der schlechtesten Monate der vergangenen Jahre für deutsche Aktien. Während immer mehr Anleger sich von der Nervosität an den Märkten anstecken ließen und sich meines Erachtens in vielen Fällen zu viel zu günstigen Kursen von ihren Aktien trennten, herrschte auf der anderen Seite eine Art Käuferstreik. Hinzu kommt: Die meisten Medien zeichnen ein düsteres Bild der aktuellen Lage und blicken pessimistisch in die Zukunft.

Gestern war beispielsweise davon zu lesen, dass man sich über den positiven Kursverlauf deutscher Aktien nicht zu früh freuen solle und dass stattdessen das Abwärtspotenzial groß sei und es demzufolge eher noch ein ganzes Stück weiter nach unten gehen könnte. Zwischenzeitliche Erholungen seien gute Ausstiegsgelegenheiten und keine Trendwende, hieß es zudem in einigen Marktkommentaren.

Ein anderes Bild von der aktuellen Situation und von den Perspektiven ihrer Unternehmen haben offensichtlich zahlreiche Vorstände und Aufsichtsräte deutscher Unternehmen. Denn diese nutzten in vielen Fällen die jüngsten Ausverkaufskurse, um Aktien des eigenen Unternehmens zu kaufen. Dazu zählten zuletzt beispielsweise Unternehmensinsider von BASF, Krones, Washtec und Covestro (um nur einige zu nennen).

Überhaupt gab es in Deutschland im laufenden Jahr so viele Insiderkäufe (so nennt man es, wenn mit dem Unternehmen eng verbundene Personen wie Vorstände und Aufsichtsräte Aktien kaufen) wie lange nicht.

Aus meiner Sicht ein sehr positives Zeichen! Schließlich kennt niemand die Lage und die Perspektiven der Unternehmen besser als die Vorstände und Aufsichtsräte. Schauen wir uns nun an, was es genau mit sogenannten Insiderkäufen auf sich hat und wie diese generell zu beurteilen sind.

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Insiderkäufe sind ein positives Zeichen

Grundsätzlich dürften Sie mir beipflichten, dass es durchaus sinnvoll sein kann, sich beim Aktienkauf an Personen zu orientieren, die Informationen aus 1. Hand haben und direkt an der Quelle sitzen. Folglich ist es in vielen Fällen durchaus sinnvoll den sogenannten Insidern zu folgen – also zu kaufen, wenn die Insider kaufen und zu verkaufen, wenn diese verkaufen.

Allerdings sollten Sie beachten, dass es nicht automatisch ein gutes Zeichen sein muss, wenn ein Insider Aktien des eigenen Konzerns kauft und nicht automatisch ein schlechtes Zeichen, wenn Insider Aktien verkaufen.

Denn nicht immer kaufen Insider Aktien, weil sie diese für unterbewertet halten und nicht immer verkaufen Insider Aktien, weil sie diese für fair oder überbewertet halten.

So werden in vielen Unternehmen Aktien beispielsweise aufgrund von Mitarbeiter-Beteiligungen oder Bonuszahlungen verteilt. Es ist dann völlig normal, wenn ein Manager irgendwann die als Gehalts-Bestandteil erhaltenen Aktien (oder Aktien-Optionen) an der Börse versilbert und in Geld umtauscht (verkauft).

In der aktuellen Situation spricht die Vielzahl an Insider-Käufen aus meiner Sicht aber klar dafür, dass die operative Lage und vor allem die zukünftigen Aussichten bei vielen deutschen börsennotierten Unternehmen deutlich besser sind als die Kursentwicklung der vergangenen Wochen vermuten lässt.

Anleger, die nicht über einen kurzen Anlagehorizont verfügen, sollten aus meiner Sicht den Unternehmensinsidern folgen und die niedrigen Kurse ebenfalls als günstige Einstiegsgelegenheit sehen.


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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.