Deutsche Automobilzulieferer im Vergleich

Nach einem holprigen Jahresauftakt für Continental ist das 2. Quartal besser verlaufen.

Im 1. Halbjahr stieg der Umsatz leicht um 0,4% auf rund 16,5 Mrd €. Das operative Ergebnis (EBIT) reduzierte sich um 1,4% auf gut 1,6 Mrd €. Dies entspricht einer etwas geringeren Marge von 9,8%. Der Gewinn erhöhte sich um 13,8% auf mehr als 1,1 Mrd €.

Die Automotive Group erzielte einen auf Vorjahresniveau liegenden Umsatz von rund 10 Mrd €. Die bereinigte Marge fiel von 8,3 auf 7,8%. Die Rubber Group erwirtschaftete ebenfalls einen auf dem Niveau der ersten sechs Monate 2012 liegenden Umsatz von 6,5 Mrd € und erreichte eine bereinigte Marge von 16,3% auf Vorjahreshöhe.

Für das 2. Halbjahr sieht Conti keine weitere Belebung

Der Grund liegt im Wesentlichen in den Pkw-Ersatzreifenmärkten, die sich in Europa langsamer als erwartet erholen. Entlastend wirkt dagegen die rückläufige Preisentwicklung bei Natur- und Synthesekautschuk. Hier rechnet Conti mit einer Entlastung für die Rubber Group in Höhe von rund 300 Mio €.

Die Netto-Finanzschulden konnten um 864 Mio € auf rund 6 Mrd € erneut reduziert werden. Die Gearing Ratio verbesserte sich entsprechend auf 68,5% nach 87,9% im Vorjahr. Inzwischen hat auch die Nettoverschuldung wieder einen Stand erreicht, der eine Eingruppierung im Investment-Grade-Bereich rechtfertigt.

Continental bestätigte das Ziel, im Geschäftsjahr 2013 eine bereinigte EBIT-Marge von über 10% zu erreichen. Der Umsatz soll auf rund 34 Mrd € steigen.

Unternehmensporträt

Continental ist weltweit unter den ersten 5 und belegt in Europa Platz 2 der Automobilzulieferer. Mit der Akquisition der Siemens VDO Automotive AG im Jahr 2007 entwickelt sich das Unternehmen zum integrierten Systemanbieter in der Automobil-Zulieferindustrie für Bremssysteme, Systeme und Komponenten für Antrieb und Fahrwerk, Instrumentierung, Infotainment-Lösungen, Fahrzeugelektronik, Reifen und technische Elastomerprodukte.

Leoni mit Rekord-Quartalszahlen

Leoni konnte sein Geschäftsvolumen im 2. Quartal um 4,5% steigern und erzielte damit erstmals in einem Quartal mehr als 1 Mrd € Umsatz. Im 1. Halbjahr stieg der Umsatz um knapp 2% auf das Rekordniveau von 1,97 Mrd €.

Leoni profitierte in beiden Unternehmensbereichen von der anhaltend guten Nachfrage der Fahrzeugindustrie, die das konjunkturbedingt schwache Industriegeschäft ausglich. Dabei wuchs der Umsatz vor allem in den BRIC-Staaten, aber auch in Deutschland konnte Leoni zulegen. Im europäischen Ausland wurde ein Rückgang verbucht. Das operative Ergebnis (EBIT) belief sich in den ersten sechs Monaten auf 77,8 Mio € nach 145,5 Mio € im Vorjahr, in dem positive Einmaleffekte in Höhe von 33,2 Mio € verbucht worden waren.

Im laufenden Jahr war das Ergebnis dagegen von umfangreichen Vorleistungen für neue Bordnetz-Aufträge, Produktmixverschiebungen bei Automobilkabeln sowie geringeren Umsätzen in den Industriebereichen beeinträchtigt. Hinzu kamen Kosten für konzernweite IT-Projekte, Restrukturierungsaufwendungen sowie negative Metallpreiseffekte.

Geschäftsvolumen leicht über den Erwartungen

Im bisherigen Jahresverlauf lag das Geschäftsvolumen etwas über den Planungen und das Ergebnis insgesamt auf dem erwarteten Niveau. Vor diesem Hintergrund wurde das Umsatzziel für 2013 auf rund 3,8 Mrd € etwas erhöht. Beim EBIT wird nach wie vor ein Wert von 170 Mio € erwartet. Auch im 2. Halbjahr fallen hohe Anlaufkosten für Neuprojekte und Restrukturierungsaufwendungen an. Nach dem Übergangsjahr rechnet Leoni für 2014 mit der nächsten Wachstumsphase.

Unternehmensporträt

Der international führende Lieferant von Drähten, Kabeln und kompletten Bordnetz-Systemen hat sich in den letzten 30 Jahren vom mittelständischen Betrieb zu einem global agierenden Konzern entwickelt. Hauptabnehmer der Produkte sind die Auto-, Elektrogeräte-, Kommunikations- und Investitionsgüterindustrie. Der lukrative Bereich Bordnetz-Systeme steht für über 45% der Gesamterlöse.

Bertrandt auf stabilem Wachstumskurs

In den ersten neun Monaten konnte Bertrandt sein stabiles Wachstum fortsetzen und den Umsatz um 10,1% auf 570,2 Mio € steigern. Das Betriebsergebnis erhöhte sich leicht auf 55,8 Mio € und der Gewinn um 5,7% auf 39,2 Mio €.

Begünstigt wird die anhaltend hohe Entwicklungsnachfrage von der weiteren Auffächerung der Modellpalette und der technologischen Vielfalt. Beispielsweise wirkt sich der Trend hin zu mehr umweltfreundlicher Mobilität nicht nur auf die Optimierung und Neuentwicklung unterschiedlicher Antriebsarten aus. Das gesamte Fahrzeug steht im Fokus, wie beispielsweise die Karosserie mit dem aktuellen Thema Leichtbau. Hiervon profitiert Bertrandt als Technologiespezialist mit Gesamtfahrzeug-Kompetenz.

Hohes Investitionsniveau für zukünftiges Wachstum

Um am Ball zu bleiben befindet sich die Investitionstätigkeit mit rund 24 Mio € weiterhin auf einem hohen Niveau. Beispiele sind das neue Elektronik-Kompetenzzentrum in Wolfsburg, diverse neue Prüfeinrichtungen in Mönsheim oder moderne Hydropuls-Prüffelder und Klimakammern an mehreren Standorten.

Mit seiner breiten und tiefgehenden Entwicklungskompetenz rund um das Gesamtfahrzeug und seiner soliden finanziellen Basis ist Bertrandt auch in Zukunft bestens gerüstet, um Markt- und Kundenanforderungen zu erfüllen und weiteres Wachstum zu realisieren. Das geht nur mit qualifizierten Fachkräften. Und da konnte Bertrandt in den letzten 12 Monaten 944 Mitarbeiter für sich gewinnen, aber noch lange nicht alle offenen Stellen besetzen.

Der Aktienkurs hat seit Anfang 2010 um satte 340% zugelegt und legt aktuell eine Verschnaufpause ein. Die Wachstumsstory ist intakt.

Unternehmensporträt

Bertrandt bietet als Ingenieurdienstleister für Fahrzeug- und Verkehrssysteme der internationalen Autoindustrie umfassende und innovative Entwicklungslösungen in den Bereichen Karosserie, Innenraum, Fahrwerk, Motor und Aggregate bis hin zur Serienanlaufbetreuung an. Hierdurch werden die Entwicklungszeiten der Autoproduzenten erheblich verkürzt. Porsche ist mit einer Sperrminorität (25% + 1 Aktie) an Bertrandt beteiligt.

Grammer steigert Umsatz und Gewinn

Mit einem deutlich gesteigerten Umsatz und verbesserter Profitabilität hat Grammer das 1. Halbjahr erfolgreich abgeschlossen. Der Umsatz verbesserte sich um 13,3% auf 642,5 Mio €. Das operative Ergebnis (EBIT) legte um 23,9% auf 30,1 Mio € zu. Die EBIT-Rendite verbesserte sich entsprechend um 0,4 Prozentpunkte auf 4,7%. Beim Gewinn wurde sogar eine Steigerungsrate von 30,1% erreicht und 17,3 Mio € erzielt.

Grammer ist auf breiter Front sehr dynamisch gewachsen

Vor allem der Umsatz im Segment Automotive und die Ertragskraft im Unternehmensbereich Seating Systems haben sich besonders erfreulich entwickelt. Hier haben sich die strategisch richtige Ausrichtung auf das Premiumsegment und die Übernahme von nectec Automotive positiv ausgewirkt.

In der Sparte Automotive erzielte Grammer ein deutliches Umsatzwachstum von 18,1% auf rund 406 Mio € und dies trotz eines weiterhin schwierigen Marktumfelds mit insgesamt gesunkenen Zulassungszahlen, insbesondere in den großen europäischen Märkten.

Das Segment Seating Systems steuerte ein Umsatzwachstum von 5,8% auf 246 Mio € zum Konzernumsatz bei. Aufgrund der Markterholung bei Nutzfahrzeugen in Brasilien und Marktanteilsgewinnen mit neuen Produkten konnte hier die allgemeine Marktschwäche, besonders in Europa, überkompensiert werden.

Mit Blick auf die sehr erfreuliche Geschäftslage des 1. Halbjahres und vor dem Hintergrund der aktuellen weltweiten Konjunkturlage erwartet das Unternehmen für 2013 bei Umsatz und Gewinn ein Niveau, das spürbar über dem des Vorjahres liegen wird.

Unternehmensporträt

Das Unternehmen gehört zu den weltweit führenden Herstellern von Pkw-Innenausstattungen (Kopfstützen, Armlehnen, Kindersitze). Der zweite Geschäftsbereich umfasst Sitze und Sitzsysteme für die Verkehrsindustrie (Fahrersitze für Bahn, Bus, Lkw, Bau- und Landmaschinen; Passagiersitze für Bahn und Bus).

4. Dezember 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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