Deutsche Bahn bekommt mehr Konkurrenz

Es gibt nicht mehr allzu viele Monopole in diesem Land.

Weder die Lufthansa noch die Deutsche Telekom haben am Markt noch den Stellenwert, den sie vor 20 Jahren behaupten konnten.

In Luftfahrt- und Telekommunikationsbranche tummeln sich stattdessen seit Jahren immer mehr Wettbewerber. Vor allem Billiganbieter boomen, wenngleich dieser Trend im Flugverkehr schon wieder rückläufig zu sein scheint.

Die Bahn und ihr Langstrecken-Monopol

Ein Staatsunternehmen jedoch kann von sich behaupten, noch ein Monopol zu halten. Die Rede ist von der Deutschen Bahn und ihren Langstreckenverbindungen.

Während sich im Regionalverkehr zunehmend private Anbieter etablieren konnten, die Fahrgäste zum Verkehrsverbundtarif von A nach B befördern, hat die Bahn auf ihren InterCity- und ICE-Strecken bislang kaum Konkurrenz.

Dabei ist das Geschäftsfeld nicht gerade uninteressant. Zigtausende Menschen nutzen Tag für Tag die bequeme Mobilität. Gerade mit Blick auf die aktuellen Spritpreise wird Bahnfahren wieder zur Alternative, allen Preissteigerungen zum Trotz.

MSM drängt auf die Fernstrecken – noch in diesem Jahr

Doch die Bahn macht es Konkurrenten nicht gerade leicht, auf diesem Terrain Fuß zu fassen.

Warum auch? Für den Konzern ist es ja viel praktischer, wenn alle Reisenden auf den teuren ICE angewiesen sind und beispielsweise für die Strecke Köln-Berlin satte 113 Euro hinblättern müssen – zuzüglich Reservierungskosten, wenn man zu gefragten Zeiten nicht auf dem Boden sitzen möchte.

Genau hier setzt nun aber doch mal ein privates Unternehmen an. Die kleine Kölner Firma MSM will ein Alternativangebot zu den teuren Bahnverbindungen schaffen – und das schon im Frühherbst.

Ein ambitioniertes Ziel. Zweimal täglich sollen Züge von Köln aus sowohl Hamburg als auch Berlin ansteuern und umgekehrt. Die Tickets sollen – bei frühzeitiger Buchung – für nur 19,90 Euro zu haben sein und damit 10 Euro billiger als das günstigste Fernverkehrs-Angebot der Deutschen Bahn.

Günstige Tickets, hohe Betriebskosten

Um hohe Anschaffungskosten für die Züge zu vermeiden, sollen diese im Ausland lediglich gemietet werden. So weit, so gut.

Doch ob sich das Discount-Angebot tatsächlich durchsetzen kann, ist fraglich. Die Bahn lässt sich die Nutzung ihres Schienennetzes und den Halt in ihren Bahnhöfen teuer bezahlen.

Neben hohen laufenden Kosten hat der Plan aber noch weitere Fallstricke. Immerhin werden die Strecken von der Deutschen Bahn an Werktagen stündlich bedient. Ob die zwei Fahrten pro Tag, die MSM angekündigt hat, da wirklich ins Auge springen, ist ungewiss.

Nichts für Spontanreisende

Zudem setzt das Unternehmen auf Reisende, die langfristig planen. Tickets gibt es vorerst nur online oder im Reisebüro. Außerdem besteht eine Reservierungspflicht.

Ähnlich wie beim französischen Thalys, der von Köln aus Brüssel und Paris ansteuert, soll so eine Überbuchung von Zügen vermieden werden. Ein Problem, das Bahnreisende – gerade am Wochenende – nur zu gut kennen.

In puncto Geschwindigkeit soll der Bahnstandard zwar nahezu erreicht werden, allerdings werden MSM-Kunden wohl auf Komfort à la ICE verzichten müssen.

Privatanbieter oft auch nicht besser als die Bahn

Ob allein der günstige Preis am Ende ausreichen wird, um der Bahn auf einer ihrer wichtigsten Strecken ernsthaft Konkurrenz zu machen, bleibt abzuwarten.

Spontanreisen werden damit jedenfalls nicht bedient.

Und schon die Dauerexperimente auf Regionalstrecken haben bewiesen, dass private Anbieter auch nicht unbedingt zuverlässiger, pünktlicher oder kundenfreundlicher agieren als das Original.

Schade eigentlich, denn der Bahn würde es mal ganz gut tun, ernstzunehmende Konkurrenz zu spüren.

6. März 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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