Deutsche Bahn verweigert Zugabnahme von Bombardier

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42 schicke neue IC-Züge hatte die Bahn bestellt. Bekommen hat sie Softwareprobleme. Zugausfälle gehen aufs Konto von Bombardier. (Foto: Jirapong Manustrong / Shutterstock.com)

Die Deutsche Bahn macht wieder einmal Schlagzeilen. Diesmal geht es jedoch nicht um einen tiefergelegten Bahnhof in Baden-Württemberg, sondern um die veraltete Flotte.

Die Intercity-Züge haben im Schnitt 20 Jahre auf dem Buckel. Besser werden sie mit der Zeit nicht, im Gegenteil. Da die Deutsche Bahn ihr bundesweites Verbindungsnetz optimieren will und zugleich mit einem Anstieg der Passagierzahlen rechnet – Stichwort klimabewusstes Reisen –, hielt sie es für eine gute Idee, nicht nur im Regional-, sondern auch im Fernverkehr doppelstöckige Züge einzusetzen. Also bestellte sie eine neue Intercity-Generation beim französischen Hersteller und Siemens-Konkurrenten Bombardier.

Insgesamt 42 Züge orderte der de facto Staatskonzern, 17 davon sind bereits in Betrieb – und dabei wird es vorerst wohl auch bleiben. Denn die Deutsche Bahn verweigert die Abnahme der übrigen 25 Züge und begründet dies mit erheblichen Mängeln des Modells.

Richtungswechsel? Software stürzt ab

In den Medien kursieren die wildesten Beispiele. So sollen die neuen Intercitys, die bislang vor allem auf Strecken in Süddeutschland eingesetzt werden, in schöner Regelmäßigkeit mit Softwareproblemen zu kämpfen haben. Das Betriebssystem stürzt offenbar ab, wenn der Zug die Fahrtrichtung wechselt, und das kommt – gerade bei Kopfbahnhöfen – ja durchaus mal vor im Regelbetrieb.

Das Hochfahren auf Betriebsbereitschaft scheint außerdem eine satte Stunde Zeit in Anspruch zu nehmen – Zeit, die der Lokführer bereits vor der planmäßigen ersten Abfahrt des Tages im Zug verbringen muss. Um einen halbwegs reibungslosen Betrieb sicherzustellen, müssten zudem zwei Lokführer anwesend sein. Kurzum: Die Zustände sind unhaltbar. Gerade angesichts des vielfach beklagten Personalmangels bei der Bahn kann sie es sich kaum leisten, derart viel Zeit und Manpower aufzubringen, nur um dem störrischen Intercity gut zuzureden, doch bitte das zu tun, wofür er geschaffen wurde: Fahrgäste auf der Schiene möglichst pünktlich von A nach B zu befördern.

Bombardier: Alter Bekannter im Aufsichtsrat

Dass das Produkt selbst diese Kernfunktion nicht beherrscht, ist äußerst peinlich für Bombardier – und eine durchaus plausible Begründung, die Abnahme der restlichen Züge bis auf Weiteres zu verweigern. Pikant ist zudem die Personalie Rüdiger Grube: Der ehemalige Vorstandschef der Deutschen Bahn ist seit dem vergangenen Jahr Aufsichtsratsvorsitzender bei Bombardier.

Aus Sicht der Passagiere helfen da weder die schmucken neuen Uniformen der Bahnbeschäftigten – man trägt neuerdings bordeauxrot statt marineblau – noch die seit Jahresanfang abgesenkte Mehrwertsteuer auf Bahntickets: Ein Intercity, der wegen technischer Mängel nicht fährt, sorgt für erhebliche Verspätungen oder fällt gleich ganz aus.

Nun sind Bahnstammkunden Entsprechendes durchaus gewohnt von der Deutschen Bahn. Wenn es aber tatsächlich gelingen soll, einen funktionierenden „Deutschlandtakt“ aufzubauen und mehr Passagiere vom Flughafen an den Bahnhof beziehungsweise von der Autobahn aufs Schienennetz zu führen, sind Bombardier und Bahn gut beraten, ihre Kernkompetenzen zu optimieren: Die einen sollten funktionstüchtige Züge liefern, die anderen den Dienstleistungscharakter ihres Personenverkehrs stärker in den Fokus rücken.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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