Deutsche Bank Aktie im freien Fall

Boni für Banker, aber keine Dividende für Anleger? Die Deutsche Bank Aktie rauscht in die Tiefe – nicht erst seit dem Börsencrash. (Foto: Vyautas Kielaitis/ shutterstock.com)

Schon wieder im Minus! Das hatten sich Anleger der Deutschen Bank wohl anders vorgestellt. Doch das größte Geldhaus Deutschlands muss auch für 2017 einen Jahresverlust ausweisen, es ist der dritte Fehlbetrag in Folge.

Erwartet hatte die Bank selbst einen leichten Gewinn. Durch einmalige Effekte, bedingt durch die US-Steuerreform unter Präsident Donald Trump, geraten nun aber sämtliche in den USA aktiven Großbanken unter Druck.

Immerhin: Die Einmalbelastung betrifft die gesamte Branche gleichermaßen. Allerdings bleibt bei den anderen Großbanken unterm Strich immer noch ein Gewinn hängen, während die Deutsche Bank ihren Anlegern eine halbe Milliarde Euro Verlust präsentieren musste.

Boni für Banker – Nullrunde für Anleger?

Und damit nicht genug: Trotz der verheerenden Bilanz sollen für 2017 wieder Bonuszahlungen fließen. Diese sind jedoch wohl weniger als Belohnung für gelungene Arbeit zu verstehen als vielmehr als Halteprämie für Wunschbanker. Vorstandschef John Cryan betonte auch sogleich, dass entsprechende Zahlungen für 2018 nur bei entsprechenden Geschäftserfolgen noch einmal zu rechtfertigen seien.

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Die Anleger hingegen könnten diesmal leer ausgehen. Während die Deutsche Bank für die beiden vorangegangenen Jahre noch die gesetzliche Mindestdividende ausgezahlt hatte, könnte in diesem Jahr nach einer Gesetzesänderung eine Nullrunde anstehen. Eine endgültige Entscheidung hierzu will das Geldhaus im März fällen, bis dahin müssen sich Anleger in Geduld üben.

Deutsche Bank Aktie – was macht man jetzt mit dem Papier?

Der Geduldsfaden jedoch dürfte allmählich arg überstrapaziert sein. Allein auf Monatssicht hat die Deutsche Bank Aktie fast 20 Prozent an Wert verloren. Das war zwar sicherlich zu einem Teil auch dem allgemeinen Beben an den Börsen in den vergangenen Tagen geschuldet, doch es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Deutsche Bank auch mit einem erheblichen Anteil hausgemachter Probleme zu kämpfen hat. Die Kursverluste in Reaktion auf die Bilanzpräsentation fielen jedenfalls deutlich aus, um zeitweise mehr als 6 Prozent rutschte die Aktie kurzfristig ab.

Ende der Woche war das Papier nicht einmal mehr 12,50 Euro wert. Umso drängender stellt sich die Frage für investierte Anleger, wie sie mit der anhaltenden Kursschwäche umgehen sollen – das Papier halten und auf eine baldige Bodenbildung mit anschließender Trendwende hoffen? Gerade jetzt den Bestand aufstocken und sich vergleichsweise günstig mit Anteilsscheinen eindecken? Oder in den sauren Apfel beißen, die bisherigen Verluste in Kauf nehmen und aussteigen, ehe es noch weiter abwärts geht?

Analysten haben dazu momentan keine eindeutige Haltung. Eine knappe Mehrheit rät dazu, das Papier zu halten und vorerst abzuwarten. Kaufempfehlungen mit lohnenden Kurszielen sind unterdessen eher rar gesät, während die Zahl der kritischen Stimmen zunimmt. Das durchschnittliche Kursziel lag zuletzt zwar rund 12 Prozent oberhalb der aktuellen Notierung, aber immer noch unter 14 Euro. Ein richtiger Kaufanreiz ist das momentan alles nicht.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.