Deutsche Bank Aktie nach Bilanz auf Zwischenhoch

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Das Zahlenwerk kam an der Börse gut an, doch die Deutsche Bank kämpft weiter mit Problemen. Analysten raten: Finger weg. (Foto: Vyautas Kielaitis/ shutterstock.com)

Die Lage ist durchwachsen: In der vergangenen Woche hat die Deutsche Bank ihr jüngstes Zahlenwerk vorgestellt und die Jahresbilanz für 2018 präsentiert.

Die wichtigste Nachricht war dabei wohl, dass das Geldhaus zum ersten Mal seit 2014 wieder schwarze Zahlen schreiben konnte. Mit 341 Millionen Euro fiel der Gewinn zwar recht überschaubar aus, wichtig für den seit April amtierenden Vorstandschef Christian Sewing war aber, dass es überhaupt ein Plus gab.

Denn Sewing steht vor einer Mammutaufgabe: Er muss die Fehler gleich mehrerer Vorgänger ausbügeln, Kosten senken, Gewinne einfahren und die Bank insgesamt wieder in profitable Bahnen lenken. Dem Manager wird einiges zugetraut, aber eben auch einiges zugemutet. Er muss an zahlreichen Baustellen gleichzeitig arbeiten, überall die entscheidenden Stellschrauben in die richtige Richtung drehen und sich dann an seinen erhofften Erfolgen messen lassen.

Zurückhaltende Ziele knapp erreicht

Seine Ziele hatte er vorsichtshalber zurückhaltend gesteckt, und so konnte er die eine oder andere Erfolgsmeldung verkünden. Neben dem Jahresgewinn triumphierte Sewing damit, sein Kostenziel erreicht zu haben: Angestrebt waren für 2018 bereinigte Kosten in Höhe von maximal 23 Milliarden Euro, am Ende kamen 22,8 Milliarden Euro heraus. Allerdings hatte die selbstgesteckte Hürde zunächst bei 22 Milliarden Euro gelegen und wurde erst nachträglich angepasst. Das Ziel wurde also gerade so erreicht.

Ein weiteres, 2018 erreichtes Ziel: Der Stellenabbau schreitet voran. Weniger als 93.000 Vollzeitstellen sollten zum Jahresende übrig bleiben, für 2019 ist eine weitere Reduzierung auf unter 90.000 geplant. Tatsächlich zählte die Deutsche Bank zum Jahreswechsel noch 91.737 Stellen und kam damit schneller voran als gedacht – unter anderem durch den Verkauf ihres Privat- und Firmenkundengeschäfts in Polen an Santander.

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Die Kernkapitalquote über 13 Prozent zu hieven, ist ebenfalls gelungen – wenn auch nur knapp mit 13,6 Prozent. Analysten hatten mit 13,7 Prozent etwas mehr erwartet.

Deutsche Bank Aktie kurzzeitig deutlich im Plus

An der Börse reagierten Anleger zunächst erfreut auf das Zahlenwerk. Man sieht die Deutsche Bank allmählich auf dem richtigen Weg. Die Aktie schoss zeitweise um rund 5 Prozent in die Höhe. Dies kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich der Kurs nach wie vor in der Nähe seines Allzeittiefs bewegt – und die Aussichten auch nicht gerade rosig sind.

Im vergangenen Jahr hat sich der Wert der Deutsche Bank Aktie von rund 16 auf unter 8 Euro halbiert. Zuletzt wurde das Papier für etwa 7,75 Euro gehandelt. Analysten warnen davor, sich die Finger zu verbrennen: Mit Kurszielen zwischen 6,50 Euro (Kepler Cheuvreux; Barclays) und 8 Euro (Morgan Stanley) raten inzwischen etliche Experten zum Verkauf des Papiers. Und selbst die optimistischsten Analysten rechnen lediglich mit einem Kurs von 10 Euro und raten zum Halten der Aktie (Goldman Sachs).

HNA reduziert Anteile

Die Reißleine ziehen unterdessen erneut die Chinesen: Der Mischkonzern HNA, der 2017 vor Blackrock und dem Emirat Katar zum größten Aktionär der Deutschen Bank aufgestiegen war, hat sich erneut von einem Teil seiner Anteile getrennt und plant offenbar den kompletten Rückzug.

Bereits 2018 hatte HNA mehrere Aktienpakete veräußert, nun sollen eigene Liquiditätsengpässe durch den Verkauf weiterer Anteile gestopft werden. Die Chinesen zogen eine Verkaufsoption und trennten sich von 26,8 Millionen Aktien für 363,4 Millionen Euro. Der Verkaufspreis lag dabei wegen der Absicherung gegen fallende Kurse zwischen 11,45 und 16,70 Euro. HNA hält damit aktuell noch 6,3 Prozent der Anteile an der Deutschen Bank.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.