Deutsche-Bank-Aktie: Freude über scheinbare Trendwende ist verfrüht

Auf den 1. Blick könnte man sich freuen: Die Quartals-Bilanz der Deutschen Bank hat die Erwartungen von Anlegern und Analysten deutlich übertroffen.

Im abgelaufenen 3. Quartal erzielte Deutschlands größtes Geldhaus unterm Strich einen Gewinn von 649 Mio. € und verdoppelte damit den Wert des Vorjahres-Zeitraums.

Analysten hatten der Deutschen Bank lediglich 281 Mio. € zugetraut. Der Gewinn vor Steuern konnte von 619 auf 933 Mio. € gesteigert werden.

Analysten hatten hier im Schnitt mit einem Rückgang auf 586 Mio. € gerechnet.

Starke Zahlen – dank Einsparungen

Der Teufel steckt allerdings, wie so oft, im Detail.

Denn das gute Ergebnis konnte nicht etwa durch besser laufende Geschäfte oder gar nachhaltige Erholung erzielt werden, sondern basiert in 1. Linie auf Einsparungen.

Zum einen wurde der Rotstift bei der Belegschaft angesetzt: Die Deutsche Bank beschäftigte im 3. Quartal etwa 4.000 Personen weniger als noch vor 1 Jahr.

Zum anderen sinken naturgemäß allmählich die immensen Kosten für die diversen Rechtsstreitigkeiten.

Die Deutsche Bank hat in den vergangenen Jahren milliardenschwere Rückstellungen für juristische Auseinandersetzung verbuchen müssen.

Prozesse, Vergleiche, Strafzahlungen für vergleichsweise kleinere Vergehen oder auch für globale Skandale wie die Verstrickungen in die Manipulation des Referenz-Zinssatzes Libor – all das hat sich tief in die Bilanzen gefressen, für 2 Verlustjahre in Folge gesorgt und den Aktienkurs in den Keller geschickt.

Verspieltes Vertrauen, schwache Geschäfte

Noch viel schlimmer aber ist, dass die Deutsche Bank ganz erheblich das Vertrauen von Anlegern und Kunden verspielt hat:

Kaum jemand zieht sie noch bei größeren Finanzdeals zurate, das Investment-Banking läuft schleppend und im ungeliebten Privatkunden-Geschäft sorgt die Integration der Postbank für weitere Kosten.

Das Niedrigzins-Umfeld tut sein Übriges, das klassische Kredit-Geschäft läuft längst nicht mehr so lukrativ wie früher.

Die Erträge der Deutschen Bank sanken dementsprechend im Vergleich zum Vorjahres-Quartal um 10% auf rund 6,8 Mrd. €.

Das Investment-Banking lief besonders schwach; hier verbucht das Geldhaus einen Rückgang um 23% auf 3,5 Mrd. €.

Deutsche-Bank-Aktie: Risikobehaftetes Investment

Die Deutsche-Bank-Aktie hat sich von ihrem Jahreshoch, das Anfang Mai bei knapp 18 € markiert wurde, inzwischen ein gutes Stück entfernt:

In den vergangenen sechs Monaten verlor das Papier 15% und war zuletzt für knapp 15 € zu haben.

Analysten sind derzeit gespalten in ihrer Bewertung des Papiers, die meisten geben sich zurückhaltend und raten lediglich, die Aktie der Deutschen Bank zu halten.

Optimisten sind in der Minderheit.

Wer dem Ganzen etwas Positives abringen will, könnte argumentieren, dass mit dem Abhaken der größten Rechtsstreitigkeiten und den schmerzhaften Verlusten der vergangenen 2 Jahre nun die Talsohle allmählich durchschritten sein dürfte und die Deutsche Bank sich zumindest mittelfristig erholen könnte.

Angesichts dessen, was an Potenzial möglich ist, scheint die Aktie derzeit recht günstig bewertet.

Andererseits haben die Erfahrungen der Vergangenheit Anleger auch gelehrt, dass in der Deutsche-Bank-Aktie immer ein gewisses Risiko steckt.

2017-11-10 Deutsche Bank

12. November 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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