Deutsche Bank: Darum steigt die Aktie trotz Gewinnsprung nicht

Die Deutsche Bank hat ihren Gewinn im 2. Quartal verdoppelt, dennoch geht die Aktie in die Knie. Ausgezahlt hat sich v. a. das Sparprogramm: (Foto: Slava2009 / shutterstock.com)

Die schlimmste Durststrecke ist offenbar überstanden:

Nach 2 verlustreichen Jahren fährt die Deutsche Bank inzwischen wieder satte Gewinne ein. Die Zahlen für das 2. Quartal übertreffen selbst die Erwartungen der Analysten.

So konnte das Vorsteuer-Ergebnis in Q2 im Vergleich zum Vorjahres-Zeitraum verdoppelt werden auf 822 Mio. €.

Unterm Strich lag das Plus bei 466 Mio. €. Im Vorjahres-Quartal waren es gerade einmal 20 Mio. € gewesen.

Dennoch sackte die Aktie der Deutschen Bank nach Bekanntgabe der Bilanz ab und verbuchte mit zwischenzeitlich 4% das größte Tages-Minus seit mehreren Wochen.

Gewinn-Steigerung durch Kosten-Reduzierung

Denn die positive Gewinn-Entwicklung geht v. a. auf massive Kosten-Einsparungen zurück.

Die Deutsche Bank setzt insbesondere im Privatkunden-Geschäft radikal den Roststift an:

Etliche Filialen werden geschlossen; insges. 9.000 Vollzeit-Stellen bis 2018 abgebaut. Etwa die Hälfte davon musste in den vergangenen 12 Monaten gehen.

Auch schlagen Kosten für Rechtsstreitigkeiten nicht mehr so heftig zu Buche wie in den beiden Vorjahren.

Seit der Brite John Cryan im Chefsessel des deutschen Banken-Primus Platz genommen hat, drückt er aufs Tempo, um die Altlasten loszuwerden.

Das hat in den vergangenen beiden Jahren zu milliardenschweren Verlusten geführt, macht aber nun den Weg frei, um sich zu erholen.

Doch so sehr sich das Sparprogramm auszahlt, so schwach läuft es im operativen Geschäft:

Durch das Niedrigzins-Umfeld fällt es Banken insgesamt schwerer, Einnahmen zu generieren.

Erschwerend kam die Ruhe an den Börsen hinzu, wodurch auch im Aktien- und Wertpapier-Handel geringere Erträge erzielt wurden.

Wichtige Sparten schwächeln

Hier die konkreten Zahlen:

  • Die Erträge im Firmenkunden-Geschäft und im Investment-Banking schrumpften um 16% auf 3,6 Mrd. €.
  • Und auch im Beratungs- und Emissions-Geschäft verbuchte die Deutsche Bank einen Rückgang um 7% auf 563 Mio. €.
  • Im Geschäft mit Anleihe- und Devisen-Märkten rutschten die Erträge um 12% ab.
  • Die Vermögens-Verwaltung erzielte Erträge, die mit 676 Mio. € um 4% schwächer ausfielen als im Vorjahres-Quartal.

Das zeigt, dass es für die Deutsche Bank noch etliche Baustellen und ungelöste Probleme gibt.

Immerhin hat man sich aber offenbar mit den Ex-Vorständen darauf verständigt, dass nicht einmal die Hälfte der noch nicht ausbezahlten variablen Vergütung fällig wird.

Die Summe konnte von 69,8 auf 31,4 Mio. € begrenzt werden. Von der Regelung betroffen sind auch Cryans Amtsvorgänger Anshu Jain, Jürgen Fitschen und Josef Ackermann.

Deutsche-Bank-Aktie am Scheideweg

Trotz der Enttäuschung der Anleger über die Details der Q2-Bilanz befindet sich die Aktie der Deutschen Bank insgesamt auf einem guten Weg:

Auf Jahressicht hat sie um gut 40% zugelegt und kostete zuletzt etwa 15 €.

Wohin die Reise in nächster Zeit gehen wird, darüber sind sich Analysten jedoch uneinig:

  • Viele sehen eher moderates Kurs-Potenzial und raten, die Aktie zu halten.
  • Manche warnen auch vor einer anstehenden Kurskorrektur angesichts der aktuellen Zahlen.
  • Nur vereinzelt gibt es Kaufempfehlungen mit Kurszielen bis 20 €.

2017-08-03 Deutsche Bank

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.