Deutsche Bank Aktie: Und täglich grüßt der nächste Skandal

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Die Deutsche Bank kommt nicht aus der Krise – und ist selbst schuld daran. Nach schweren Vorwürfen der EZB steht die Aktie unter Druck. (Foto: Vytautas Kielaitis / Shutterstock.com)

Und täglich grüßt die Deutsche Bank – aus den Negativschlagzeilen, so kommt es dem geneigten Leser des Wirtschaftsressorts zumindest vor.

Diesmal geht es um schwere Vorwürfe von Seiten der Europäischen Zentralbank, die nach mehrmonatigen Ermittlungen nun wohl ein Verfahren gegen die Deutsche Bank einleiten wird.

Unerlaubter Anleiherückkauf

Hintergrund sind Geschäfte mit speziellen Anleihen. Die sogenannten AT-1 und AT-2 Papiere sollen die Bank im Krisenfall finanziell absichern, sodass nicht unmittelbar der Steuerzahler einspringen muss, um das Geldhaus aus einer etwaigen Schieflage zu retten. Das Konzept wurde als Konsequenz aus der globalen Finanzkrise eingeführt.

Wegen der höheren Risiken werden auf die Anleihen höhere Zinszahlungen fällig. Daher haben die Banken ein Interesse daran, die Papiere zurückzukaufen und erneut auszugeben, wenn die Zinsen günstiger werden. Ein solcher Rückkauf der besagten Anleihen muss jedoch von der Bankenaufsicht abgesegnet werden – das ist seit 2014 gesetzlich vorgeschrieben.

Vorgaben der Aufsicht bewusst ignoriert?

Die Deutsche Bank hat allerdings ohne entsprechende Genehmigung eigene Anleihen zurückgekauft. Mehr noch: Als das Geldhaus nach einigen Monaten nachträglich die Erlaubnis beantragte, wurde dieses Ansinnen von Seiten der EZB abgeschmettert. Spätestens von da an wusste die Bank also genau, dass sie ihre Anleihen nicht zurückkaufen darf – und tat es offenbar dennoch, über Jahre hinweg.

Sich derartig über die Anweisungen der Aufsicht hinwegzusetzen, könnte die Deutsche Bank teuer zu stehen kommen. Dass es dabei um Vorwürfe aus der jüngeren Vergangenheit geht, wiegt umso schwerer. Denn eigentlich hatte die Deutsche Bank nach der Finanzkrise einen inneren Kulturwandel ausgerufen – doch damit scheint es nicht allzu weit her zu sein, egal ob der Vorstandsvorsitzende gerade Anshu Jain, Jürgen Fitschen, John Cryan oder Christian Sewing heißt.

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Deutsche Bank in der Dauerkrise

Der Kulturwandel, so scheint es, dient vor allem der Imagepflege nach außen, während intern alles mehr oder weniger so weiterläuft wie gehabt. Diese Diskrepanz allerdings von schönem Schein und bitterer Realität wirkt wie ein Bumerang – der Ruf des einstigen Vorzeigeinstituts ist arg ramponiert und wird immer stärker in Mitleidenschaft gezogen, je mehr Skandale bekannt werden.

Pikant ist zudem, dass es der Deutschen Bank auch personell nicht gelingt, sich von ihrem früheren Geschäftsgebaren klar zu distanzieren. Stattdessen hat sie mit Alexander von zur Mühlen ausgerechnet jenen Manager zum neuen Strategiechef ernannt, der maßgeblich mitverantwortlich war für die umstrittenen Anleiherückkäufe.

Deutsche Bank Aktie bleibt unter Druck

Anleger haben schon lange die Nase voll von der Deutschen Bank und werfen die Aktie reihenweise aus dem Depot. In den vergangenen fünf Jahren hat das Papier gut 70 Prozent an Wert verloren. Zuletzt lag der Kurs nicht einmal mehr bei 7,50 Euro.

Auch Analysten senken den Daumen: Die optimistischeren unter ihnen raten dazu, die Aktie zu halten, um sie gegebenenfalls zu einem etwas besseren Kurs später loswerden zu können. Doch die Verkaufsempfehlungen mehren sich.

Ein Ende des Debakels rund um die Deutsche Bank ist noch lange nicht in Sicht.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.