Deutsche Bank-Aktie: Wahrgewordener Alptraum eines jeden Aktionärs

Wenn Sie mal echten Horror erleben wollen, dann investieren Sie doch in Deutsche Bank-Aktien. (Foto: Vytautas Kielaitis / Shutterstock.com)

Als ich vor gut 38 Jahren mit der Nachricht nach Hause kam, einen Ausbildungsplatz bei der Deutschen Bank ergattert zu haben, sagte mein Vater zu mir: „Junge, damit hast Du einen Job fürs Leben!“

Heute bin ich seit nahezu 22 Jahren froh, nicht mehr für diesen Arbeitgeber tätig sein zu müssen. So haben sich die Zeiten geändert.

Vor allem aber bin ich glücklich über meine Entscheidung, in den vergangenen 11 Jahren die Deutsche Bank-Aktie nicht mit der berühmten „Kneifzange“ angefasst zu haben.

Vom Trauerspiel zur unendlichen Geschichte

Vor knapp einer Woche veröffentlichte das Kreditinstitut seinen endgültigen Geschäftsbericht für das abgelaufene Jahr 2017. Das seit Jahren zu beobachtende Trauerspiel entwickelt sich allmählich zu einer Art „unendlichen Geschichte“:

Am 2. Februar dieses Jahres hatte die Bank bereits einen vorläufigen Verlust von 497 Mio. Euro in Aussicht gestellt. Final wurden es nun satte 735 Mio. Euro Verlust nach Steuern, also fast +50% mehr als zunächst berechnet.

„Eine Anpassung latenter Steueransprüche in Großbritannien“ lautet die offizielle Begründung im Geschäftsbericht für diese fatale Fehleinschätzung. Da bliebe mir als Aktionär die „Spucke weg“.

Gebetsmühlenartig beschwört der Deutsche Bank-Chef John Cryan auch in der jüngsten Bilanzvorlage, „für das Jahr 2018 wieder einen Nettogewinn und eine wettbewerbsfähige Ausschüttung zu erreichen“.

Das hat schon in den Vorjahren nicht hingehauen: Der letzte Jahresüberschuss, der sich auch als solcher bezeichnen darf, liegt bereits 4 Jahre zurück: Im Geschäftsjahr 2014 wurde ein Gewinn von +1,7 Mrd. Euro ausgewiesen.

Seither mussten die Aktionäre Verluste von -6,8 Mrd. Euro (2015), -1,4 Mrd. Euro (2016) und jetzt die bereits genannten -735 Mio. Euro (2017) hinnehmen. Das Beste, was Sie dazu noch – durchaus sarkastisch – sagen könnten: Es ist immerhin eine Aufwärtstendenz erkennbar.

Rückkehr zu alten (unmoralischen) Sitten kostet 2,2 Mrd. Euro extra

Ach ja, bevor ich es vergesse: Wesentlichen Anteil an dem bilanzierten Verlust hatte die Rückkehr zur „leistungsabhängigen variablen Vergütung“ – die Deutsche Bank nennt das übrigens „Rückkehr zur normalen Vergütung“.

Sie erinnern sich vielleicht, dass dies ein großer Streitpunkt im Nachgang zur Finanzkrise war:

Als vor gut einer Dekade viele Kreditinstitute gerettet werden mussten, um das Finanzsystem nicht kollabieren zu lassen, waren die teils unglaublichen und oftmals zutiefst unmoralischen Prämienvergütungen an hochgestellte Mitarbeiter bei allen Banken ein großer Kritikpunkt.

Die Deutsche Bank lässt sich das im Jahr 2017 zusätzliche 2,2 (Vorjahr: 0,4) Mrd. Euro kosten. Nun wissen Sie auch, warum sich die Gesamtvergütung aller Mitarbeiter mal eben um +16% von 8,9 Mrd. Euro auf 10,3 Mrd. Euro erhöht hat.

Nur mit dem Unterschied, dass die weit überwiegende Mehrheit der unermüdlich ackernden Mitarbeiter und Angestellten davon nicht einen Euro-Cent mehr auf ihrer Gehaltsabrechnung gesehen hat.

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Nett, dass wenigstens der Vorstand in dieser Lage auf seine variable Vergütung verzichtet (was der Aufsichtsrat „respektiert“). Nun ja: Die 12 Herren werden es angesichts von insgesamt 29,2 Mio. Euro Festgehalt im Jahr 2017 verkraften können.

Bei 3,4 Mio. Euro Vergütung für den Chef bleiben für die restlichen 11 Herren Vorstandsmitglieder ja noch im Schnitt 2,345 Mio. Euro Jahresgehalt …

Nach so viel Bockmist in den letzten Jahren wird nun ein weiterer Teil des Tafelsilbers veräußert (oder muss veräußert werden?): Morgen geht die Deutsche Bank-Tochter und Investmentfonds-Dachgesellschaft DWS (Deutsche Gesellschaft für Wertpapiersparen) an die Börse.

Es sollen 20% bis 25% der DWS-Aktien emittiert werden, das sind 40 bis 50 Mio. Anteile. Das wären dann zwischen 1,3 und 1,65 Mrd. Euro Erlös – Anfang Februar hatte sich die Bank noch einen Zufluss von 2,0 Mrd. Euro erhofft. Tja.

Auf die Bekanntgabe der Preisspanne für die DWS-Aktienbei Börsengang am Freitag reagierte die Deutsche Bank-Aktie am Donnerstagmorgen mit einem Abschlag von -1,9%, nachdem sie gestern schon einen Tagesverlust von -5,2% einstecken musste.

Das raubt einem den Atem

Aber Verluste sind die Deutsche Bank-Aktionäre ja mittlerweile schon gewohnt!

Deutsche Bank-Aktie: Wahrgewordener Alptraum eines jeden Aktionärs

Mal ehrlich: Das raubt einem doch den Atem, oder nicht?

Seit dem Allzeithoch bei 92,06 Euro im Jahr 2007 hat die Aktie wahnwitzige -87% an Wert verloren. In der Spitze waren es im September 2016 bei 8,83 Euro schon einmal -90%.

Aber es geht auch schneller: Von dem letzten Zwischenhoch bei 17,13 Euro im Dezember 2017 ist die Notierung wie Eis in der Sonne um -32% dahin geschmolzen. Dazu reichten schon 3 Monate!

Was indes noch weit schlimmer ist: Wie Sie dem Chart entnehmen können, haben Deutsche Bank-Aktionäre langfristig gleich doppelt verloren:

Neben dem Verlust ihres Kapitaleinsatzes haben sie auch noch auf stattliche Gewinne in anderen DAX-Aktien verzichtet! Der Leitindex hat seit dem Top im Jahr 2007 in der Spitze satte +77% zugelegt.

Fazit

Der Deutsche Bank-Kurs scheint indes bereits wieder auf dem besten Wege zum Allzeittief zu sein: Die Unterstützung um 12,00 Euro (pinkfarbene Linie) ist seit heute in ernsthafter Gefahr.


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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.