Deutsche-Bank-Aktie: Wie Phoenix aus der Asche

Nanu, was ist denn da passiert? Die Aktie der Deutschen Bank – vor wenigen Monaten noch Sorgenkind Nr. 1 – schießt auf einmal durch die Decke.

Noch im September rutschte das Papier unter die wichtige Kursmarke von 10 €.

Nicht Wenige rechneten damals mit Panik-Stimmung, Ausverkauf, Verramschung der Aktie. Und tatsächlich stand die Lage ziemlich auf der Kippe.

Doch dann setzte etwas ein, was man bei der Deutschen Bank eher nicht gewohnt ist: eine Welle der Solidarität.

Die war ausgegangen von deutschen Großunternehmen, die sich öffentlich für die Deutsche Bank stark machten und ihre wichtige Rolle für den globalen Erfolg hiesiger Firmen betonten.

Hypotheken-Streit zum halben Preis beigelegt

Dieser öffentliche Zuspruch dürfte mit dazu beigetragen haben, dass die Panik-Verkäufe letztendlich doch eingedämmt wurden und die Aktie noch einmal die Kurve kriegte.

Recht gute Nachrichten sorgten kurz darauf für Erleichterung: Der Hypotheken-Streit mit den US-Behörden konnte beigelegt werden – und das günstiger als zunächst befürchtet.

14 Mrd. US-Dollar hatte das US-Justizministerium ursprünglich verlangt. Am Ende lief es auf eine Sofortstrafe von 3,1 Mrd. Dollar hinaus – plus 4,1 Mrd. zur Entlastung der Kunden.

Damit beläuft sich die fällige Gesamtsumme auf ungefähr die Hälfte dessen, was vorab veranschlagt worden war.

Zudem lassen sich die Mittel zur Kunden-Entlastung zeitlich strecken und ggf. sogar reduzieren.

Die Bilanz-Katastrophe, die womöglich zur existenziellen Belastungsprobe für die Deutsche Bank hätte werden können, ist damit noch einmal ausgeblieben.

Das sorgte für immense Erleichterung sowohl im Vorstand der Bank als auch bei den Investoren.

Zusätzlich beflügelt wurde die Deutsche-Bank-Aktie durch den Wahlsieg Donald Trumps, der ab November der gesamten Finanz-Branche zu einem Höhenflug an der Börse verhalf.

Anleger rechnen unter der neuen Regierung mit Deregulierungen für den Finanz-Sektor.

Neue Regeln in Europa befürchtet

Das Gegenteil droht indes in Europa:

Hier sollten im Januar eigentlich die sogenannten Basel-IV-Regeln in Kraft treten, welche die Risiko-Bewertungen und Kapital-Anforderungen womöglich erheblich verschärfen würden.

Wegen eines Streits zwischen Europa und den USA über die Anforderungen für die Risiko-Bewertung wurde das Abkommen bislang jedoch nicht umgesetzt.

Es schwebt somit als weiterer Unsicherheitsfaktor über der Deutschen Bank.

Zwiespältig wird zudem der BrExit beäugt:

Mit London geht der Branche ein wichtiger Standort verloren, denn – da sind sich alle einig – der Finanzplatz wird außerhalb der EU drastisch an Attraktivität und Bedeutung verlieren.

Profitieren von dieser Entwicklung kann dagegen Frankfurt, das schon heute eine bedeutende Rolle spielt. Auch die Zwillingstürme der Deutschen Bank zieren die Skyline von „Mainhattan“.

Deutsche-Bank-Aktie: trotz Rally kein Kauf

Sehen lassen kann sich derzeit, wie eingangs erwähnt, auch der Aktienkurs der Deutschen Bank:

Innerhalb der letzten 6 Monate hat das Papier um mehr als 50% zugelegt und kostete zuletzt wieder gut 19 €.

Analysten sind jedoch skeptisch und sehen auf etwa diesem Niveau auch das Ende der Fahnenstange bereits erreicht.

Viele sprachen zuletzt Verkaufs-Empfehlungen aus; immerhin locken aktuell schöne Gewinn-Mitnahmen und die Zukunft erscheint doch recht ungewiss.

Bestenfalls wird noch dazu geraten, die Aktie zu halten. Kaufempfehlungen hingegen sind Mangelware und nur sehr vereinzelt zu finden.

2017-01-27 Deutsche Bank

27. Januar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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