Deutsche Bank: Dieser Weg wird kein einfacher sein

Gelingt dem neuen Vorstandschef Christian Sewing endlich das Großreinemachen bei der Deutschen Bank? (Foto: Vytautas Kielaitis / Shutterstock.com)

Wie vermutlich in jedem Mai der letzten 11 Jahre schauen die Aktionäre der Deutschen Bank auch diesmal wieder mit großen Hoffnungen und Erwartungen nach Frankfurt: Dort hält das größte deutsche Geldhaus heute seine Jahreshauptversammlung ab.

Kann der neue Chef, Christian Sewing, das Ruder endlich herumreißen? Es wird auf jeden Fall eine Sisyphus- und Herkules-Aufgabe zugleich. Denn Sewing muss die Trümmer beseitigen, die eine schon im Jahr 1985 eingeleitete Geschäftspolitik bis ins Jahr 2008 aufgetürmt hat.

Seine Vorgänger haben in den hinter uns liegenden 10 Jahren bestenfalls kosmetische Änderungen vorgenommen, sind jedoch die wahren Probleme selten wirklich angegangen.

Insofern könnte Sewing tatsächlich endlich einen Neubeginn einleiten – doch „dieser Weg wird kein einfacher sein“, wie Xavier Naidoo im Jahr 2005 so treffend in einem seiner vielen Hits titelte.

10 Jahre Alpträume für die Aktionäre

Noch heute träumen viele Deutsche Bank-Aktionäre vom letzten Glanzjahr der Aktie: Exakt im Mai vor 12 Jahren erreichte die Notierung mit 92,06 Euro ihren historischen Höchststand.

Seither haben die Aktionäre vor allem Alpträume: Trotz mehrfacher Anläufe ist es der Aktie nicht gelungen, den damals eingeleiteten Abwärtstrend abzuschütteln. Tatsächlich notiert der DAX-Titel mit aktuell 10,60 Euro nur +20% über dem Rekordtief von 8,83 Euro und -88% unter dem Allzeithoch.

Hat der neue Vorstandschef Sewing endlich die Kraft und die Macht, das einst renommierte Geldhaus wieder flott zu bekommen?

Der Grundstein für die Internationalisierung

Um zu verstehen, wie das ehemalige Flaggschiff der deutschen Bankenlandschaft überhaupt in das in der vergangenen Dekade zunehmend aufgedeckte, teils kriminelle, mindestens jedoch unverantwortliche, Fahrwasser geraten konnte, ist ein Blick in die Historie unabdingbar.

Nach dem 2. Weltkrieg setzte die Deutsche Bank, praktisch gezwungenermaßen, auf den Wiederaufbau der Geschäfte mit inländischen Privat- und Firmenkunden. Ein Höhepunkt dieser Geschäftspolitik war die Übernahme von rund 29% des Grundkapitals der damaligen Daimler-Benz AG im Juli 1975 von der Familie Flick.

Die offizielle Begründung lautete seinerzeit, einen Ausverkauf des Autobauers ins Ausland zu verhindern. 10 Jahre später versilberte die Deutsche Bank das „Flick-Paket“ mit 1 Mrd. DM Gewinn und legte damit den Grundstein für die internationale Expansion.

Herrhausen leitete den Umbruch ein

Die begann im selben Jahr unter der Ägide von Vorstands-„Legende“ Alfred Herrhausen: Er stielte den seinerzeit aufsehenerregenden Kauf der britischen Morgan Grenfell ein – die Basis für das später eingeleitete Investmentbanking.

Herrhausen gilt als Legende, weil er nach nur 4 Jahren Vorstandstätigkeit einem feigen Bombenanschlag der damals aktiven Terrorgruppe RAF (Rote Armee Fraktion) zum Opfer fiel:

Viele Mitarbeiter und Aktionäre glauben bis heute, dass die fatale Entwicklung der Deutschen Bank mit einem Herrhausen an der Spitze so nie stattgefunden hätte – wir werden es nie erfahren.

Aufstieg und Fall

Herrhausens Vision, die Deutsche Bank zum führenden Geldhaus in Europa und vielleicht sogar in der Welt aufsteigen zu lassen, wurde von seinen Nachfolgern Hilmar Kopper, Rolf E. Breuer und Josef Ackermann mit Akribie realisiert. Oder besser gesagt: Es wurde versucht.

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Denn gelungen ist es letztlich nicht. Wie so oft in der Geschichte führte auch bei der Deutschen Bank der unstillbare Drang einzelner Personen zu überwältigender Macht zu teils kriminellen und illegalen Machenschaften.

Wohlgemerkt: Die Deutsche Bank befand sich damit in „guter“ Gesellschaft. Bank of America, JP Morgan oder Goldman Sachs sind nur einige von weiteren illustren Geldinstituten, die für die Aufdeckung eigener krimineller Geschäfte mit Strafzahlungen in Milliardenhöhe belegt wurden.

Altlastenbeseitigung

Sewing scheint nun den festen Willen zu haben, die angesammelten Altlasten endlich und ein für allemal zu „entsorgen“:

Hinter dem angekündigten Abbau von mehr als 7.000 Stellen verbirgt sich der Rückzug aus vielerlei Geschäften und früher hoch angesehenen Konzernsparten. Über allem thront die Überschrift: „Fokussierung auf die Stärken und die besten Kunden / Partner der Bank“.

In Zahlen gegossen soll das Bilanzvolumen der Unternehmens- und Investmentbank um mehr als 100 Mrd. Euro reduziert werden. Der Umbau wird die Deutsche Bank laut eigener Aussage mit „Restrukturierungs- und Abfindungskosten von bis zu 800 Mio. Euro“ belasten.

Auch ich kann Ihnen nicht sagen, ob Sewing‘s Maßnahmen letztlich Erfolg haben werden. Wie schreibt das Geldhaus selbst so treffend in seiner heute veröffentlichten Medieninformation:

„Diese Mitteilung enthält zukunftsgerichtete Aussagen. … Zukunftsgerichtete Aussagen gelten deshalb nur auf den Tag, an dem sie gemacht werden. … Zukunftsgerichtete Aussagen beinhalten naturgemäß Risiken und Unsicherheitsfaktoren. Eine Vielzahl wichtiger Faktoren kann dazu beitragen, dass die tatsächlichen Ergebnisse erheblich von zukunftsgerichteten Aussagen abweichen.“

Deutsche Bank-Aktie: Der Weg wird kein einfacher sein

Mit Gewissheit lässt sich nur eines sagen: „Der Weg für die Deutsche Bank wird kein einfacher sein.“ Das dokumentiert Ihnen auch der nachfolgende langfristige Chart:

Deutsche Bank: Der Weg wird kein einfacher sein

Um allein den seit 2008 bestehenden Abwärtstrend durchbrechen zu „können“, ist aus heutiger Sicht ein Kursanstieg von mehr als +75% vonnöten. Und dann muss die Notierung noch weiter klettern.

Der Indikator für Trend-Intensität, der Relative Stärke Index, macht im Monats-Chart noch keinerlei Anstalten, irgendein langfristiges Kaufsignal zu generieren. Dazu müsste die im Jahr 2009 etablierte Seitwärts-Bewegung „nachhaltig“ nach oben verlassen werden.

Es reicht somit völlig aus, wenn Sie vorerst weiterhin vermeiden, Aktionär der Deutsche Bank zu werden.


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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.