Deutsche Bank: Erneute Strafe und ein neuer Skandal

SAP veröffentlichte als erstes DAX-Unternehmen sehr erfreuliche Zahlen für das 1. Quartal 2015. Doch das reichte nicht, um Aktie der Woche zu werden. Die Deutsche Bank hat es wieder einmal geschafft, die meisten Schlagzeilen zu sammeln.

In dieser Woche wurde bekannt, dass die Deutsche Bank den Rekordbetrag von 2,5 Mrd. US-Dollar zahlen muss, um sich von dem Vorwurf der Zinsmanipulation freizukaufen. Dabei handelt es sich um die höchste jemals von der Deutschen Bank gezahlte Strafe und zugleich um die höchste im Zinsskandal bisher geleistete Zahlung.

Wie das New York State Department (NYDFS) am gestrigen Donnerstag mitgeteilt hat, trennt sich die Deutsche Bank im Zuge eines Vergleichs zudem von einzelnen Mitarbeitern. Daneben muss sie einen unabhängigen Wächter hinsichtlich Verstößen gegen New Yorker Bankenrecht einsetzen.

Der Vorwurf gegen die Deutsche Bank

Angestellte der Deutschen Bank hätten sich an „umfassenden Bemühungen“ beteiligt, Zinssätze zu manipulieren, um daraus Kapital zu schlagen, erklärte Benjamin Lawsky, Superintendent der NYDFS.

Nach den Erkenntnissen der Behörde hatten einige Händler der Deutschen Bank in den Jahren 2005 bis 2009 bestimmte Kollegen, welche die Meldung der Zinssätze verantworteten, aufgefordert, anstelle der tatsächlichen Zinsen Sätze zu melden, welche den Positionen der Händler entgegenkamen.

„Können wir heute bitte einen hohen 6-Monats-Libor haben“, zitiert die Behörde die Frage eines Händlers am 21. Februar 2005 sowie die Antwort des für die Meldung des Zinssatzes Verantwortlichen: „Sicher, wo hättest Du ihn gerne, Kollege?“

Es sei festgestellt worden, dass „kein gegenwärtiges oder ehemaliges Vorstandsmitglied Kenntnis über das Fehlverhalten im Handelsbereich hatte oder daran beteiligt war“, betont die Deutsche Bank.

In diesem Fall lässt sich also eine Mittäterschaft bzw. Mitwissenschaft der Vorstandsebene der Deutschen Bank nicht nachweisen. Das scheint im nächsten Skandal, der jetzt vor der Tür steht, jedoch ganz anders zu sein.

Erste Details zum neuen Skandal

Am heutigen Freitag sind nach Informationen des Spiegel heikle Dokumente zum betrügerischen Handel mit Emissionsrechten aufgetaucht. Hintergrund sind hausinterne Ermittlungen in der Deutschen Bank zur Rolle des Instituts beim Steuerbetrug im Handel mit sogenannten CO2-Zertifikaten.

Aus einem vertraulichen Papier einer mit der Untersuchung befassten Anwaltskanzlei geht hervor, dass belastende E-Mails gefunden wurden. Die Mails sollen darauf hinweisen, dass Mitglieder des Vorstands und der zweiten Führungsebene bereits 2009 von Betrugsrisiken im Handel mit CO2-Zertifikaten wussten.

Namentlich genannt werden neben Anshu Jain, dem Co-Chef, auch weitere Vorstandsmitglieder der Deutschen Bank. Damit führt erstmals bei einer der zahllosen Affären, in die die Deutsche Bank verstrickt ist, eine direkte Spur zu Jain.

Für eine Verunsicherung dürften diese Informationen vor allem auch im Aufsichtsrat der Deutschen Bank führen. Denn: Die Aufseher könnten sich haftbar machen, wenn sie Wissen über ein mögliches Fehlverhalten von Vorständen haben und diese dennoch mit der Führung der Bank betrauen.

Hintergrund: Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit 2009 gegen kriminelle Banden, die den deutschen Staat beim Handel mit Emissionsrechten (CO2-Zertifikaten) um mindestens 800 Mio. Euro betrogen haben sollen. Eine wichtige Rolle soll dabei die Deutsche Bank gespielt haben.

Fazit: Ich persönlich meide weiterhin Bankaktien

All diese Negativmeldungen aus der Bankenbranche zeigen vor allem eines: Sie als Aktionäre sollten weiterhin Bankaktien meiden – zumindest kurzfristig. Denn wo und wann der nächste „Blitzeinschlag“ erfolgt, ist völlig unkalkulierbar.

Auch wenn Bank-Aktien zum Teil sehr günstig bewertet zu sein scheinen, sind die Risiken aus meiner Sicht nach wie vor zu groß, als dass sich ein Einstieg anbieten würde.

24. April 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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