Deutsche Bank: Es droht neuer Ärger

Nachdem die Deutsche Bank vor wenigen Tagen katastrophale Zahlen für das Geschäftsjahr 2015 vorgelegt hat (unter anderem mit dem größten Verlust der Unternehmensgeschichte), droht jetzt neuer Ärger.

Denn: Die schrumpfende Kapitaldecke der Deutschen Bank bereitet nicht nur Aktionären der Deutschen Bank Sorgen (droht sogar eine weitere Kapitalerhöhung?), sondern auch Anlegern, die demnächst gezwungenermaßen Aktionäre der Deutschen Bank werden könnten.

Wie das geht? Ganz einfach: Die Besitzer von bestimmten Anleihen, sogenannten Contingent Convertible Bonds (kurz: Coco-Bonds), könnten bald unfreiwillig zu Deutsche-Bank-Aktionären werden, sobald die Kernkapitalquote der Deutschen Bank einen kritischen Wert unterschreitet.

Details zu den Coco-Bonds der Deutschen Bank

Bei „herkömmlichen“ Wandelanleihen haben Investoren die Wahl, ob sie die Zinspapiere in Aktien umwandeln wollen oder nicht. Bei den sogenannten Coco-Bonds der Deutschen Bank (also einer Sonderform von Wandelanleihen) haben die Investoren hingegen nicht die Wahl, ob sie Zinspapiere oder Aktien wollen.

Sie werden sich jetzt vielleicht fragen, warum es so komplizierte Anleihen gibt. Der Grundgedanke der Coco-Bonds ist nicht schlecht: Banken leihen sich Geld (Fremdkapital) und bieten dafür überdurchschnittlich hohe Zinsen.

Kommt es zu einer Banken-Krise und die Reserven der Bank schmelzen, werden diese speziellen Anleihen in Aktien umgewandelt. So wird über Nacht aus Fremdkapital plötzlich Eigenkapital. Das stärkt die Bilanz der Bank.

Hier ist es so, dass der Wandelanleihen-Besitzer automatisch zum Aktionär wird, sobald die Kernkapitalquote der Deutschen Bank unter eine kritische Marke fällt. Und wer ist derzeit schon gerne Aktionär der Deutschen Bank?

Die Aktie verlor allein seit Jahresbeginn rund 33% an Wert. Seit Mai 2007 – also seit Ausbruch der Finanzkrise – verlor die Deutsche-Bank-Aktie sogar knapp 85% an Wert. Und jetzt droht auch noch der Rausschmiss aus dem Stoxx50-Index, dem Index, der die 50 größten börsennotierten Unternehmen Europas umfasst.

Verzweifelte Suche nach Rendite könnte sich rächen

Den entscheidenden Nachteil der Coco-Bonds gegenüber herkömmlichen Wandelanleihen kennen Sie jetzt. Und vielleicht stellt sich Ihnen die Frage, warum Anleger überhaupt diese Coco-Bonds der Deutschen Bank gekauft haben, wenn sie bei diesen Papieren doch auf ihr Wahlrecht verzichten mussten.

Die Antwort: Die verzweifelte Suche nach Rendite in der aktuellen Null-Zins-Phase trieb die Investoren in derartige Papiere. Und genau das könnte sich jetzt rächen. Das Angebot war für viele Anleger zu verlockend: Die Anleihen boten Zins-Kupons von 6% und mehr. Traum-Renditen in diesen Zeiten. Doch aus dem Traum könnte für die Anleger schnell ein Albtraum werden.

Da in der Euro-Zone jüngst auch zahlreiche andere Banken für Negativ-Schlagzeilen sorgten, gehe ich davon aus, dass die Deutsche Bank beileibe nicht das einzige Institut bleiben wird, das bei den Coco-Investoren für gesteigerte Nervosität sorgen wird.

Vorsicht bei hohen Zins-Versprechen

Meine Einschätzung bleibt unverändert: Seien Sie vorsichtig, wenn Ihnen überraschend hohe Zinsen angeboten werden. Wer aktuell 5% oder mehr bietet, muss dafür gute Gründe haben. Entweder ist das Geschäftsmodell so riskant, dass der hohe Zins-Kupon nur ein kleiner Risiko-Ausgleich ist, oder es gibt Sonderbedingungen, die das Investment am Ende unattraktiv machen.

Im Fall der Coco-Bonds könnte es passieren, dass Anleger Bank-Aktien eingebucht bekommen, obwohl ursprünglich nur ein Zins-Investment mit einer attraktiven Rendite gesucht wurde. Daher mein Rat: Seien Sie misstrauisch, sobald Ihnen jemand Zins-Renditen über dem Marktdurchschnitt anbietet!

5. Februar 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Rolf Morrien. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt