Deutsche Bank-Hauptversammlung: Es wird mal wie-der spannend!

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Die Deutsche Bank-Aktie kommt nicht zur Ruhe, geschweige denn zu einer Trend-Umkehr. (Foto: Slava2009 / shutterstock.com)

Am kommenden Donnerstag, den 23. Mai 2019, ist es wieder soweit: Die Deutsche Bank lädt seine Anteilseigner zur jährlichen Hauptversammlung nach Frankfurt ein.

Auch in diesem Jahr haben die Aktionäre wieder reichlich Informationsbedarf: So dürfte eine Antwort auf die Frage erwartet werden, ob die Deutsche Bank auch im laufenden Geschäftsjahr wieder einen Gewinn erwirtschaften kann.

Zur Erinnerung: 2018 wurden erstmals seit 4 Jahren keine roten Zahlen geschrieben.

Stoff zu Diskussionen lieferte überdies gestern die Zeitung New York Times mit einem brisanten Artikel. Thema: Geldwäsche im Zusammenhang mit pikanten Beteiligten.

Last not least werden die Aktionäre die Frage stellen, wann sie mit ihren Anteilen denn endlich einmal wieder selbst Kursgewinne einfahren können: Mit 6,62 Euro notierte die Deutsche Bank-Aktie am Vormittag 6 Euro-Cent unter dem bisherigen Allzeittief vom Dezember 2018.

Ich warne an dieser Stelle schon seit Jahren vor Investments in diesem DAX-Wert. Zu recht, wie die aktuelle Notierung belegt. Und mein Urteil heute fällt einmal mehr nicht zuversichtlich aus.

Neue Vorwürfe

Der Artikel in der New York Times zitiert unter anderem Aussagen einer ehemaligen Geldwäsche-Spezialistin der Deutschen Bank, Tammy McFadden.

McFadden und ihre Kollegen sollen in den Jahren 2016 und 2017 der Führungsriege des deutschen Bankhauses nahegelegt haben, verdächtige Finanztransaktionen den US-Behörden zu melden. Brisant sind die Namen der daran Beteiligten:

In dem Artikel werden nämlich, neben anderen, keine geringeren als US-Präsident Donald Trump und sein Schwiegersohn Jared Kushner genannt: Ihren Unternehmen wurden von der Deutschen Bank seinerzeit Milliardenkredite gewährt.

Die Empfehlung der Geldwäsche-Spezialisten wurde indes nie an die US-Finanzaufsicht gemeldet. Tammy McFadden wird dazu mit den Worten zitiert:

„Man präsentiert Ihnen alles, gibt Ihnen eine Empfehlung und nichts passiert. Es ist der D.B.-Weg. Sie neigen dazu, alles abzuwerten.“

Um welche Transaktionen es sich im Detail handelt, darüber gibt der Artikel keine Auskunft.

Seit vielen Jahren ist die Deutsche Bank in illegale Machenschaften verstrickt. Viele davon wurden inzwischen aufgedeckt und bestraft. Nun scheint sich ein weiterer Punkt hinzuzugesellen.

Rückblick auf meine Analyse vor 1 Jahr

Es ist fast auf den Tag genau 1 Jahr her, dass ich die Deutsche Bank-Aktie hier in Chartanalyse-Trends für Sie analysiert habe. So lauteten am 24. Mai 2018 einige meiner Aussagen in dem Beitrag „Deutsche Bank: Dieser Weg wird kein einfacher sein“:

„Noch heute träumen viele Deutsche Bank-Aktionäre vom letzten Glanzjahr der Aktie: Exakt im Mai vor 12 Jahren erreichte die Notierung mit 92,06 Euro ihren historischen Höchststand.

Seither haben die Aktionäre vor allem Alpträume: Trotz mehrfacher Anläufe ist es der Aktie nicht gelungen, den damals eingeleiteten Abwärtstrend abzuschütteln. Tatsächlich notiert der DAX-Titel mit aktuell 10,60 Euro nur +20% über dem Rekordtief von 8,83 Euro und -88% unter dem Allzeithoch.

Der Indikator für Trend-Intensität, der Relative Stärke Index, macht im Monats-Chart noch keinerlei Anstalten, irgendein langfristiges Kaufsignal zu generieren. Dazu müsste die im Jahr 2009 etablierte Seitwärts-Bewegung „nachhaltig“ nach oben verlassen werden.

Es reicht somit völlig aus, wenn Sie vorerst weiterhin vermeiden, Aktionär der Deutsche Bank zu werden.“

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Banken-Branche unter Druck: 40 Mrd. € Strafen im Jahr 2016Die Banken-Branche musste allein im Jahr 2016 insgesamt 40 Mrd. € an Strafen zahlen. Ich rate Ihnen weiterhin, Bank-Aktien zu meiden. › mehr lesen

Sie sehen es selbst: Allein in den vergangenen 12 Monaten hätte Ihnen meine Empfehlung Verluste in der Deutsche Bank-Aktie von fast -38% erspart.

RSI: Kein Kaufsignal in Sicht

Und wissen Sie was? Es ist auch heute charttechnisch nicht besser um die DAX-Aktie bestellt: Das soeben markierte neue Tief bestätigt schließlich nur erneut den seit 2008 bestehenden Abwärtstrend.

Aber schauen wir gemeinsam noch auf 2 Charts, die ich für Sie vorbereitet habe. Beginnen wir mit einem bis 1996 zurückreichenden Monats-Chart:

Deutsche Bank: Kein Ende der Seitwärts-Bewegung in Sicht

Die in meiner Analyse vor Jahresfrist beschriebene Seitwärts-Bewegung im Relative-Stärke-Index hält an (blaues Rechteck). Tatsächlich bewegt sich der Trend-Intensität-Indikator am unteren Ende der Spanne.

Von einem Ausbruch nach oben ist der RSI also noch weit entfernt. Ein Fall unter die 30%-Marke wäre da derzeit schon eher wahrscheinlich.

Großinvestoren fliehen aus der Aktie

Das wird noch deutlicher, wenn Sie die folgende Grafik anschauen. Diesmal habe ich Ihnen das On-Balance-Volumen (OBV) eingeblendet und das rückwirkend bis zu dem Allzeithoch aus dem Jahr 2008.

Dieser Indikator verknüpft die börsentäglichen Schlusskursänderungen mit den dazugehörigen Umsätzen und erlaubt Ihnen so, das Verhalten der Großinvestoren zu beobachten.

Deutsche Bank: Großinvestoren fliehen aus der Aktie

Wie Sie sehen, tendiert das OBV seither ausschließlich abwärts. Noch schlimmer:

Seit 2017 hat sich der Abwärtstrend noch einmal beschleunigt. Und soeben wurde ein neuer Tiefstand im Großinvestoren-Indikator markiert.

Fazit

Seit vielen Jahren warne ich Sie nun hier in Chartanalyse-Trends, zwar in unregelmäßigen Zeitabständen, dafür jedoch kontinuierlich, vor einem Investment in der Deutsche Bank-Aktie.

Und das völlig zu recht! Das zeigt Ihnen auch meine heutige Analyse. Der Negativ-Trend des DAX-Mitglieds wird auch künftig anhalten.

Dazu trägt wohl auch der gestern in der New York Times veröffentlichte Artikel zum Thema Geldwäsche bei, in die die Bank verwickelt zu sein scheint. Es mutet schon unglaublich an, wenn die darin genannten Vermutungen zutreffen sollten:

Schließlich gab es in den vergangenen Jahren zahllose Ermahnungen von Aufsichtsbehörden sowie Aussagen des Deutsche Bank-Vorstands, illegale Machenschaften nicht nur rigoros intern aufdecken, sondern auch verhindern zu wollen.

Ich bin schon sehr gespannt, wie sich die Führungsetage bei der Hauptversammlung am Donnerstag zu diesem Thema (und vielen anderen) äußern wird.


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.