Deutsche Bank in der Dauerkrise: Was Experten jetzt sagen

Die Deutsche Bank kommt nicht aus den Schlagzeilen – Stellen-Abbau, Strafzahlung, Kapital-Erhöhung lauten die Stichworte, zu denen derzeit täglich neue Meldungen erscheinen.

Bei der Reduzierung von Arbeitsplätzen hat sich die Führungs-Etage inzwischen mit dem Betriebsrat verständigt.

Demnach sollen zusätzlich zu den bereits vor einigen Monaten bekanntgegebenen 3.000 Stellen weitere 1.000 Arbeitsplätze in Deutschland entfallen; weltweit werden 9.000 Mitarbeiter die Bank verlassen müssen.

14-Mrd.-Dollar-Strafe noch nicht vom Tisch

Doch damit nicht genug. Die US-Behörden haben das Frankfurter Geldhaus kürzlich zu einer Strafzahlung in Höhe von 14 Mrd. Dollar verdonnert.

Nun ist es in der Branche üblich, dass da noch einmal nachverhandelt wird und die Summe, die letztendlich gezahlt werden muss, in aller Regel deutlich geringer ausfällt als die zunächst veröffentlichte Forderung.

Agentur-Meldungen, wonach man sich auf ein Bußgeld von 5,4 Mrd. Dollar verständigt habe, hatten zuletzt dazu beigetragen, den Sturzflug der Aktie etwas abzufedern.

Doch inzwischen scheint das etwas voreilig gewesen zu sein, offenbar ist doch noch nichts entschieden, was die tatsächlichen Forderungen angeht.

Stattdessen pokert John Cryan, Chef der Deutschen Bank, mit Vertretern der US-Behörden. Cryans Ass im Ärmel: Die System-Relevanz der Deutschen Bank.

System-Relevanz als wichtigstes Argument

Das Geldhaus ist weltweit in teils komplizierte Finanz-Geschäfte verstrickt, auch zahlreiche US-Banken haben Milliarden-Geschäfte mit der Deutschen Bank laufen.

Kollabiert die Deutsche Bank, droht eine globale Systemkrise, die auch die US-Banken empfindlich treffen dürfte.

Dieser Umstand führt zu dem Schluss, dass die USA den Frankfurtern zwar einen spürbaren Denkzettel verpassen wollen, gleichzeitig aber aus purem Eigeninteresse wohl eher nicht riskieren wollen, dass ihre Forderung die Kapazitäten der Bank allzu immens überschreitet.

In konkreten Zahlen heißt das: Bei 4 Mrd. Dollar ist Schluss. So haben es Experten von JP Morgan kürzlich ausgerechnet. Jeder darüber hinausgehende Betrag wäre demnach kritisch.

Zwar hat die Deutsche Bank Mittel und Wege, sich Geld zu beschaffen. Dies allerdings würde ihre eigene Position schwächen und vermutlich zu einer höheren Strafzahlung führen, Benefit gleich null.

Deutsche Bank Aktie erreicht Tiefstmarken

Längst ist die Krise der Deutschen Bank auch zu einer Krise ihrer Anleger geworden:

Die Aktie fiel vor wenigen Tagen auf ein historisches Tief und wurde erstmals für weniger als 10 € gehandelt. An der Börse ist die Deutsche Bank derzeit nur noch etwa 1/4 ihres Buchwerts wert.

Eine Kapital-Rrhöhung würde zudem die bestehenden Anteilsscheine zusätzlich verwässern. Dennoch haben die Anleger Cryan die Möglichkeit eingeräumt, die Anzahl der Aktien um 50% zu erhöhen.

Einbringen könnte das Schätzungen zufolge etwa 5,6 Mrd. € – die im schlimmsten Fall gleich an die US-Behörden weitergereicht werden müssten.

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8. Oktober 2016

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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