Deutsche Bank: Jain und Fitschen treten ab

Der Dax befindet sich weiterhin auf Talfahrt. Auch zum Wochenausklang hin verzeichnete das Barometer herbe Verluste. Bereits am Donnerstag ging es nach wechselnden Vorzeichen am Ende abwärts. Am Freitag ging es schließlich noch tiefer in den Keller.

Unterm Strich sackte der Dax am Freitag um 1,3 Prozent ab auf 11.197 Zähler – auf Wochensicht entspricht das einem Verlust von 1,9 Prozent.

Griechenland-Poker drückt Dax ins Minus

Auslöser der Massenverkäufe war einmal mehr der Poker um Griechenland. Die Regierung in Athen um Alexis Tsipras und die Gläubiger von IWF, EZB und EU werden sich nicht einig mit Blick auf die Reformmaßnahmen, die als notwendig erachtet werden.

Nun wurde das Problem einmal mehr ergebnislos vertagt, die Fronten bleiben verhärtet, eine nachhaltige Lösung scheint nicht in Sicht. Zwar gewährte der IWF der griechischen Regierung eine Fristverlängerung: Die eigentlich am vergangenen Freitag fällige Tranche muss nun erst zum Monatsende beglichen werden, gemeinsam mit dem im Juni insgesamt fälligen Betrag von 1,6 Milliarden Euro.

Doch woher Tsipras und Co. das Geld nehmen sollen, steht weiterhin in den Sternen. Ewig werden sich die Geldgeber nicht vertrösten lassen, doch die Lösungsansätze scheinen sich diametral zu widersprechen.

Fundamentale Widersprüche

Hier zeigt sich der fundamentale Unterschied zu den Vorgängerregierungen: Tsipras war mit seinem Linksbündnis angetreten, um den verhassten Spar- und Reformkurs seiner Vorgänger aufzukündigen und in den europäischen Verhandlungen andere Saiten aufzuziehen. Gerade dafür wurde er umjubelt und letztlich auch gewählt.

Doch die Geldgeber ihrerseits denken gar nicht an einen Kurswechsel. Sie beharren auf den bisherigen Prinzipien, nicht zuletzt um gegenüber anderen verschuldeten Staaten das Gesicht zu wahren.

Spanien oder Portugal etwa wurden ebenfalls harte Einschnitte abverlangt, ein allzu großes Entgegenkommen zugunsten der Griechen könnte hier Begehrlichkeiten wecken, so die Befürchtungen in Brüssel und Berlin. Das Thema dürfte die Märkte also wohl noch eine Weile beschäftigen.

Energiekonzerne unterliegen am EuGH

Von Seiten der Unternehmen ist es unterdessen ruhiger geworden, Hauptversammlungen und Quartalsberichte sind weitgehend abgehakt.

Für Aufsehen sorgte am Donnerstag eine Niederlage der AKW-Betreiber Eon, RWE und EnBW vor dem Europäischen Gerichtshof. Die Energiekonzerne hatten gegen die deutsche Brennelementesteuer geklagt und auf eine Rückzahlung von knapp 5 Milliarden Euro gehofft. Der EuGH stellte jedoch klar, dass ein solcher Anspruch nicht bestehe, da die Steuer weder gegen EU-Recht verstoße noch staatliche Beihilfe darstelle.

Alle Dax-Werte mit Verlusten

Die Aktien der Konzerne rauschten daraufhin am Donnerstag in die Tiefe und landeten auch am Freitag in der unteren Dax-Hälfte. Eon-Papiere verbilligten sich zum Wochenende noch einmal um 1,2 Prozent, Anteilsscheine des Konkurrenten RWE um 1,8 Prozent.

Damit waren sie jedoch in guter Gesellschaft, denn sämtliche Dax-Titel schlossen im Minus. Relativ glimpflich kamen die Versicherer davon: Spitzenreiter Allianz verlor lediglich 0,4 Prozent, gefolgt von der Münchener Rück mit minus 0,5 Prozent.

Die rote Laterne ging an Beiersdorf mit einem Tagesverlust von 2,3 Prozent. Auch die Commerzbank wurde abgestraft, ihre Aktie verbilligte sich um 2,1 Prozent.

Deutsche Bank: Jain und Fitschen treten ab

Für Schlagzeilen sorgte am Wochenende die Deutsche Bank. Der Vorstand zieht die Reißleine, Anshu Jain und Jürgen Fitschen treten als Co-Chefs des Geldinstituts ab. Jain wird bereits Ende des Monats die Segel streichen, Fitschen seinen Posten im kommenden Jahr niederlegen.

Damit reagieren die umstrittenen Banker auf monatelange Kritik an ihrem Führungsstil. Sie hatten es nicht geschafft, den einst groß angekündigten „Kulturwandel“ in der Deutschen Bank glaubhaft umzusetzen, stattdessen gerieten sie selbst immer stärker ins Visier juristischer Ermittlungen.

Weder der Strategiewechsel, sich nun von der Postbank zu trennen, noch ein allmähliches Abarbeiten der über 6.000 Rechtsstreitigkeiten, in die die Deutsche Bank global verwickelt ist, konnten Anleger und Aktionäre milde stimmen. Bei der Hauptversammlung vor wenigen Wochen machten sie ihrem Ärger Luft.

Führungskrise beendet – oder nur verschoben?

Der Abgang des Führungsduos wurde am Wochenende unterdessen mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis genommen. Einerseits begrüßen viele ein Ende mit Schrecken anstelle des Schreckens ohne Ende.

Doch andererseits wird mit dem designierten Nachfolger John Cryan, der zunächst gemeinsam mit Fitschen die Geschäfte führen und anschließend alleiniger Chef der Deutschen Bank werden soll, erneut ein Investmentbanker angelsächsischer Prägung das Ruder übernehmen. Ob es mit Cryan zum erhofften Kulturwandel kommt, scheint daher zumindest fraglich.

8. Juni 2015

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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