Deutsche Bank Horror: Warum jetzt Rekordverluste anfallen

Die Deutsche Bank kommt nicht zur Ruhe und schockt die Aktionäre erneut mit einem Rekordverlust. (Foto: Martin Good / Shutterstock.com)

Die Deutsche Bank schockte gestern Abend ihre Aktionäre mit der Ankündigung eines Rekordverlustes. Die Deutsche-Bank-Aktie begab sich durch diese Ankündigung gestern im nachbörslichen Handel deutlich auf Talfahrt und verlor rund 6%. Im heutigen Handel verkraftete die Aktie die Schock-Nachricht vom gestrigen Tage jedoch deutlich besser.

Grund für den Rekordverlust auf Quartalsbasis sind gigantische Abschreibungen. Das Ergebnis soll sich demnach im 3. Quartal nach Steuern auf Minus 6,2 Mrd. Euro belaufen. Selbst auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im Jahr 2008 musste die Deutsche Bank nie einen solchen Quartalsverlust verbuchen.

Auch die Aktionäre werden diesen Umstand schmerzlich zu spüren bekommen. Denn der Konzern kündigte zugleich an, dass die Dividende für das laufende Geschäftsjahr mindestens gekürzt und vielleicht sogar komplett gestrichen wird.

Neuer Co-Chef John Cryan räumt auf

Mit den gigantischen Abschreibungen, die zu dem Rekordverlust der Deutschen Bank geführt haben, bereitet der neue Co-Chef des Instituts, John Cryan, die Neuausrichtung des Unternehmens vor. Ende des Monats will Cryan konkrete Pläne zur Neuausrichtung der Deutschen Bank vorstellen.

Jetzt im Detail zu den Abschreibungen: Allein auf den Geschäfts- und Firmenwert im Privatkundengeschäft sowie im Investmentbanking schreibt die Deutsche Bank 5,8 Mrd. Euro ab. Diese Bereiche will Cryan besonders stark umbauen und hier soll besonders gespart werden.

Die Abschreibungen im Rahmen des Privatkundengeschäfts umfassen auch eine deutliche Reduzierung des bilanziellen Wertes der Deutsche-Bank-Tochter Postbank. Daneben schreibt das Institut 600 Mio. Euro auf die knapp 20%-ige Beteiligung an der chinesischen Bank Hua Xia ab. Diese Beteiligung soll nun genau wie die Postbank veräußert werden.

Neben den Abschreibungen belasten auch Rückstellungen

Das Ergebnis der Deutschen Bank wird aber nicht nur von riesigen Abschreibungen belastet, sondern erneut von Rückstellungen für die zahlreichen Rechtsstreitigkeiten, in die der Konzern verwickelt ist.

Die Rückstellungen werden sich auf rund 1,2 Mrd. Euro belaufen. Allerdings könnte sich diese Zahl noch erhöhen, bis die Bank ihre Bücher endgültig für das abgelaufene Quartal schließt. Die endgültigen Zahlen für das 3. Quartal 2015 will die Deutsche Bank am 29. Oktober vorlegen.

Gespanntes Warten auf die neue Strategie

Die bereits erwähnte Neuausrichtung der Deutschen Bank, die Co-Chef Cryan Ende des Monats vorstellen will, wird bereits mit Spannung erwartet. Erwartet werden harte Einschnitte, da die Deutsche Bank im internationalen Wettbewerb zuletzt erheblich an Boden verlor.

Der Brite Cryan hat bereits angekündigt, dass das Institut die „inakzeptabel“ hohen Kosten radikal senken muss. Unter anderem könnte die Zahl der Angestellten deutlich reduziert werden. In Finanzkreisen war zuletzt die Rede davon, dass die Zahl der Beschäftigten um rund ein Viertel gekürzt werden soll.

Die Erwartungen an Cryan jedenfalls sind unterm Strich riesig. Wenn seine Pläne bei den Anlegern gut ankommen – und: noch wichtiger – die Deutsche Bank unter der Führung von Cryan endlich den operativen Turnaround schafft, könnte sich auch bald der Kurs der Deutsche-Bank-Aktie nachhaltig erholen.

Wenn Sie sich für die Aktie der Deutschen Bank interessieren sollten, rate ich Ihnen jedoch, zumindest die Präsentation der konkreten Neuausrichtungspläne abzuwarten und diese in Ihre Entscheidung mit einfließen zu lassen.

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Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.