Deutsche Bank mit neuen Problemen

Zum Wochenauftakt hat der Dax eine Verschnaufpause eingelegt und nur minimal höher geschlossen. Unter Druck geriet die Deutsche Bank. (Foto: Vyautas Kielaitis/ shutterstock.com)

Zum Wochenauftakt hat sich der Dax eine Verschnaufpause gegönnt und verharrte auf dem Schlussniveau vom Freitag. Ein minimales Plus von sieben Punkten hievte den Leitindex aber über die nächste Schwelle, sodass unterm Strich ein Schlusswert von 10.801 Zählern stand.

Warten auf die Fed

Die Umsätze blieben insgesamt niedrig angesichts der am Dienstag und Mittwoch anstehenden Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank. Mit Spannung wird die Pressekonferenz am Mittwoch erwartet, von der sich Anleger Hinweise auf den Zeitpunkt der geplanten Zinswende erhoffen.

Ursprünglich hatte die Federal Reserve die erste Zinsanhebung seit Ausbruch der Finanzkrise noch im laufenden Jahr geplant, doch mittlerweile mehren sich die Stimmen, die davon ausgehen, dass der Schritt erst im Frühjahr 2016 erfolgen könnte.

Genauere Hinweise gibt es bislang aber nicht, sodass die Spannung von Monat zu Monat steigt, nun endlich konkrete Anhaltspunkte für den Zeitplan der Notenbanker um Janet Yellen zu erhaschen.

RWE erobert Dax-Spitze

Bei den Einzelwerten in Frankfurt eroberte RWE die Spitzenposition und legte um 1,5 Prozent zu. Der Konzern hatte sich, gemeinsam mit Konkurrenten, am Wochenende mit dem Bundeswirtschaftsministerium auf einen Plan für den schrittweisen Rückbau der Kohlekraftwerke verständigt und erhält dafür rund 230 Millionen Euro pro Jahr. Anleger reagierten erleichtert, hatten gerade die Kompensationszahlen zuletzt doch auf der Kippe gestanden.

Konkurrent Eon verbuchte eine Nullrunde und landete damit im Dax-Mittelfeld. Auf den oberen Rängen fanden sich neben RWE auch Vonovia, Lufthansa und Fresenius wieder, deren Aktien um 1,2 bis 1,4 Prozent vorrückten.

Das bedeutet das Bail-In-Gesetz in der BankenkriseDie Liquiditätspolitik der Notenbanken hat die Probleme nur vorübergehend unter den Teppich gekehrt. Die eigentliche Bankenkrise ist weiterhin ungelöst. › mehr lesen

Neue Vorwürfe gegen die Deutsche Bank

Zu den schwächsten Werten zählten die Papiere der Deutschen Bank, die um 1,4 Prozent nachgaben. Hintergrund waren Medienberichte, wonach im Hinblick auf die umstrittenen Russland-Geschäfte Ermittlungen der US-Behörden drohen.

Demnach soll es nicht mehr „nur“ um Geldwäschevorwürfe gehen, sondern es steht der Verdacht im Raum, Deutschlands größtes Geldinstitut könnte die wegen des Ukraine-Konflikts verhängten Sanktionen gegen Russland verletzt haben – sollte sich dies tatsächlich herausstellen, könnte es einmal mehr richtig teuer werden für die Deutsche Bank.

Auch die Commerzbank rutschte ins Minus, ihre Aktie verbilligte sich um 0,5 Prozentpunkte. Ans untere Dax-Ende rutschten zudem ThyssenKrupp und Schlusslicht Continental, deren Kurse um jeweils rund 1,5 Prozent nachgaben.

Volkswagen nicht mehr Nummer eins

Auch die Autokonzerne verzeichneten Abschläge. BMW und Daimler büßten jeweils 0,4 Prozent an Wert ein, die Volkswagen-Vorzugsaktie rutschte um 0,7 Prozent ab. Die Wolfsburger sind nach dem Abgasskandal nun nicht mehr Weltmarktführer.

Der japanische Konkurrent Toyota verkaufte mit Blick auf die ersten neun Monate des laufenden Jahres weltweit mehr Fahrzeuge. Im ersten Halbjahr 2015 hatte VW die Japaner erstmals vom Thron gestoßen.

Doch damit dürfte es nun erst einmal vorbei sein, in Wolfsburg stehen die Zeichen weiterhin auf Schadensbegrenzung. So soll nun möglicherweise den Besitzern einiger Fahrzeugtypen das Angebot gemacht werden, die Autos in Zahlung zu nehmen gegen die Anschaffung eines Neuwagens – allein schon, um die Werkstätten vor den immensen Überlastungen zu bewahren, die mit der Motorumrüstung wohl ohnehin anstehen.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.