Deutsche Bank: Bald Pleite mit Lehman 2.0 Szenario?

Vieles ist in den letzten Jahren schiefgelaufen bei der Deutschen Bank. Doch wie schlimm steht es wirklich um Deutschlands größtes Geldhaus? Steht womöglich sogar ein Bankrott à la Lehman Brothers bevor?

Es gibt zumindest Parallelen. Betrachtet man im Nachhinein die wenigen Vorboten, die sich in den Monaten vor der Lehman-Pleite ereignet haben, kann man schon stutzig werden.

Nach der Herabstufung ging alles ganz schnell

Am offensichtlichsten war die Herabstufung durch die Ratingagentur Fitch, die Lehman Brothers am 9. Juni 2008 ein AA- mit negativem Ausblick verpasste. Danach ging alles ganz schnell, nur drei Monate später fuhr Lehman mit Karacho gegen die Wand. Die Folgen sind bekannt.

Auf den Tag genau sieben Jahre später stuft nun Standard & Poor’s am 9. Juni die Deutsche Bank herunter. Das neue Rating lautet BBB+ – das ist sogar noch schlechter als Lehman seinerzeit bewertet wurde.

Lange Kette von Fehlentwicklungen

Blickt man auf die Fehlentwicklungen der vergangenen Jahre, so wird schnell deutlich, dass die Deutsche Bank erhebliche Risiken einging, um in den angelsächsisch dominierten Markt der international agierenden Investmentbanken aufzusteigen.

Sie schreckte auch vor schmutzigen Geschäften nicht zurück und beteiligte sich rege an der Libor-Manipulation, für die sie eine Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar zu zahlen hatte. Darüber hinaus ist die Deutsche Bank weltweit in mehr als 6.000 Rechtsstreitigkeiten verwickelt und musste hierfür in den vergangenen Jahren immens hohe Summen zurückstellen.

Diverse „Stresstests“ bestand die Bank ebenfalls nicht und musste daraufhin ihre Kernkapitalquote zwangsweise steigern.

Vorbelastete Doppelspitze

Die Doppelspitze, bestehend aus Anshu Jain und Jürgen Fitschen, sollte das Chaos aufräumen, das Josef Ackermann hinterlassen hatte. Kurz nach ihrem Antritt riefen die beiden einen „Kulturwandel“ aus, an dessen Umsetzung sie sich fortan messen lassen mussten. Sie hatten sich damit wahrlich keinen Gefallen getan.

Denn beide stecken zu tief drin, gehörten sie doch auch in der Ära Ackermann schon zu den Strippenziehern in entscheidenden Führungspositionen der Bank. Beide sind persönlich zu vorbelastet. Ein Kulturwandel wurde zudem nicht ersichtlich, stattdessen wurde im Frühjahr beschlossen, die Investmentsparte erneut zu stärken – und dies zu Lasten des Privatkundengeschäfts, das deutlich eingedampft werden soll.

Das alles kam nicht gut an, weder in der deutschen Öffentlichkeit, noch in der Politik, noch bei den Aktionären. Die Hauptversammlung wurde für Jain und Fitschen zum Spießroutenlauf.

Rücktritt wirkt überstürzt

Formal war Jain noch im Mai gestärkt worden, man hatte ihm weitere Kompetenzen übertragen – doch Anfang Juni erklärten die beiden Co-Chefs ihren Rückzug. Jain wird demnach schon Ende Juni seinen Chefsessel abgeben, Fitschen nach einer Übergangsphase im kommenden Jahr abtreten.

Die Rücktrittserklärungen kamen einerseits nicht wirklich überraschend angesichts der monatelangen harschen Kritik, der sich die Doppelspitze von allen Seiten ausgesetzt sah.

Andererseits wirkte der Schritt hastig und überstürzt. Sind Jain und Fitschen am Ende nur Bauernopfer, um die Öffentlichkeit zu beruhigen? Oder verlassen die beiden umgekehrt das sinkende Schiff, bevor es zu spät ist?

Unkalkulierbares Grexit-Risiko

Die Kommunikation des Führungswechsels, so kurz nach der Hauptversammlung und einem demonstrativen Machtzuwachs, lässt aufhorchen und macht so manchen Beobachter nervös. Und es kommt noch ein weiterer Risikofaktor hinzu: Griechenland.

Ein Austritt des hochverschuldeten Landes aus der Euro-Zone scheint dieser Tage so wahrscheinlich wie schon lange nicht mehr. Bisher galt die Devise, dass IWF, EZB und EU schon dafür sorgen würden, dass den Griechen die Staatspleite erspart bleibt.

Doch nun sind die Verhandlungen so festgefahren, dass sie vorläufig ergebnislos abgebrochen wurden – während die verbleibende Zeit immer knapper wird. Eine Griechenland-Pleite würde für die Deutsche Bank immense Risiken bedeuten.

Steht also schon der nächste Bankencrash bevor, sieben Jahre nach Lehman Brothers? Wir wissen es nicht. Denn wenn entsprechende Informationen an die Öffentlichkeit gelangen, ist es meist schon zu spät.

2015-06-15 Deutsche Bank

16. Juni 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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