Deutsche Bank Aktie: Da steckt doch was im Busch

John Cryan steht vor einer Mammutaufgabe. Der neue Chef der Deutschen Bank muss Deutschlands größtes Geldhaus auf Vordermann bringen – doch das wird nicht leicht. Denn das Institut kämpft an zahlreichen Fronten mit diversen Problemen. Nicht wenige davon sind hausgemacht.

Als erstes fallen einem die Rechtsstreitigkeiten ein, in die die Deutsche Bank weltweit verwickelt ist. Rund 6.000 sind es nach eigenen Angaben, die Abarbeitung dieses gigantischen Berges läuft schleppend und ist teuer. Bislang mussten bereits 3,8 Milliarden Euro allein hierfür zurückgestellt werden, und die Summe wächst von Jahr zu Jahr.

Die Liste ist lang

Die juristischen Auseinandersetzungen rühren zum Großteil aus der Vergangenheit, aus der Finanzkrise und der Zeit davor. Es geht um Verwicklungen in Manipulationsskandale – Libor, Devisenkurse, Edelmetalle und dergleichen mehr. Es geht um den Verdacht er Geldwäsche, beispielsweise in Russland. Es geht um die fragwürdigen Hypothekengeschäfte, die das globale Finanzbeben einst mit ausgelöst haben. Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen.

Etliche Strafen im mehrstelligen Millionen- bis Milliardenbereich wurden bereits gezahlt. Doch es geht für die Deutsche Bank nicht allein um den wirtschaftlichen Schaden. Auch das Image ist inzwischen reichlich ramponiert – nicht zuletzt, weil auch die Ex-Chefs Josef Ackermann und Anshu Jain sowie Noch-Co-Chef Jürgen Fitschen sich auch persönlich verantworten müssen.

Ackermann und Fitschen stehen wegen Betrugsverdachts im Kirch-Prozess als Angeklagte vor Gericht. Jain ist mit einem blauen Auge davon gekommen, er wurde von der Mitverantwortung der Libor-Manipulationen offiziell freigesprochen. Doch auch sein Ruf hat gelitten. Was ist das für ein Chef, unter dem gierige Investmentbanker offenbar machen konnten, was sie wollten, ohne dass er davon etwas mitbekommen haben will?

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf fehlende interne Kontrollprozesse. Genau solche Beanstandungen waren es auch, die jüngst dazu geführt haben, dass die US-Tochter der Deutschen Bank beim dortigen Stresstest durchfiel und ein „mangelhaft“ kassierte.

Zeit für große Visionen

Höchste Zeit also, dass sich grundlegend etwas ändert beim deutschen Branchenprimus. Es gilt, Vertrauen zurückzugewinnen. Dafür bräuchte es eigentlich einen „Kulturwandel“, wie ihn seinerzeit Jain und Fitschen ausriefen, der aber bis zum heutigen Tag auf sich warten lässt. Cryan wird sich daher wohl hüten, diesen Begriff noch einmal zu strapazieren.

Dennoch braucht es mehr als reine Kosteneinsparungen zur Bilanzoptimierung. Man darf gespannt sein, welche Visionen Cryan ausgibt, welche mittelfristigen Ziele er anstrebt. Dieser Tage stellt er sein Zukunftskonzept für die Deutsche Bank vor.

Erste Tendenzen sind bereits erkennbar. Mit der Abspaltung der Postbank schrumpft einmal mehr das Privatkundengeschäft. Der Fokus wird also auch weiterhin auf der skandalträchtigen Investmentsparte liegen – was allerdings wenig verwundert, kommt Cryan selbst doch auch aus dem Segment.

Stabil ja, gut nein

Einer der wenigen Lichtblicke, die die Bank vermelden konnte, war die Bilanz des zweiten Quartals. Die fiel mit einem Nachsteuergewinn von 818 Millionen Euro überraschend gut aus, erwartungsgemäß war insbesondere das Investmentbanking stark.

Das operative Geschäft scheint sich also allmählich zu stabilisieren. Für sinkende Ausgaben dürfte zudem ein geplanter Kahlschlag bei den Arbeitsplätzen sorgen: Ein Stellenabbau im fünfstelligen Bereich ist im Gespräch, Details hierzu sollen Ende Oktober bekanntgegeben werden.

Leidgeplagte Anleger der Deutschen Bank müssen sich also noch ein wenig gedulden und sich derweil mit einem nur mäßig erfreulichen Aktienkurs von rund 26 Euro zufriedengeben. Seit geraumer Zeit dümpelt das Papier vor sich hin, vereinzelte Ausbruchsversuche in Richtung 30-Euro-Linie waren nur von kurzer Dauer.

Ob es perspektivisch wieder aufwärts geht, wird nicht zuletzt von Cryans Zukunftsplänen für das Geldhaus abhängen sowie von seiner Fähigkeit, diese zügig umzusetzen. Sollte dies gelingen, dürfen sich die Anleger künftig vielleicht auch wieder über eine höhere Dividende freuen als die zuletzt üblichen, eher mickrigen 0,75 Euro je Aktie.

2015-09-09 Deutsche Bank

11. September 2015

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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