Deutsche Bank: Steht Deutschlands größtes Finanzhaus vor der Übernahme?

Langsam kommt Bewegung in den deutschen Bankenmarkt.

Dass ausländische Investoren ein Auge auf deutsche Banken geworfen haben, ist längst kein Geheimnis mehr. Dennoch kam die Ankündigung des chinesischen Konglomerats HNA überraschend.

Denn die Chinesen haben ihre Beteiligung am deutschen Banken-Primus kräftig nach oben gefahren und sind über Nacht zum größten Einzelaktionär aufgestiegen.

Die Aktie reagierte mit leichten Kursgewinnen auf die Nachricht. Für Langzeit-Aktionäre dürfte das aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein.

Trotz der beeindruckenden Kursrally von über 70% in den vergangenen Monaten ist die längerfristige Wert-Entwicklung ein wahres Trauerspiel.

Auf 5-Jahres-Sicht notieren die Papiere weiterhin mit einem Minus von 37%, von dem Allzeithoch aus dem Jahr 2007 ist die Aktie sogar mehr als 80% entfernt.

Wer hinter HNA steckt

Mit dem Anteilskauf rückt die chinesische Firmengruppe ins Rampenlicht.

Bereits im Februar stiegen die Chinesen mit 3% beim deutschen Bankhaus ein und erhöhten kurz darauf die Beteiligung auf 4,8%.

Auch wenn HNA hierzulande nur den Wenigsten bekannt ist, in China kennt die Firmengruppe so gut wie jeder – zumindest, wenn er ab und zu ins Flugzeug steigt.

HNA startete im Jahr 1993 als Hainan Airlines. Die Fluglinie der südchinesischen Ferieninsel Hainan bietet u. a. den einzigen Direktflug von Berlin-Tegel nach Peking an.

Doch seither hat HNA großzügig in Touristik, Logistik und Finanz-Dienstleistungen investiert. Inzwischen besitzt der Konzern u. a.:

  • 1/4 der Hotelkette Hilton,
  • die Schweizer Catering-Firma Gategroup
  • oder Singapurs Logistik-Konzern CWT.

Zurzeit kauft HNA auch den Flughafen Frankfurt-Hahn und bietet um den maroden Hamburger Schiffs-Finanzierer HSH Nordbank mit.

Auch wenn HNA kein Staats-Unternehmen ist, so hat das Konglomerat doch enge Verbindungen zur Kommunistischen Partei:

So war Firmenchef Chen Feng mehr als 10 Jahre Mitglied des Nationalen Partei-Kongresses der Partei.

Aggressive Einkaufs-Tour

Im Moment finden Sie keinen chinesischen Konzern, der aggressiver im Ausland zukauft als HNA; alleine in diesem Jahr investierte die Firmengruppe mehr als 5,5 Mrd. Dollar in Firmen außerhalb Chinas.

Für Sie zum Vergleich: Das sind immerhin 13% der Auslands-Investitionen sämtlicher chinesischer Unternehmen.

Was die wahren Pläne der Chinesen sind

Warum die Chinesen ihre Beteiligung an der Deutschen Bank so massiv ausbauen, ist ungewiss, denn Finanz-Dienstleistungen gehören eigentlich nicht zum Kerngeschäft des Touristik-Konzerns.

Daher kann man nur spekulieren, was die Hintergründe der Transaktion sind. Auch die Chinesen selbst halten sich bedeckt.

Übernahme unrealistisch

Aber eines ist klar: Eine komplette Übernahme der Deutschen Bank ist ausgesprochen unwahrscheinlich. Bereits vor Monaten hat HNA betont, unter der 10%-Schwelle bleiben zu wollen.

Auch ist eine Übernahme des deutschen Branchen-Primus alles andere als ein Selbstläufer.

Zwar ist das Institut mit einem Börsenwert von 35 Mrd. € gegenüber der US-Konkurrenz ein kleiner Happen (Citigroup: 167 Mrd. Dollar; Bank of America: 238 Mrd. Dollar; Goldman Sachs: 88 Mrd. Dollar).

Auf Grund der internationalen Verflechtung ist er aber eben auch systemrelevant.

Eine geplante Übernahme dürfte nicht zuletzt an der Politik und den europäischen Regulierungs-Behörden scheitern. Freuen dürften sich die Anleger trotzdem.

Denn in Zeiten zahlreicher Rechtsstreitigkeiten und eines tiefgreifenden Konzern-Umbaus dürfte ein starker Anker-Aktionär der Deutschen Bank gerade recht kommen.

5. Mai 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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