Deutsche Bank: Wegen Schweiz drohen jetzt massive Verluste

Die überraschende Entscheidung der Schweizer Notenbank, den Franken nicht länger an den Euro zu koppeln, hat nicht nur Schweizer Unternehmen und deren Aktionäre kalt erwischt.

Auch mehrere Großbanken müssen sich nach den heftigen Schwankungen, die zu einer Abwertung des Euro und einem Erstarken des Schweizer Franken geführt haben, auf Verluste einstellen – und das nicht zu knapp.

In jeweils dreistelliger Millionenhöhe sind Schätzungen zufolge die britische Barclays Bank, die US-amerikanische Citigroup und auch die Deutsche Bank betroffen.

Deutsche Bank: 130 Millionen Euro Verlust

Beim deutschen Branchenprimus werden die Verluste auf etwa 150 Millionen Dollar oder 130 Millionen Euro beziffert. Der Hintergrund sind Währungsgeschäfte, die auf einen stabilen oder steigenden Euro gesetzt hatten und nach der SNB-Entscheidung abstürzten.

Offiziell wollte sich die Deutsche Bank zu entsprechenden Medienberichten bislang nicht äußern. Spurlos jedoch werden die Turbulenzen an dem Geldinstitut wohl nicht vorbeigehen.

Es ist ein weiterer Rückschlag für die Bank und ihre Aktionäre, die ohnehin auf schwache Monate zurückblicken. Innerhalb der letzten 12 Monate hat das Papier um mehr als 25 Prozent nachgegeben.

2015-01-23 Deutsche Bank

Aktie im Aufwind oder auf absteigendem Ast?

Hatte der Wert der Aktie zu Beginn des Jahres 2014 noch bei 38 Euro gelegen, notiert das Papier inzwischen nur noch bei rund 26 Euro. Seit September ist dabei eine tendenzielle Seitwärtsbewegung mit kleineren Ausschlägen nach oben oder unten zu beobachten, die Analysten zu unterschiedlichen Interpretationen veranlasst.

Manch einer sieht die Verlustserie durchbrochen und die Aktie wieder im Aufwind, andere gehen von einem weiteren Rückgang aus.

Für beide Sichtweisen gibt es gute Argumente: So dürfte die Deutsche Bank von der Geldflut profitieren, die die Europäische Zentralbank gerade beschlossen hat. In den kommenden Jahren wird der Markt mit billigen Milliardenbeträgen überschwemmt.

Die Maßnahme, die eigentlich die Kreditvergabe erleichtern und die Konjunktur ankurbeln soll, ist unter Ökonomen nicht unumstritten. Gerade in Deutschland befürchten viele Kritiker, dass das Geld vor allem den Finanzmärkten zugutekommt – also in erster Linie Banken und Aktionären, die den EZB-Beschluss entsprechend feierten. Der Dax schwang sich binnen kürzester Zeit zu schwindelerregenden neuen Höhen auf.

Analysten grübeln

Gegen eine schnelle Erholung der Aktie der Deutschen Bank sprechen allerdings die internen Probleme. Noch immer kämpft man mit den Altlasten, die zahlreichen anhängigen juristischen Verfahren dürften sich weiterhin teuer in den Bilanzen niederschlagen. Zudem versucht die EU mit neuen Maßstäben in Sachen Bankenregulierung, die Geschäfte einzugrenzen, was sich für die Deutsche Bank ebenfalls nachteilig auswirken könnte.

Insofern raten die meisten Analysten derzeit weder zum Kauf noch zum Abstoßen der Aktie, sondern bewerten sie neutral. Die Kursziele gehen allerdings auseinander: Warburg Research etwa hat das Kursziel gerade von 28 auf nur noch 24 Euro gesenkt, andere trauen ihr den Sprung über die 30-Euro-Schwelle zu.

Wohin die Reise 2015 geht – man darf gespannt sein.

26. Januar 2015

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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