Deutsche Bank: Wen interessiert das Geschwätz von gestern?

Es ist ziemlich genau 8 Monate her, da bemühte sich ein gewisser John Cryan – gerade erst offiziell im Amt des Vorstandschefs der Deutschen Bank – darum, Ängste vor einer möglichen Kapital-Maßnahme zu zerstreuen:

Die Bank habe derzeit ohnehin wenige Argumente, um sich Geld über eine Kapital-Erhöhung zu beschaffen.

Davon abgesehen könnten die bis 2019 jährlich erforderlichen 2,5 Mrd. € organisch generiert werden.

Inzwischen wissen wir seit einigen Tagen: Die Deutsche Bank will sich mittels einer Kapital-Erhöhung dem eigenen Haus 8 Mrd. € liquide Mittel einverleiben – Hussa!

Schon Adenauer gestand sich mehr Weisheit zu

John Cryan wandelt somit in den Fußstapfen eines früheren Bundeskanzlers:

Konrad Adenauer sagte einmal: „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern – nichts hindert mich weiser zu werden.“

Dass ihm sein Geschwätz vom Juli 2016 nichts mehr bedeutet, hat John Cryan nunmehr unter Beweis gestellt. Aber ist er auch weiser geworden?

Ich vermute eher: Der Deutsche Bank-Vorstandschef hat erkennen müssen, dass es doch nicht ohne Kapital-Maßnahme geht.

Die aufgetürmten Hypotheken (hier im übertragenen Sinne gemeint) aus schier endlosen Verstrickungen in nahezu jeden namhaften Finanz-Skandal der vergangenen Jahre und der maßlosen Überschätzung bei der Postbank-Einverleibung sind einfach zu hoch, um sie auf dem „laufenden Geschäft heraus“ zu bezahlen.

Die Postbank wird nun also doch nicht verkauft, wie ursprünglich angestrebt, weil sie sich derzeit einfach nicht verscherbeln lässt. Somit ist eine alternative Geldquelle versiegt.

Stattdessen wird nun ein Teil der Kapital-Erhöhung dazu verwendet, die Postbank mit dem Privat- und Firmenkunden-Geschäft und dem Geschäft mit vermögenden Kunden der Deutschen Bank zu verschmelzen.

Beachten Sie bitte, dass hier fein unterschieden wird zwischen Privat- und vermögenden Kunden!

Gebeutelte Deutsche-Bank-Aktionäre

Also ich tue mich schwer, diese erneute Kapital-Erhöhung – es ist die 5. in 8 Jahren! – gutzuheißen.

Und ich bin sehr froh, schon seit gut 2 Dekaden KEIN Deutsche-Bank-Aktionär und -mitarbeiter mehr zu sein!

So blieben mir in den zurückliegenden 10 Jahren Kursverluste von in der Spitze -90% erspart; aber schauen Sie selbst:

deutsche bank_06-03-2017

Deutsche Bank: Am Widerstands-Band gescheitert

Das wirklich „Hochnot-Peinliche“ an diesem Chart ist indes der Vergleich mit dem DAX 30; dem gelang nämlich im selben Zeitraum ein Zuwachs von +80%.

Deutsche Bank-Aktionäre wurden somit in den letzten 10 Jahren nicht nur mit einem Fast-Totalverlust ihres Kapital-Einsatzes bestraft:

Ihnen entgingen auch noch mögliche Gewinne, die sie mit anderen DAX-Aktien hätten erzielen können.

Der so wackere Aufwärtstrend seit Oktober wurde übrigens an einem massiven Widerstands-Band (19,70 / 21,00 Euro) gestoppt, das vor vielen Jahren schon einmal als Unterstützungs-Zone gedient hat.

Fazit und Empfehlung

Sollten Sie als Aktionär nun an dieser Kapital-Erhöhung teilnehmen? Hier meine – natürlich ganz persönliche – Ansicht dazu:

Ich täte mich sehr schwer damit jemandem mein sauer verdientes Geld zu geben, um diesem damit zu helfen die Folgen jahrelanger Dauer-Betrügereien zu finanzieren.

Denn machen wir uns nichts vor:

Auch wenn davon nichts in der Pressemitteilung zur Kapital-Maßnahme steht, so resultiert der Finanz-Hunger der Deutschen Bank der vergangenen 10 Jahre fast ausschließlich aus diesen Machenschaften.

Und nur weil ein Herr Cryan eine Kapital-Erhöhung plötzlich doch für opportun und weise hält, müssen Sie das noch lange nicht!

6. März 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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