Deutsche Bank: Wird nun alles gut?

Was haben die FIFA und die Deutsche Bank gemeinsam?

Bei beiden Institutionen ließen sich die Vorstände im Amt bestätigen, nur um wenige Tage später ihre Ämter gleich wieder zur Verfügung zu stellen.

Wie schon zuvor bei Blatter und der FIFA war es auch bei der Deutschen Bank ein echter Paukenschlag: Das Vorstands-Duo Anshu Jain und Jürgen Fitschen tritt zurück.

Nun ja. Das ist so nicht ganz korrekt: Jain tritt zwar zurück, Fitschen aber nur ein bischen. Denn:

Anshu Jain wird seinen Posten bereits zum 30. Juni zur Verfügung stellen. Jürgen Fitschen indes wird erst im Mai 2016, nach der nächsten Hauptversammlung des Finanzkonzerns, sein Amt aufgeben. Das ist dann schon ein wortwörtlich „halbherziger“ Rücktritt.

Augias und Herkules

Die Börse bewertet den Rücktritt und die Rücktrittsankündigung positiv: Die Aktie schoss heute Vormittag zeitweilig bis auf 29,87 Euro. Während ich diese Zeilen verfasse, notiert der Deutsche Bank-Kurs mit 29,19 Euro knapp +6% im Plus.

Aber ist das wirklich schon die Wende in der seit Jahren von Skandalen belasteten Bank?

Rund 6 Mrd. Euro musste das Finanzhaus in den zurückliegenden 5 Jahren bereits an größeren Strafzahlungen berappen – ein Ende dieses Verurteilungs-Infernos ist indes nicht in Sicht:

Beihilfe zur Steuerhinterziehung, Libor- und Devisen-Manipulation, Beilegung des Kirch-Prozesses, Betrug im Hypothekengeschäft – das sind nur einige der Rechtsstreitigkeiten, in welche die Deutsche Bank verwickelt war oder noch ist.

Mit Cryan wird wohl, anders als es sich bei Fitschen und Jain erwiesen hat, nicht wieder ein Brandstifter zum Feuerwehrmann gemacht. Dennoch:

Auch für Cryan wird es nicht gerade einfach, diesen „Augias-Stall“ auszumisten, den seine Vorgänger ihm in den vergangenen Jahren hinterlassen haben. Daneben wartet mit dem vor kurzem angekündigten „Strategiewechsel“ (Trennung von der Postbank, Umbau des Privatkundengeschäfts) eine wahre „Herkules-Aufgabe“ auf den neuen Mann. Erinnern wir uns auch daran:

Das Finanzhaus hat in den zurückliegenden Jahren schon zweimal vollmundig einen „Kulturwandel“ angekündigt, der sich jeweils als Lippenbekenntnis erwiesen hat. Das Image als „Deutsche Skandal-Bank“ hat sich seither höchstens noch tiefer in das Bewusstsein der Öffentlichkeit eingegraben.

Charttechnik: Erst ab 40 Euro ein Kauf

Wenn Sie auf den Chart der Deutsche Bank-Aktie schauen, dann können Sie schnell erkennen, ab wann Sie annehmen dürfen, dass der geplante Führungswechsel von Erfolg gekrönt ist: Ab 40 Euro!

deutsche bank aktie-08-06-2015

Deutsche Bank-Aktie: Erst ab 40 Euro ein Kauf!

Erst dann nämlich würde der Kurs die Obergrenze der seit 4 Jahren bestehenden Seitwärts-Bewegung überwinden.

Jeder vorzeitige Einstieg ist kein strategisches Investment, sondern schlichtweg ein Vabanque-Spiel. Und davon hatten die Deutsche Bank-Aktionäre in den vergangenen 10 Jahren reichlich!

8. Juni 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Andreas Sommer. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt