Deutsche Beteiligungs AG: Die Anti-Heuschrecke

Die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG), die ich Ihnen gleich näher vorstellen werde, hat sich nach sage und schreibe 39 Jahren von ihrer ältesten Beteiligung getrennt. Bei dieser Beteiligung handelt es sich um das Autohaus Dr. Vogler aus Bad Homburg.

Übernommen wurde das Autohaus Dr. Vogler von der Senger-Gruppe. Auf der Verkäuferseite standen die DBAG und ein von der DBAG verwalteter Fonds. Bemerkenswert: Es dürfte sich beim jetzt verkauften Autohaus um die am längsten im Portfolio einer deutschen Private-Equity-Gesellschaft gehaltene Beteiligung überhaupt gehandelt haben.

Die Deutsche Beteiligungs AG im Portrait

Die DBAG, die älteste Beteiligungsgesellschaft in Deutschland, wurde im Jahr 1965 als Deutsche Beteiligungs GmbH gegründet und ist damit nach eigenen Angaben das älteste Unternehmen in der deutschen Private-Equity-Branche.

Im Jahr 1984 erfolgte dann die Gründung der Deutschen Beteiligungs AG durch die Deutsche Bank und die SchmidtBank aus Hof an der Saale. Die neue AG wurde von der Deutschen Beteiligungs GmbH betreut.

Am 19. Dezember 1985 ging die Deutsche Beteiligungs AG an die Börse. 1996 wurde der Konzern neu strukturiert und das Management wechselte in die AG, die somit zum ersten Mal eigenes Personal hatte.

Die DBAG investiert heute aus der eigenen Bilanz und verwaltet Parallelfonds. Das Gesamtkapital der DBAG liegt bei 1,3 Mrd. Euro. Im laufenden Jahr 2014 verkaufte die DBAG mit dem Maschinenbauer Homag ihre größte Beteiligung an den Autozulieferer Dürr.

Die Details zu der jüngsten Transaktion

Die DBAG gibt an, dass die jetzt veräußerte Beteiligung, Dr. Vogler, erfolgreich war – benennt jedoch nicht die exakte Verzinsung des Engagements. Dr. Vogler ist ein auf Mercedes-Benz spezialisierter Fahrzeughändler aus dem Rhein-Main-Gebiet, der aus insgesamt 8 Standorten besteht.

Dr. Vogler setzte den Angaben zufolge im Jahr 2013 rund 135 Mio. Euro um. Die DBAG hatte in den vergangenen Jahrzehnten regelmäßig Ausschüttungen aus ihrer Beteiligung an dem Autohaus erhalten und wird jetzt im 4. Quartal des am 31. Oktober endenden gebrochenen Geschäftsjahres 2013/2014 aus der Veräußerung einen Gewinn im unteren einstelligen Millionenbereich erzielen.

Die Senger-Gruppe, die das Autohaus Dr. Vogler von der DBAG erworben hat, setzte im vergangenen Jahr mit dem Handel von neuen und gebrauchten PKW, Transportern und LKW mit Reparatur, Wartung und Service für Hersteller von LKW-Aufbauten 630 Mio. Euro um.

Die Gruppe beschäftigt knapp 1.500 Mitarbeiter und ist mit 30 Betrieben an 24 Standorten vertreten. Damit gehört die Senger-Gruppe zu den 10 größten Autohändlern in Deutschland.

Fazit: Hinter Private Equity stecken nicht immer Heuschrecken

Der geschilderte Fall zeigt, dass nicht immer Heuschrecken drin stecken, wo Private Equity drauf steht. Zum Hintergrund: Der ehemalige SPD-Spitzenpolitiker Franz Müntefering bezeichnete vor einigen Jahren Private-Equity-Gesellschaften als Heuschrecken, da diese über Unternehmen herfallen, alles abgrasen und dann weiterziehen würden.

Mit anderen Worten: Müntefering war damals der Ansicht, dass Private-Equity-Gesellschaften nur auf ihren eigenen kurzfristigen Profit aus wären und sich ansonsten nicht so sehr für die Unternehmen interessieren, in die sie investieren.

Wenn eine Private-Equity-Gesellschaft – so wie jetzt die DBAG – eine Beteiligung nach 39 Jahren verkauft, dürfte das so ziemlich alle Vorurteile widerlegen, die der ehemalige SPD-Spitzenpolitiker einst über die Private-Equity-Branche äußerte.

Fazit: Wenn Sie sich für Private-Equity-Investments interessieren, sollten Sie sich vor dem Kauf die Strategie und die Historie der Private-Equity-Gesellschaft anschauen. Wenn die Gesellschaft schon lange am Markt ist und viele Beteiligungen erfolgreich verkaufen konnte, ist das ein gutes Zeichen.

Wichtig ist auch, wie die Aktionäre behandelt werden. Bei der Deutschen Beteiligungs AG ist es zum Beispiel üblich, dass die Aktionäre eine üppige Dividende erhalten, wenn eine Beteiligung erfolgreich verkauft wurde.

6. Oktober 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Tobias Schöneich. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt