Deutsche Börse: Börsenbetreiber auf Einkaufstour

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Deutsche Börse macht jetzt Ernst und kündigt zweiten Megadeal in wenigen Tagen an. Die Milliarden schweren Zukäufe sollen weiteres Wachstum sichern. (Foto: travelview / shutterstock.com)

Jetzt geht es bei dem deutschen Börsenbetreiber Schlag auf Schlag. Am Montag verkündete der Konzern den Kauf des Anbieters von Portfolio- und Risikomanagementlösungen Axioma. Mit der Fusion will der Dax-Konzern einen führenden Informationsanbieter für institutionelle Investoren schaffen und damit die wachsende Marktnachfrage nach Produkten und Analysen bedienen.

Gestern sickerten dann Gerüchte durch, wonach der nächste Milliardendeal schon kurz bevorstehen könnte. Der Börsenbetreiber bestätigte am Donnerstag konkrete Gespräche mit dem Finanzdatenanbieter Refinitiv über den möglichen Kauf einzelner Geschäftsbereiche im Devisenhandel.

Deutsche Börse – der Platzhirsch in Deutschland

Die Gruppe Deutsche Börse sieht sich mit 37 Standorten in 29 Ländern als global agierendes Unternehmen und als führende europäische Börsenorganisation. Sie betreibt mit der Frankfurter Wertpapierbörse die mit Abstand größte deutsche Börse, organisiert über die Terminbörsen EUREX und ISE den größten Terminmarkt der Welt, vermarktet weltweit ihre Handelsplattform Xetra, die Marktdaten und Informationsströme sowie dem Wertpapierhandel nachgelagerte Dienstleistungen.

Seit der 2007 vollzogenen Fusion der Terminbörse Eurex mit der US-amerikanischen ISE versteht sich die Deutsche Börse AG in diesem Geschäftsfeld als weltweit größter Betreiber von transatlantischen Marktplätzen für Derivate. Mit ihren vier Segmenten “Xetra” (Kassamarkt), “Eurex” (Terminmarkt), “Clearstream” sowie “Market Data & Services” deckt das Unternehmen eigenen Angaben zufolge alle zentralen Felder der Kapitalmarktinfrastruktur ab.

Axioma-Deal ohne Einsatz von Barmitteln

Deutschlands wichtigster Marktbetreiber will sich mit einem komplexen Schachzug am Weltmarkt in Position bringen. Durch die Fusion von Axioma mit dem eigenen Indexgeschäft soll ein führender Informationsanbieter für institutionelle Investoren entstehen.

Dass lässt sich der DAX-Konzern 850 Millionen Dollar kosten. Das Besondere an dem Deal: Der US-Finanzinvestor General Atlantic beteiligt sich mit rund 715 Millionen Dollar sowie einige Axioma-Manager mit über 100 Millionen Dollar an dem neuen Unternehmen. Laut Angaben der Deutschen Börse führt dies unter dem Strich dazu, dass der Kauf keinen Einsatz von Barmittel für den Konzern erfordert.

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Die Erwartungen sind hoch

Die Erwartungen an den Zusammenschluss sind hoch. Axioma wurde 1998 gegründet und bietet cloudbasierte Software- und Datenangebote für institutionelle Investoren an. Zu den gut 400 Kunden zählen Asset Manager, Hedgefonds und andere Investoren. Seit 2010 hat Axioma ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 23% erzielt. Zuletzt stammten gut drei Viertel der Erlöse aus dem Softwarebereich und cloud-basierter Risikomanagementsysteme. Der Rest ging auf das Konto von proprietären Lösungen und Dienstleistungen für regulatorische Meldungen.

Bis zum Jahr 2021 soll sich der Wert der neuen Firma bis auf mindestens 6,6 Milliarden Dollar verdoppeln.

Devisenhandel im Visier

Der nächste Deal soll das Geschäft mit dem Devisenhandel stärken. Gespräche mit dem Finanzdatenanbieter Refinitiv über den Kauf einzelner Geschäftsbereiche wurden bereits bestätigt. Marktgerüchten zufolge könnte der Kaufpreis bei bis zu 3,5 Milliarden Dollar liegen, was aber von der Deutsche Börse als reine Spekulation abgetan wurde.

Für Refinitiv dürfte der Verkauf durchaus Sinn machen, um den eigenen Schuldenberg zu reduzieren. Das Unternehmen ist 2018 aus dem Finanz- und Risikogeschäft von Thomson Reuters hervorgegangen, nachdem es an den Finanzinvestor Blackstone verkauft worden war.

Übernahmen Teil der Firmenstrategie

Zuletzt hatte die Konzernführung des Börsenbetreibers immer wieder Zukäufe als festen Teil der Firmenstrategie herausgestellt. Auch größere Deals seien vorstellbar. Laut Presseinformationen stünden dafür 1,5 Milliarden Euro auch nach der Axioma-Fusion zur verfügen. Sollte der Kaufpreis des Devisengeschäfts von Refinitiv darüber liegen, müsste der DAX-Konzern wohl seine Anleger über eine Kapitalerhöhung anzapfen.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.