Deutsche Börse: Fusion mit London gescheitert

Am gestrigen Mittwoch hat die EU-Kommission den geplanten Zusammenschluss der Deutschen Börse mit der London Stock Exchange untersagt.

Damit ist das Thema vom Tisch. Die zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager begründete ihre Entscheidung mit einem drohenden De-facto-Monopol im Anleihe-Clearing.

Die Deutsche Börse und die LSE böten in einigen Märkten die gleichen Dienstleistungen an und seien in einigen Märkten die einzigen Anbieter.

Das bedeutet: Käme es zum Zusammenschluss, entstünde dadurch ein De-facto-Monopol.

„Unsere Sorgen sind sehr ernst. Wir wollen sicherstellen, dass sich der Wettbewerb nicht verschlechtert“, hieß es.

Es wäre insbesondere im Clearing-Bereich von festverzinslichen Wertpapieren ein De-facto-Monopol entstanden.

Der Clearing-Bereich ist eine Dienstleistung, die für den Handel und die Handels-Abwicklung im Zusammenhang mit Wertpapieren notwendig ist.

Die Chronik der gescheiterten Fusion

Nachdem Sie erfahren haben, warum die Fusion zwischen der Deutschen Börse und der LSE gescheitert ist, möchte ich Ihnen nun noch einen chronologischen Überblick der gescheiterten Fusion geben.

Am 23. Februar des vergangenen Jahres gaben die Deutsche Börse und die LSE bekannt, dass sie Gespräche über einen möglichen Zusammenschluss „unter Gleichen“ führen.

Nur 3 Tage später wurden weitere Details bekannt: U. a. wurde bekannt, dass das zusammengeschlossene Unternehmen ihren Sitz in London haben soll.

Am 16. März 2016 wurde eine Einigung zwischen der Deutschen Börse und der LSE im Hinblick auf die Fusion bekannt gegeben.

Im Juni wurden dann die Angebots-Unterlagen den Aktionären der Deutschen Börse vorgelegt und im Juli stimmten die Aktionäre der LSE der Fusion zu.

Am 26. Juli 2016 wurde die Mindest-Annahmequote erreicht, da 60% der Aktionäre der Deutschen Börse der Fusion zustimmten.

Es lief bis dahin also (abgesehen vom zwischenzeitlichen BrExit-Votum) alles nach Plan.

Am 28. September leitete die EU-Kommission eine vertiefte Prüfung der Fusion ein und stellt den Verkauf der Clearnet SA als Abhilfe für die Bedenken im Bereich der Clearing-Aktivitäten in Aussicht.

In der Folge gaben die Deutsche Börse und die LSE zunächst Gespräche über den Verkauf der Clearnet SA an Euronext und schließlich eine Einigung mit Euronext bekannt.

Am 26. Februar dieses Jahres teilten die Deutsche Börse und die LSE mit, dass die EU-Kommission als neue Abhilfe-Maßnahme den Verkauf der Bondhandels-Plattform MTS fordert und dass die LSE dies ablehnt.

Und gestern kam dann schließlich die Absage an die Fusion durch die EU-Kommission.

Meine Einschätzung: BrExit der „echte“ Grund

Aus meiner Sicht hätten die beiden Börsen-Betreiber den Zusammenschluss retten können – wenn sie wirklich gewollt hätten.

Mit einigen kleineren Verkäufen hätte man die Wettbewerbs-Behörden besänftigen können.

Doch nach der BrExit-Abstimmung wurden die Karten neu gemischt. Beide Partner suchten einen Grund, den Deal abblasen zu können.

Denn: Nach der BrExit-Entscheidung war der neue Standort London nicht mehr durchsetzbar. Mit der Alternative Frankfurt konnte sich die LSE jedoch nicht anfreunden.

Ein Kompromiss war nicht in Sicht. Das Verbot durch die Behörden war daher eine elegante Lösung, die Fusion ohne großen Streit zu beenden.

Bleibt abschließend noch die Frage, ob die geplatzte Fusion für uns Anleger positiv oder negativ ist.

Ich bewerte das Platzen der Fusion zwischen der Deutschen Börse und der LSE eher positiv. Denn dadurch wird verhindert, dass die Deutsche Börse ihren Sitz nach London verlegt.

Der Börsenplatz Frankfurt behält mindestens die Bedeutung, die er auch vorher hatte. Im Zuge des BrExits dürfte dieser sogar noch aufgewertet werden.

30. März 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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