Deutsche Börse plant DAX-Reform

DAX Anzeigetafel RED – Deutsche Börse AG

Die Deutsche Börse plant die größte Reform des DAX seit seinem Bestehen 1988. Der Leitindex soll von 30 auf 40 Werte ausgeweitet werden. (Foto: Deutsche Börse AG)

Bis Silvester sind es noch über zwei Monate. Aber schon jetzt ist klar: Nicht nur wegen Corona war 2020 ein turbulentes Jahr. Ein negativer Höhepunkt war zweifellos der Bilanzskandal um den Zahlungsdienstleister Wirecard. Erstmals überhaupt musste ein DAX-Unternehmen Insolvenz anmelden.

Das Desaster um die Wirecard-Aktie, die auch nach der Insolvenz noch über Wochen im DAX gelistet war, ist mit dafür verantwortlich, dass die Deutsche Börse eine Neuordnung des deutschen Leitindex anstrebt. Ich möchte Ihnen heute einen kurzen Überblick geben, welche Maßnahmen der Indexbetreiber plant.

DAX soll von 30 auf 40 Mitglieder ausgeweitet werden

Die Deutsche Börse hat kürzlich ihre Vorschläge präsentiert, die bis zum 4. November mit Marktteilnehmern diskutiert werden sollen. Die zentrale Änderung ist der Plan, den DAX, der seit seinem Start 1988 ununterbrochen 30 Werte enthält, auf 40 Mitglieder auszuweiten.

Dadurch würde die Marktkapitalisierung des Leitindex um 8 bis 10% steigen. Verlierer wäre bei einer Umsetzung der wachstumsstärkere – und daher bei vielen Anlegern beliebtere – MDAX. Denn der Midcap-Index würde seine größten Werte an den DAX verlieren. Der MDAX, der künftig nur noch 50 statt 60 Werte enthalten soll, würde durch die geplanten Maßnahmen ungefähr ein Drittel seines Börsenwerts einbüßen.

Nur profitable Unternehmen dürfen in den DAX

Als Reaktion auf den Wirecard-Skandal will die Deutsche Börse außerdem die Zugangsregeln verschärfen. So sollen nur Unternehmen, die mindestens zwei Geschäftsjahre mit schwarzen Zahlen aufweisen, in den Index aufgenommen werden können. Der Aufstieg des Essenslieferanten Delivery Hero, der seit September dem DAX angehört, wäre nach den neuen Regeln nicht möglich gewesen.

Darüber hinaus sollen auch Firmen, die mehr als 10% ihres Umsatzes mit umstrittenen Waffen erzielen, ausgeschlossen werden. Betroffen wäre davon beispielsweise der Flugzeughersteller Airbus, weil dessen Militärflugzeuge mit Nuklearwaffen ausgerüstet werden können.

Ändern sollen sich auch die quantitativen Aufnahmekriterien. So soll nur noch der Börsenwert des Streubesitzes ausschlaggebend sein, der Handelsumsatz soll dagegen künftig keine Rolle mehr spielen. Eine Aufweichung ist auch geplant: DAX-Mitglieder müssen künftig nicht mehr im Prime Standard, sondern lediglich im Regulierten Markt gelistet sein.

Reformvorschläge ziehen Kritik nach sich

Diese geplante Aufweichung, die mehr Flexibilität bringen soll, stößt auf Kritik. Meines Erachtens zurecht. Schließlich müssen nur die im Prime Standard gelisteten Unternehmen strengste Kriterien erfüllen, nur hier ist höchste Transparenz gewährleistet. Das sollte für einen DAX-Konzern selbstverständlich sein.

Auch das Ziel, dass der DAX die deutsche Wirtschaft besser repräsentieren soll, wird mit den geplanten Maßnahmen allenfalls bedingt erreicht. Der Anteil der Autobranche würde zwar zurückgehen, Industrie bliebe aber übergewichtet, der Anteil von anderen dominierenden Branchen wie Pharma oder Chemie würde sogar steigen.

Vor allem aber hat die geplante Reform aus meiner Sicht einen klaren Verlierer: den MDAX. Schwergewichte wie Sartorius, Qiagen, Symrise, Brenntag, Hannover Rück oder auch junge Unternehmen wie HelloFresh und Zalando würden in den DAX aufsteigen. Die zweite deutsche Börsenliga würde damit stark an Bedeutung verlieren, Liquidität würde abgezogen.

Warten wir es ab, wie die Reform letztlich genau aussehen wird. Die konkreten Pläne will die Deutsche Börse am 23. November vorstellen. Ich halte Sie auf dem Laufenden.

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Michael Kelnberger
Von: Michael Kelnberger. Über den Autor

Chefanalyst Michael Kelnberger ist der Experte für Aktien. Er setzt auf nachweislich erfolgreiche Anlage-Strategien: Die Trend-Strategie im Dienst Volltreffer Aktien und die mechanische Handlungsstrategie im Ranglisten Investor. So erzielt er für seine Leser beider Dienste stets überdurchschnittliche Renditen. Profitieren auch Sie von seinem Know-How.

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