Deutsche Börse: Schwieriges Umfeld für Börsengänge

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Das Umfeld für IPOs in Deutschland ist nach wie vor schwierig. Das unterstreicht die Geschichte der jüngsten Börsengänge hierzulande. (Foto: Deutsche Börse AG)

Am deutschen Aktienmarkt herrscht aktuell ein schwieriges Umfeld für Börsengänge. Das geht auch aus meinem gestrigen Schlussgong-Beitrag hervor, in dem ich auf die beiden jüngsten Börsengänge in Deutschland eingegangen bin.

Die Rede ist von der VW-Nutzfahrzeugtochter Traton und dem Online-Modehändler Global Fashion Group (GFG). Zu Traton ist meines Erachtens das Wichtigste gesagt. Auf den Börsengang von Global Fashion, der zu Beginn dieser Woche über die Bühne ging, möchte ich noch ein paar Sätze schreiben.

Weitere Einzelheiten zum Börsengang von Global Fashion

Gestern haben Sie bereits erfahren, dass beim GFG-IPO insgesamt 44 Mio. Aktien zu einem Emissionspreis von 4,50 Euro an den Mann bzw. die Frau gebracht wurden. Die beiden Großaktionäre Kinnevik (eine schwedische Beteiligungsgesellschaft) und Rocket Internet (ein börsennotierter deutscher Start-up-Finanzierer) hatten sich im Vorfeld des Börsengangs dazu verpflichtet, GFG-Aktien für bis zu 100 Mio. Euro zu erwerben.

Das war notwendig geworden, weil die Nachfrage seitens institutioneller Investoren nicht reichte und der Börsengang ansonsten womöglich hätte abgesagt werden müssen. Mit dem Erlös aus dem Börsengang will das in Luxemburg ansässige Unternehmen GFG in Lieferinfrastruktur, Technologieplattform und Kundengewinnung investieren.

Darüber hinaus wird derzeit in Brasilien ein automatisches Lager errichtet und es müssen nach wie vor hohe Jahresverluste refinanziert werden. Noch ein paar Worte zum Unternehmen: GFG wurde 2011 gegründet und ist in 17 Ländern tätig. Das Unternehmen peilt für das laufende Jahr einen Umsatz von 1,3 Mrd. Euro an.

Daneben sollen weitere Fortschritte dabei erzielt werden, auf Basis des bereinigten EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) eine schwarze Null zu erreichen.

2019 erst 3 Börsengänge in Deutschland

Wie eingangs (und auch gestern) schon geschrieben: Das Umfeld für Börsengänge in Deutschland ist derzeit schwierig. Um genau zu sein, ist es sogar schon seit Beginn des vergangenen Jahres schwierig. Denn auch die deutschen IPOs aus 2018 waren unter dem Strich keine allzu großen Erfolgsgeschichten.

Im laufenden Jahr gab es in Deutschland neben den beiden gestern beschriebenen Börsengängen von Traton und Global Fashion Group nur einen weiteren Börsengang: den von Frequentis. Das österreichische Unternehmen entwickelt Flugsicherungssysteme und Software für Sicherheitsbehörden.

Das Emissionsvolumen des Frequentis-Börsengangs lag jedoch bei gerade einmal 54 Mio. Euro. Daher haben Sie von diesem IPO wahrscheinlich nichts mitbekommen. Zum Vergleich: Beim Traton-IPO lag das Emissionsvolumen bei 1,55 Mrd. Euro und bei der Global Fashion Group bei 198 Mio. Euro.

Abschließend noch einmal meine generelle Einschätzung zur Teilnahme an IPOs: Ich rate fast immer davon ab, sich an Börsengängen zu beteiligen und empfehle Ihnen stattdessen zunächst abzuwarten, wie sich die Unternehmen operativ nach dem Börsengang entwickeln und wie die Kursentwicklung ist. Wenn beides passt, können Sie zuschlagen.

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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