Deutsche Börse und London Stock Exchange: Auch dieser Anlauf wird wohl nichts

Eigentlich fehlt nur noch die offizielle Verkündung des Deal-Aus:

Die Fusion zwischen den Börsen-Betreibern Deutsche Börse und London Stock Exchange (LSE) steht sehr kurz vor dem Aus.

Grund dafür ist die Mitteilung der LSE, dass sie nicht bereit ist, ihre italienische Handels-Plattform MTS zu veräußern.

Der Verkauf war allerdings Bedingung der europäischen Wettbewerbs-Behörden, um das kartellrechtliche OK zu erhalten.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Behörden jetzt trotzdem dem Zusammenschluss zustimmen, geht gegen 0 – und damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Fusion stattfindet.

Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Deal-Abschlusses blieb bis zuletzt Münzwurf

Das vermutliche Übernahme-Aus kommt nicht völlig überraschend; bereits bei Ankündigung der Mega-Fusion im Frühjahr 2016 wurde angezweifelt, ob der Zusammenschluss über die Bühne gehen kann.

Es folgten der BrExit im Juni, der die Vorteilhaftigkeit des Deals verschlechterte sowie die tiefere Prüfung im September, die den Deal-Abschluss verlängerte.

Darüber hinaus gab es noch ungeklärte Fragen zum rechtlichen Firmensitz und politische Unwägbarkeiten.

Analysten gaben die Erfolgs-Chance auf einen Deal-Abschluss zuletzt mit 50% an.

Führte politischer Druck zum (kommenden) Deal-Abbruch?

Die LSE und die Deutsche Börse befanden sich bereits mehrfach in Sondierungs-Gesprächen geführt, die jedoch jedes Mal im Sande verliefen.

Diesmal standen die Chancen besser: Es gab schon eine Preis-Einigung, die Aktionäre stimmten zu.

Und nachdem sich die LSE bereit erklärte, die Unternehmens-Tochter Clearnet zu verkaufen, schien der Wille einer Transaktion in beiden Lagern so groß wie nie zuvor.

Die jetzige Weigerung der LSE die MTS zu verkaufen kommt daher sehr überraschend.

Es wird vermutet, dass die Wichtigkeit der italienischen Tochter extra groß dargestellt wird, um die wahren Gründe zu vertuschen.

Angeblich soll politischer Druck eine Rolle gespielt haben, um den Deal-Abbruch zu provozieren.

Aktionäre des Übernahme-Kandidaten reagieren gelassen

Die Anteils-Eigner der Deutschen Börse reagierten mit deutlichen Abschlägen auf das Übernahme-Aus.

In einem kaum veränderten Markt verliert das Papier kurz vor Handels-Schluss 3,9% auf 80,70 €.

Gelassener reagieren die Aktionäre der LSE: Obwohl die Londoner nach dem BrExit als heimlicher Gewinner der Transaktion galten, verliert die Aktie nur 0,6%.

Es ist möglich, dass die Anteils-Eigner bereits auf einen Ersatz-Trade spekulieren.

Die US-amerikanischen Konkurrenten ICE und die Börse Chicago wurden im Vorjahr als potenzielle Gegenbieter gehandelt.

Die ICE bemängelte damals mangelnde Kooperations-Bereitschaft der Londoner – gut möglich, dass sich das inzwischen geändert hat.

Deutsche Börse braucht jetzt einen Plan B

Das erneute Aus ist bitter für die Deutsche Börse:

Firmen-Chef Carsten Kengenter hatte wiederholt die Wichtigkeit des 25 Mrd. € schweren Zusammenschlusses betont, da der Margen-Druck auf die alt eingesessenen Börsen-Betreiber seit Jahren groß ist.

Die Fusion mit der LSE sollte Entlastung bringen: 450 Mio. € an Synergien wurden in Aussicht gestellt.

Mit dem Übernahme-Aus vor Augen stellt sich die Frage, ob die Deutsche Börse einen Plan B in der Tasche hat – und falls ja, wie dieser aussieht.

Das Unternehmen ist zwar gut aufgestellt, doch durch die Branche rollt eine Übernahme-Welle – und sich nicht daran zu beteiligen könnte ein folgenreicher Fehler sein…

27. Februar 2017

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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