Deutsche Börse unter Zugzwang

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Die großen Börsenbetreiber treiben das Übernahmekarussel an. Welche Rolle die Deutsche Börse dabei spielt, lesen Sie in unserer Analyse. (Foto: travelview / shutterstock.com)

Die Krise grassiert, doch die Kurse steigen. Und selbst wenn es mal wieder zu Korrekturen kommt, verdient einer ganz sicher: der Börsenbetreiber. Wir haben für Sie die Aktie der Deutschen Börse unter die Lupe genommen und erklären Ihnen, ob das Papier eine gute Wahl ist oder ob es Alternativen gibt. Doch zuerst ein paar Eckdaten zum Unternehmen an sich. Die Deutsche Börse (DB) bietet Dienstleistungen rund um das Wertpapiergeschäft an.

Das reicht vom Wertpapierhandel über die Abwicklung der Aufträge und Wertpapierverwahrung bis hin zur Bereitstellung von Marktinformationen. Die elektronische Handelsplattform Xetra nimmt im Handel mit deutschen Standardwerten einen Marktanteil von 99% ein. Eurex, ein Gemeinschaftsprojekt mit der Schweizer Börse, gehört zu den weltweit größten Terminmärkten.

Fall „Wirecard“ schadet Reputation

Die hohe Volatilität an den Finanzmärkten verhilft der DB zu Wachstum. Allerdings verlangsamte sich das Wachstum im Vergleich zum 1. Quartal etwas. Im 1. Halbjahr stieg der Umsatz um 17,1% auf 1,7 Mrd €. Der Gewinn stieg um 15,1% auf 624 Mio €. Auch wenn die Zahlen optimistisch stimmen, hat die DB einige Probleme zu bewältigen. So belastet der Wirecard-Skandal die Reputation. Immerhin handelte es sich bei Wirecard um eine DAX-Aktie und damit eines der Aushängeschilder des deutschen Kurszettels.

Infolge der Pleite werden die Statuten geändert, sodass insolvente Unternehmen schneller aus den Indizes der DAX-Familie entfernt werden können. Das Übernahmekarussell unter den Börsenbetreibern und Handelsplattformen dreht sich weiter. Die Größe ist entscheidend für den Erfolg, da das Geschäft sehr gut skalierbar ist. Der DB wird ein Interesse an der italienischen Plattform MTS nachgesagt, die sich auf den Handel mit Staatsanleihen spezialisiert hat. Im Moment befindet sich die Börse in Händen der LSE, die jedoch aufgrund der Übernahme von Refinitiv von den Kartellbehörden zu einem Verkauf der italienischen Einheiten gezwungen werden könnte. Euronext könnte der DB jedoch noch zuvorkommen.

Die Deutsche Börse als „Kann-Aktie“

Eine Zusammenarbeit mit der UBS ist dagegen bereits beschlossen. Clearstream übernimmt für 389 Mio SFr 51% der Fondsvertriebsplattform Fondcenter AG. UBS behält die restlichen 49%. Gemeinsam entsteht einer der führenden Anbieter für Fondsdienstleistungen. Diese Kooperation könnte langfristig nützlich sein. Die Deutsche Börse befindet sich aber unter Zugzwang und sollte unbedingt wachsen. Es bleibt spannend, ob das dem Unternehmen gelingt. Ansonsten könnte eine Übernahme drohen – doch auch das muss für  Aktionäre nicht das Schlechteste sein. Die Aktie kann, muss aber nicht in Ihr Depot!

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Gerüchte um den Verkauf der italienischen BörseDie Londoner Börse muss Vermögenswerte verkaufen, um die Übernahme von Refinitiv genehmigt zu bekommen. Im Gespräch ist u.a. die italienische Börse. › mehr lesen


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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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