Deutsche Einlagensicherung durch EU gefährdet

Liebe Leser,

erinnern Sie sich noch an die Erklärung von Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem damaligen Finanzminister Peer Steinbrück: „Die Spareinlagen in Deutschland sind sicher.“

Diese drastische Maßnahme beruhigte zum Höhepunkt der Finanzkrise ganz klar die Lage. Diese Aussagen waren eigentlich gar nicht nötig, denn auf Grund der aktuellen Regelung sind deutsche Einlagen bis zu 30% des Eigenkapitals – und zwar ohne Grenze nach oben – abgesichert.

Diese Regelung gilt für die privaten Banken. Bei den Sparkassen gibt es einen eigenen Sicherungsfonds, bei dem alle Sparkassen untereinander im Notfall einspringen.

Deutsche Einlagensicherung: Droht Ärger aus Brüssel?

Doch diesem stabilen System droht nun Ungemach. Und woher kommt der Ärger? Sie können es sicher erraten: Aus Brüssel. So will die EU-Kommission die deutsche Regelung ändern und eine europaweite Einlagensicherung von maximal 100.000 Euro einführen. Die Planung aus Brüssel sieht vor, dass ab Ende 2014 in Deutschland die neue Maximalgrenze gelten soll.

Zunächst ergibt sich damit ganz klar eine Verschlechterung für die Einlagensicherung in Deutschland. Aber schauen wir uns das Ganze doch einmal genauer an. Im Notfall stoßen die Banken bei den hohen Vorgaben bei uns doch sehr schnell an ihre Grenzen.

So sorgte schon die Lehman Pleite im Herbst 2008 für eine Schieflage, die nur durch das aktive Einschreiten des Bundes wieder ausgeglichen werden konnte. Daran ist doch schon erkennbar, dass es zwar eine umfassende Einlagesicherung auf dem Papier gibt, die aber im Notfall wohl nicht ausreichen würde.

Deutsche Einlagensicherung: Kapitalbremse EU

Zusätzlich will die EU-Kommission durch die neue Regelung verhindern, dass im Notfall Kapital in die Länder mit der besten Einlagensicherung fließt. Dieser Ansatz ist ohne Frage positiv. Doch ist die Grenze von 100.000 Euro für eine europaweite Regelung vielleicht doch etwas niedrig gewählt.

Andererseits gibt es immer wieder Angebote von ausländischen Banken, bei denen die Einlagen sogar nur bis 20.000 Euro abgesichert sind. Dazu zählen beispielsweise viele Finanzinstitute aus der Türkei. Oft genug locken hier hohe Zinsen bei Tagesgeld, die in den meisten Fällen sogar über die Grenze von 20.000 Euro hinaus bezahlt werden. Im Notfall wäre dann aber das übrige Geld einfach weg.

Und wie wenig eine Einlagesicherung von 20.000 Euro im Notfall tatsächlich wert ist, zeigte sich im Herbst 2008 als Island nicht nur kurz vor dem Bankrott stand. Auch die Einlagen bei der Kaupthing Bank wurden über Nacht eingefroren.

Erst nach langen zähen Verhandlungen bekamen die deutschen Anleger ihre Einlagen zurück – jedoch ohne die zu Beginn angekündigten üppigen Zinsen von rund 5%.

Keine Frage: die unbegrenzte Einlagensicherung ist richtig und wichtig. Aber beim finanziellen Notstand kann sie auch nur bedingt helfen. Es ist einfach nicht möglich – und das gilt für die privaten Banken genauso wie die Sparkassen – in der Krise alle Einlagen bei den Banken zu sichern. Das wäre zwar schön, ist aber eine Illusion.

Deutsche Einlagensicherung: EU auf richtigem Weg

Und damit bin ich wieder beim Anfang: Der Krisen-Appell von Merkel und Steinbrück zum Höhepunkt der Finanzkrise 2008 sollte vor allem beruhigen und die Bevölkerung von einem Bankensturm abhalten. Das ist geglückt. Wäre es aber in der Phase zum Zusammenbruch einer Bank von der Größe der Commerzbank gekommen, dann wäre ein Sturm auf die Banken kaum zu verhindern gewesen – trotz der bestehenden Einlagensicherung.

Wenn nun die deutsche Regelung gekippt wird, ist das eher ein Schritt, der sich der Realität anpasst.

Bis morgen,

Heiko Böhmer

Chefredakteur „Privatfinanz-Letter“


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13. Juli 2010

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Heiko Böhmer. Über den Autor

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